Lesertext: Unterwegs in Malawi

Seit über vier Jahren sind wir, von „Heimaturlauben“ unterbrochen, mit eigenem Fahrzeug im südlichen Afrika unterwegs und bauen das kleine Land im Herbst 2009 in eine größere Rundreise ein.

Ziemlich weit im Norden Malawis fahren wir, von Sambia kommend, nach passieren eines verschlafenen Grenzübergangs stetig bergan. Wir atmen tief durch! Nach der brütenden Hitze von 42° in Sambia ist die frische, kühle  Bergluft eine Erholung. Wir fahren durch ausgedehnte Nutzwälder, dazwischen liegen kahle, abgeholzte Hänge. Es gibt einige Sägewerke, aber viele Stämme werden noch in Handarbeit zu Brettern verarbeitet und an der Straße für den Abtransport gestapelt. Aus Holzabfällen und Plastikplanen bauen sich die Saisonarbeiter einfache Behausungen, die eher an Hundehütten erinnern.

In der Provinzhauptstadt Mzuzu tauschen wir Geld und füllen unsere Vorräte auf. Die Lebensmittelauswahl in den engen, dunklen, ungepflegten „Supermärkten“ ist sehr begrenzt und teuer.

In Serpentinen geht es bergab, bis vor uns das leuchtende Dunkelblau des Malawisees auftaucht. Wir passieren riesige Bananenplantagen, und zerschnittene, leuchtend weiße Cassava-Knollen liegen ausgebreitet zum Trocknen in der Sonne. Später werden die Stückchen zerstampft und das Mehl zu einem Brei gekocht, der für den Hauptteil der Bevölkerung das Grundnahrungsmittel darstellt.

Am Rand der  anschließenden Kautschukwälder bieten Kinder aus Gummifäden selbstgemachte Bälle an. In Chinteche finden wir einen traumhaft schönen Campingplatz am See. Wir parken unter einem riesigen, alten Mangobaum. Barfuss laufe ich durch den feinen, weißen Sand, das warme Wasser umspült meine Knöchel und schwemmt gelben Kies an, der wie Gold am Ufer leuchtet. Nach zwei Tagen kommt Sturm auf. Nachts knallen die unreifen Mangos wie Kanonenkugeln aufs Dach des Fahrzeugs. Die Wellen werden immer höher, und wir haben die einmalige Gelegenheit, in Süßwasserbrandung zu baden. Unser Fahrzeug bringen wir schnell in Sicherheit bevor das Dachfenster zu Bruch geht.

Altkleider aus Europa

Eine asphaltierte Straße führt parallel zum westlichen Seeufer nach Süden und bietet in vielen Orten Hotels, Lodges und Campingmöglichkeiten. Die Landschaft wird flacher und eintöniger, der Baumbestand ist weitgehend abgeholzt. Baumwollplantagen und Zuckerrohrfelder säumen die Straße. Die Verkaufstische biegen sich unter dem Gewicht von Tomaten, Zwiebeln und Süßkartoffeln. Man sieht auch sehr viele Kleiderstände am Straßenrand. Zum Teil handelt es sich um Billigware aus Indien und China, aber auch Altkleider von den Sammlungen in Europa türmen sich zu bunten Haufen. Wir fragen uns, wer das alles kaufen soll?

Bei Senga Bay gibt es eine kleine Fischfarm, wo in zahlreichen Wasserbecken die im See gefangenen Buntbarsche nach Farben und Größe sortiert werden. Von hier geht es dann zu Tierhandlungen in aller Welt, denn die farbenfrohen Süßwasserfische sind bei Aquarianern sehr beliebt. Am Südende des Sees sind Küste und  Fischbestände durch die Einrichtung eines Nationalparks geschützt. Hier können wir mit den leuchtend blauen und gelben Fischlein schnorcheln. Auch genießen wir es sehr, das Leben im nahen Fischerdorf zu beobachten.

An unserem Weg nach Süden liegt die MUA Mission, gegründet von den „Weißen Vätern“ aus dem französischen Teil Kanadas. Malawi hat das dichteste Missionsnetz aller afrikanischen Länder. Wir bewundern die hübschen Wandbilder an den Außenwänden des Museums, die plastisch die Geschichte des Landes darstellen. Kaum 100 Meter weiter entdecken wir als Teil des lokalen Marktes einen „Medizinmann“, der auf dem Boden seine Zauberobjekte, Tinkturen und traditionelle Medizin ausbreitet.

Im Liwonde N.P. möchten wir mit der Kamera Jagd auf die einheimische Tierwelt machen. Als erstes überfallen uns die Tsetsefliegen und stechen sofort zu. Das ist kein Vergnügen, denn die Stiche entwickeln sich zu dicken Beulen und jucken tierisch eine ganze Woche lang. So bleibt uns nichts anderes übrig, als bei 42 Grad mit geschlossenen Fenstern zu fahren und die Klimaanlage einzuschalten. Der Park beeindruckt durch malerische Flusslandschaften, riesige Wasserbockherden, badende Elefanten, interessante Vögel und freche Paviane, die uns am letzten Tag noch einen Streich spielen. Während wir eine Bootstour auf dem See machen, reißen sie die Wäscheleine samt Wäsche von den Bäumen, zerfetzen die Klammertüte und verteilen den Inhalt in der Landschaft. Etwas genervt entfliehen wir der Hitze ins kühle Bergland.

Große Auswahl an Obst und Gemüse 

In Zomba, 900 Meter hoch, ist die Luft schon deutlich angenehmer. Das wussten auch die Engländer, die als Kolonialherren hier ihre erste Hauptstadt der Provinz Nyassaland errichteten. Läden und Märkte überraschen uns mit vielfältigem Obst-, Gemüse- und Wurstangebot. Ein schmales Sträßchen führt hinauf aufs Plateau in 1500 Meter Höhe, wo neben einer Forellenfarm eine Waldlichtung zum Picknick oder Campieren einlädt. Von hier gibt es idyllische Wanderwege zu Wasserfällen, Waldseen und Aussichtspunkten, und im Oktober locken uns reife Beeren an den Sträuchern zum häufigen Naschen. Hier gefällt es uns so gut, dass wir die Stille und die idyllische Umgebung vier Tage lang genießen.

Nachdem wir in Blantyre, der größten Stadt im Süden, die Visa für Mosambik erhalten und den gutsortierten Supermarkt „geplündert“ haben, geht es durch riesige Teeplantagen zu den Mulanje Bergen, dem höchsten Bergmassiv des südlichen Zentralafrika. Es ist ein beliebtes Wandergebiet, geführte, mehrtägige Touren mit Hüttenübernachtung sind möglich. Wir begnügen uns mit einer Halbtagestour zu einem wirklich spektakulären Wasserfall, der sich in ein eiskaltes Badebecken ergießt, in dem uns glatt die Luft wegbleibt. Gerne nehmen wir das Angebot eines jungen Einheimischen an, uns als Führer zu begleiten, denn alleine sollte man in den unwegsamen Bergen und auf kaum markierten Wegen lieber nicht unterwegs sein.

Bei unserer Abreise am nächsten Morgen hüllen sich die Berge in Wolken und die Sonne ist verschwunden, so als wollte sie uns den Abschied leichter machen. Für uns sind es nun nur noch wenige Kilometer bis zur mosambikanischen Grenze, wo wir unsere Reise in ein weiteres interessantes Land fortsetzen.

Renate Henkel

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