Italien: Mit Sissi im Apfelbad

Südtirol setzt bei den Relax-Angeboten auf Apfelwellness – nicht nur während der Blüte im Mai.

Wenn Thea Kofler ihre Zutaten zusammenrührt, dann geschieht dies mit einer unglaublichen Schnelligkeit, Erfahrung, Vorsicht. Kein Wunder: Ihr Arbeitsmaterial ist hochempfindlich, leicht verderblich und will deswegen rasch verwendet – in diesem Fall aufgetragen – werden. Thea Kofler ist Chef-Kosmetikerin im Wellnesstempel des Verdinserhofs in Schenna bei Bozen. Und was sie mir nun auf den Rücken aufträgt und dort mit Nachdruck verreibt, ist Apfel. 100 Prozent Natur. Wohlriechend. Und pflegend: Das Peeling etwa, das sie aus geriebenem Apfel, Meeressalz und dem uralten Schönheitsmittel Honig zusammengemengt hat, soll all die abgestorbenen Hautschüppchen entfernen und gleichzeitig die Durchblutung aktivieren. Das Ergebnis: eine zum Reinbeißen duftende, seidig-weiche Haut.

Gülderling, Golden Delicious oder Elstar – was gerne vernascht wird, lässt sich auch wunderbar zum Entspannen, Salben und Hübschen einsetzen. Angeblich schmiert sich sogar Michelle Obama täglich mit einer Apfelcreme ein. Zu welcher Apfelsorte man beim Apfel-Wellness greift, ist im Grunde egal – bis auf eines: Der Apfel, der auf der Haut landet, sollte aus biologischem Anbau stammen. Das Schönheitsritual ist ein ganzjähriges: es beginnt zur Blütezeit im Frühsommer, wenn sich die Bäume weißrosa verfärben, und endet noch lange nicht im Herbst, wenn die prallen Früchte die Äste gen Boden ziehen – denn Äpfel können wunderbar gelagert werden.

Schönheitsrituale mit Äpfeln haben nicht nur in der Apfelanbauregion Südtirol eine lange Tradition. Schon in der Antike und unter den Germanen galt die Frucht als Schönheitsmittel und Bewahrer ewiger Jugend. Die Frucht stammt ursprünglich aus Asien. Über die Seidenstraße gelangte sie nach Europa, wo sie zuerst von den Griechen kultiviert wurde und dann – den Römern sei Dank – im heutigen Südtirol landete. Dort lag auch Kaiserin Elisabeth alias Sissi gerne im Apfelbad.

Dass die Frucht nicht nur die Küche, sondern auch das Bad und viele Wellnesstempel eroberte, hat einen einfachen Grund: Äpfel haben denselben pH-Wert wie unsere Haut. Dadurch eignen sich Pflege-Produkte auf Apfel-Basis besonders für empfindliche Haut. Äpfel beinhalten zudem direkt unter der Schale viele Pektine – so heißt der Stoff, der den Cholesterin-Wert senkt und die Durchblutung verbessert, sodass die Haut strahlt. Hyaluronsäure verbessert zudem die Feuchtigkeitsaufnahme, Vitamine und Spurenelemente straffen und verjüngen damit das Gewebe. Und alle diese Stoffe wirken sowohl von innen als auch von außen. Über eine sanfte Massage etwa. Nach dem Peeling dringt das Apfelöl besonders leicht in die Poren der nun freien Haut ein.

Das Öl hat Thea Kofler schon vor zwei Tagen zubereitet: In Sonnenblumenöl, „es kann auch ein anderes neutrales Basisöl sein“, hat sie kleine Apfelstückchen gegeben, zwei Tage durchziehen lassen und das Öl dann mithilfe eines Tuchs abgeseiht. „Ganz wichtig ist, dass Sie das Öl frisch verwenden“, mahnt Thea Kofler. Ebenso wie die Masken und Peelings aus der köstlichen Frucht. Denn das Fruchtfleisch von Äpfeln färbt sich, einmal geschält, schnell braun. Um Badeessenzen, Öle, Peelings oder Masken aus Apfel herzustellen, brauche man „weder viel Zeit, noch ein Chemiestudium oder exotische Zutaten“, sagt Thea Kofler.

Martina Hahn

Infos: www.schenna.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *