Österreich: Ein Hauch von Alaska in der Steiermark

 Schneeschuhwandern im Gesäuse

Winterurlaub im Steiermärkischen Nationalpark Gesäuse

Es ist eine der eindrucksvollsten Alpenlandschaften mit Bergen bis 2400  Metern, weiten Tälern und Hochebenen. Und mitten drin strömt die Enns, Österreichs 16 Kilometer langem und größtem Fluss. Am Eingang zum Nationalpark stürzt sie sich zwischen steil aufragenden, teilweise bewaldeten Felswänden mit wildem Sausen und Brausen in eine Schlucht – und gab so dem jüngsten Nationalpark des Alpenlandes seinen Namen Gesäuse.

Hoch über dem Tal, fast versteckt in Wäldern, thront Schloss Röthelstein. In 17. Jahrhundert als Sommersitz für die Äbte des Benediktinerstifts Admont erbaut, ist das Barockschloss heute ein Hotel mit besonderem Flair. An seine langjährige Geschichte erinnern der mit Fresken ausgeschmückte Rittersaal, die kleine Schlosskapelle und der große Arkadeninnenhof. Ein besonderes Highlight ist der gemütliche Abend in der original erhaltenen Rauchküche, die sich rühmen darf, die größte in Österreich zu sein. Wer hierher kommt, sucht keine rasanten Abfahrten und kein Apres-Ski-Vergnügen sondern unberührte Natur und die Stille in der winterlichen Bergwelt. Wenn sich beim Wandern ein strahlend blauer Himmel über den Wipfeln der tiefverschneiten Bäume wölbt, wenn Sonnenstrahlen die Schneekristalle glitzern lassen – dann ist das Winterromantik pur, Balsam für die Seele. Und der Blick hinunter auf Admont, umgeben von majestätischen Bergketten, ist atemberaubend. Wer lieber auf schmalen Brettern seine Spur durch den Schnee ziehen möchte, findet im kleinen aber feinen Skigebiet Kaiserau und im Langlaufzentrum Hall bei Admont bestens präparierte Loipen.

Das aufregendste Abenteuer dürfte jedoch eine Fahrt mit dem Hundeschlitten sein. Wenn Sieglinde Herzmaier mit ihrem Seddog Adventure Team in Bad Mitterndorf Station macht, ist schon von weitem das aufgeregte Gebell der Huskys zu hören. Doch bevor die künftigen Musher zum ersten Mal ein Hundegespann führen dürfen, erklärt ihnen die Chefin alles über die verschiedenen Hunderassen, den Schlitten, die Ausrüstung und Regeln. Dann ist es endlich so weit. Vier, sechs oder acht Hunde werden einzeln vor den Schlitten gespannt und warten aufgeregt, dass es los geht. Noch ein paar Hinweise, wie der Schlitten durch Belastung gesteuert und die Hunde durch Zurufe gelenkt werden.

Dann sind die Vierbeiner nicht mehr zu halten. „Die Hunde wollen laufen, wollen zeigen, was in ihnen steckt“, sagt Sieglinge Herzmaier. Sie nennt jeden ihrer Huskys beim Namen, kennt sein Temperament und seinen Charakter. Ein Ruck geht durch den Schlitten und pfeilschnell stürmen die Huskys voran. Nach zwei Runden zur Einstimmung brauchen die Hunde – und auch die Schlittenführer –eine Pause, um sich zu erholen. Doch schon bald wollen sie wieder laufen und die rasante Fahrt durch die verzauberte Winterlandschaft macht Hunden und Menschen gleichermaßen Spaß. Am Ende der fünf Kilometer langen Tour erhalten die Hobby-Musher ein Diplom und die Vierbeiner von ihrem Schlittenführer noch ein paar Streicheleinheiten, was sie sich gern gefallen lassen.

Jodeln mit Hermann Härtl

Bekannt als Bergsteigerdorf ist Johnsbach, das von jeher mit anspruchsvollen Kletterrouten und herrlichen Wanderungen Gäste anlockte. Schon 1873 gab es den ersten Touristenführer und gut zehn Jahre später wurde mit dem „Spezialführer durch das Gesäuse“ der erste deutschsprachige Gebirgsführer der Welt veröffentlicht. Ein Anziehungspunkt in dem langgestreckten Dörfchen sind der große Bergsteiger-Friedhof am Ortseingang und das Gasthaus „Köblwirt“, das als eines der besuchenswertesten im Nationalpark gepriesen wird. Spezialität des Hauses ist das Styria-Beef aus der hauseigenen Bio-Landwirtschaft, das durch seine Zartheit und den besonderen Geschmack ein Highlight auf der Speisekarte ist. Doch manches Mal klingen auch ungewohnte Laute aus der gemütlichen Gaststube. Dann ist Herrmann Härtl wieder dabei, Gästen das Jodeln beizubringen. „Jeder kann jodeln“, behauptet er und motiviert die „Anfänger“ mit beschwörenden Blicken und Gesten. Nachdem die ersten Hemmungen überwunden sind und zwischendurch ein Schnapserl die Stimme geschmeidiger gemacht hat, hören sich die Jodler schon viel besser an. „Jodeln ist die Kommunikation der Berge, und dieses Kulturgut muss erhalten werden“, begeistert sich der alte Herr, der seit zwanzig Jahren Jodelseminare leitet. Als Ehrenprofessor unterrichtet er in Salzburg und Graz, Bayern und der Schweiz.

Auf Schneeschuhen zur Ebneralm

Bei einer Schneeschuhwanderung können die gelernten Jodler dann in der freien Natur erprobt werden. Schnell sind die tennisschlägergroßen Bretter angeschnallt und Nationalparkguide Karo stattet jeden mit einem Lawinenwarngerät aus. Das sei Vorschrift und das Gerät muss immer eingeschaltet sein, informiert sie. Auf gespurtem Winterwanderweg geht es leicht und zügig bergauf. Im Tiefschnee wird es etwas anstrengender, jedoch es macht Spaß, auf dem unberührten Schneehang seine eigene Spur zu legen. Noch einmal kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke und verzaubert die weiße Landschaft mit einem zarten rosafarbenem Schimmer. Dann ist die einsam gelegene Ebneralm erreicht. In der Wärme der gemütlichen Hütte und nach einem Willkommensschnaps sind die Lebensgeister wieder lebendig.  Die Bewegung in der frischen Luft hat hungrig gemacht und so greift jeder herzhaft zu, als der Wirt eine leckere „Wilde Jause“ serviert. Doch noch ist der erlebnisreiche Tag nicht zu Ende, denn hinunter ins Tal geht´s mit dem Schlitten. Nur der Mond beleuchtet mit seinem silbernen Licht den  kurvenreichen Weg bergab.

Wohl kein Gast wird die Gesäuse-Landschaft verlassen, ohne den Benedektinerstift Admont – das 1074 gegründete älteste bestehende Kloster der Steiermark – zu besuchen. Eingebettet in die großzügige Klosteranlage sind die Stiftsbibliothek mit rund 200.000 Druckwerken vom 16. bis 19. Jahrhundert und das 2003 gegründete neue Großmuseum mit Handschriften, Frühdrucken und Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

In besonderer Erinnerung der jährlich rund 90. 000 Besucher dürfte die Stiftbibliothek mit dem größten klösterlichen Büchersaal der Welt bleiben: 70 Meter lang, 14 Meter breit, 13 Meter hoch und von sieben Kuppeln überwölbt, bezaubert er mit der zarten Heiterkeit des Rokoko. Aus 48 Fenstern fällt das Licht auf die weiß-goldenen Bücherschränke und die herrlichen Deckenfresken. Ein Anblick, der überwältigend ist. Nicht von ungefähr wird die Stiftsbibliothek auch als „ Achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Christel Seiffert

Infos: Steiermark Tourismus, St. Peter Hauptstr. 243, 8042 Graz, Tel.: 0043-316-4003-0,

www.steiermark.com, www.nationalpark.co.atwww.gesaeuse.at, www.checkpoint-adventure.at, www.stiftadmont.at

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