Pakistan: Mit dem Motorrad zum Nanga Parbat

Motorrad am Nanga Parbat, Pakistan

KILLER MOUNTAIN

Ich breche allein zum Nanga Parbat-Basiscamp auf. Die Straße hat es in sich. Mehrfach muss ich mein Motorrad abfangen und vier Stürze vermeiden. Dann ist es geschafft. Ich stehe vor dem „Killer Mountain“ – Der Berg gilt als schwierig zu besteigen. 126 Menschen, haben hier schon ihr Leben gelassen. Es geht weiter talabwärts nach Is­lamabad. Plötzlich überholt uns ein Buswrack. Es darf nicht wahr sein: es ist der Bus, der im Skardu-Tal auf der Seite lag. Sie haben ihn fahr­fertig gemacht, und demnächst transportiert er wieder Menschen. Da bevorzuge ich doch lieber mein eigenes Transportmittel. Ein Schlenker führt uns in die Kashmir-Region. Der Aufstieg nach Murree erinnert mich an Österreich mit seinen kurvigen Straßen durch Kiefernwälder. Dann will uns die Polizei nicht mehr weiterfahren lassen. Sperrgebiet! Wir müssen umkehren, Richtung Lahore.

Es beginnt ein kleines Motorradabenteuer. Wir müssen in der Nacht in das uns unbekannte Lahore einfahren. Unbeleuchtete Kamelwagen, entgegenkommende Busse, quer stehende Ochsenkarren, Schlaglöcher, Staub, etc. Wir sind froh, als wir unverletzt in der Altstadt ankommen. Hier wollen wir eine Motorradfahrerlegende besuchen, den alle nur Dr. Masoud nennen. Zwar haben wir nicht die genaue Adresse, wo er wohnt, doch wir kennen die Gegend, in der er residiert. Wir stellen uns an den Straßenrand und tatsächlich in wenigen Minuten lernen wir seinen Nachbarn kennen.

Der Mann hat nur leider eine schlechte Nachricht für uns – die Motorradfahrerlegende ist vor zwei Monaten verstorben. Ich möchte sein Reich trotzdem sehen. Er führt mich durch enge Altstadtgassen zu seinem Haus. Dr. Massouds Neffe öffnet die Tür. Ich bitte höflich um einen Blick in die Werkstatt. Unglaublich – ein Paradies für Schrauber! Unzählige Ersatzteile, fünf funktionstüchtige Motorräder. Der Blick­fang ist eine polierte BMW 100 GS. Die würde ich am liebsten mitneh­men. Die Wand ist mit Motorradplakaten und -postern übersät. Einige Urkunden zeichnen ihn aus. Eindeutig: hier hat eine Persönlichkeit ge­lebt! Schade, dass ich ihn nicht mehr persönlich kennen lernen kann.

Am nächsten Tag verlasse ich das Land mit einem weinenden Auge in Richtung Indien. Pakistan war für mich das landschaftlich schönste Land der Tour!

Buchcover Joachim von Loeben, Echt mutigWieder ein Text unseres Lesers Joachim von Loeben. Er ist ein Auszug aus dem Buch Echt mutig -Vom Banker zum Abenteurer. Erschienen im Selbstverlag 19,90 Euro.

 

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