Italien: Pittoresk zwischen Himmel und Meer

 

 


 

An der Küste der italienischen Region Ligurien hat sich eine besondere Kulturlandschaft entwickelt.  Sanfter Tourismus steht in Cinque Terre an der ligurischen Küste an erster Stelle. Im Nationalpark westlich von La Spezia, an der Riviera de Levante, sollen die terrassenartig bepflanzten Hänge geschützt werden. Und wer will, kann selbst eine Patenschaft für einen Weinberg übernehmen.

Das Brausen der Brandung ist beruhigend. Lange blickt das junge Paar auf das Meer hinaus. Nach dem Abendspaziergang auf dem Weg der Liebe, der „Via dell’Amore“, haben die beiden ein kleines Vorhängeschloss am Geländer befestigt. Unzählige solcher Liebesschwüre aus Metall befinden sich seit einigen Jahren an der Brüstung auf dem Pfad, der Riomaggiore und Manarola miteinander verbindet. Die beiden kleinen Orte gehören zusammen mit Vernazza, Corniglia und Monterosso zu Cinque Terre. Im Nordwesten Italiens, an der ligurischen Küste bei La Spezia, sind die Dörfer Teil des Nationalparks Cinque Terre und Unesco-Weltkulturerbe.
Malerisch kleben die Häuser in leuchtenden Rot- und Brauntönen an den Hängen der Klippen, die steil ins kobaltblaue Meer abfallen, jedes Dorf in seine eigene Bucht. Ein Geheimtipp sind die Orte mittlerweile nicht mehr. Unzählige Touristen aus aller Welt, vor allem junge Menschen zieht es nach Cinque Terre. Man sollte schon gut zu Fuß sein, um das Labyrinth aus engen Gassen und schmalen Treppen zu durchdringen. Vom Treppensteigen darf man sich also nicht abschrecken lassen. Denn der Autoverkehr wird streng reglementiert, ein guter Buspendelverkehr ist eingerichtet. Zumal die meisten Karossen eh nicht durch die Gässchen kommen würden, die nach wenigen Metern an einer weiteren Stufe enden. Damit aber zumindest ein Teil der Dörfer barrierefrei besucht werden kann, sind bereits Aufzüge in Betrieb genommen worden.
Romantiker kommen in den Dörfern auf ihre Kosten. In den malerischen Häuserzeilen scheint das Leben seit Jahrhunderten den gleichen gewohnten Gang zu gehen, ohne die Hektik der Moderne. Große Olivenbäume und Zitronen gehören in fast jeden Garten.

Auf der Straße der Liebe

Die Erkundungstour zu Fuß kann beginnen: Nicht nur Verliebte schlendern über die Via dell’Amore, die mittlerweile wie die Milvische Brücke in Rom von unzähligen Vorhängeschlösser zeugt. Entlang an Wein- und Olivenhängen, Ginstersträuchern und Feigenkakteen kann man die etwa zehn Kilometer lange Verbindung zwischen den fünf Orten gut in der Natur erwandern. Rund fünf Stunden Gehzeit wird für die Strecke einkalkuliert, an deren Ende in Monterosso ein breiter Sandstrand und ein wie Diamanten funkelndes Meer zur Belohnung warten. Schneller geht es natürlich mit der Bahn an der Strecke La Spezia-Genua, die durch zahlreiche Tunnels führt und so alle fünf Orte verbindet. Sehenswerte gotischen oder barocke Kirchen und mittelalterliche Aussichtstürme sind lohnende Ausflugsziele. Auf halber Höhe der Küste finden sich fünf kleine Wallfahrtskirchen, darunter mit der Kirche Soviore die älteste Wallfahrtskirche Liguriens.
Vor über 800 Jahren haben sich die ersten Siedler an den unwirtlichen, mehrere hundert Meter hohen Felsklingen und Steilküsten niedergelassen, um ihren Lebensunterhalt mit Fischerei und Landwirtschaft zu bestreiten. Um die Hänge urbar zu machen, sind Terrassenfelder entstanden, lang und schmal, immer nur für wenige Pflanzen. Einige tausend Kilometer an Trockenmauern und Steinriegeln dienen als Begrenzung. Diese Terrassen machten die Region einzigartig: Landschaftliche Schönheit, die durch Menschenhand komplettiert wurde. Um sie zu schützen und zu erhalten, wurde 1999 der Nationalpark ins Leben gerufen. Denn Erdrutsche drohen das Ensemble zu zerstören.
„Die Arbeit auf den Terrassenäckern war vor Hunderten von Jahren sehr mühsam und ist es auch heute noch“, erzählt Samuele Lercari vom Nationalpark beim Gang durch die Hänge. Als  Kind hat er selbst auf diesen Feldern den Großeltern geholfen hat. Direkt über Riomaggiore, „auf dem Dach der Welt“, wachsen wie früher Oliven, Wein und Zitronen. Und mittlerweile auch Basilikum und Rosmarin, Oregano und Salbei, Lavendel und Malven und viele andere Kräuter im biologischen Anbau. Es durftet verführerisch. „Wir sind in der kleinen Provence“, scherzt Samuele. Charakteristische Pflanzen gedeihen auf dem nährstoffarmen Boden. „So bleiben die Pflanzen zwar klein, aber der Geschmack ist viel besser“, sind er und die Arbeiter dort überzeugt. Für den umwerfenden Ausblick auf die Bucht haben sie wenig Zeit, denn junge Basilikumpflänzchen müssen gesetzt werden. Wer sich die mühsame Wanderung über Unmengen von Stufen zur Bergspitze ersparen will, kann wie die Arbeiter mit einer Minizahnradbahn fahren, deren Neigungswinkel aber nichts für einen schwachen Magen sind. Für die Vermarktung der Produkte zeichnet eine Kooperative verantwortlich, die sich auch um die Terrassenäcker kümmert. Seife und Cremes, Marmelade und Liköre findet sich im kleinen Verkaufsraum des Nationalparkzentrums im Nachbarort Manarola. Dort werden die Kosmetika auch hergestellt. Und während die neueste Sonnencreme im Rührbottich hinter der Glasscheibe gerade fertiggestellt ist, erzählt die Mitarbeiterin bereitwillig über die Fertigung, bei der auf Konservierungsstoffe verzichtet wird.
Wer wissen möchte, wie zu früheren Zeiten Olivenöl gepresst wurde, sollte einen Blick in die historische Ölmühle von Manarola werfen.

Diana Seufert

Weiter Informationen: www.turismoinliguria.it

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