Italien: Zu Besuch bei Ötzi in Bozen

„Puh, das riecht aber komisch.“ Der kleine Felix rümpft die Nase, aber den breiten Mantel aus Fellresten gibt er nicht her. Schnell wirft er sich das viel zu große Kleidungsstück über und zieht die Mütze auf. Jetzt fühlt er sich nicht nur ein bisschen wie Ötzi, der Mann aus dem Eis, sondern ein sieht auch wie eine Miniaturausgabe von ihm aus. Fehlen nur noch Pfeil und Bogen. Strahlend posiert er vor Mama und Papa. Bei der Sonderausstellung „Life. Science. Fiction. Reality – Ötzi 20“ im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen gibt es neben den wissenschaftlichen Aspekten, die mit der Entdeckung der 5300 Jahre alten Mumie in Zusammenhang stehen, auch interaktive und spannende Erlebnispunkte über die Forschungsarbeit der letzten 20 Jahre. Gerade im Jubiläumsjahr lockt die Stadt an Talfer und Eisack wahre Besucherströme an.

Wer ins Museum im Stadtzentrum will, sollte sich rechtzeitig auf den Weg machen. Schon kurz nach der morgendlichen Öffnung der Pforten bilden sich lange Besucherschlangen. Die Eismumie ist auch 20 Jahre nach der Entdeckung in den Ötztaler Alpen ein wahrer Magnet. Und so führt der Weg schnell zum Fester an der Kältekammer, in der der faszinierende Mensch aus der Kupferzeit bei frostigen Temperaturen ruht. Kleine Knipse setzt der Körper dabei genau in Erstaunen wie erwachsene Besucher, die sich gerne auch ein zweites Mal in die Schlange stellen, um die Tätowierung am Fuß genau zu betrachten. Warum der Mann so komisch aussieht, fragt ein kleines Mädchen seine Mutter. Und die hat ihre liebe Not mit einer einfachen Erklärung. Das weiß der kleine Felix schon: „Der lag einfach so lange auf dem Berg“, meint er. Nach dem Blick auf die Fundstücke „Ötzis“, wie Pfeil und Bogen, Feuerstein und Getreidekörner, und auf die sehr realistische Plastik, die scheinbar jeden Moment durch die Räume wandern könnte, werkelt er an einer Bastschnur. Spannend für die Besucher ist auch der ernährungswissenschaftliche Bereich, in dem Petersilie oder alte Getreide wie Emmer und Einkorn wachsen.

Glücksfall Ötzi

Der Kriminalfall Ötzi, der eine Pfeilspitze in der linken Schulter hat, wird wissenschaftlich untersucht. Die Mitmachausstellung zeigt aber auch, welche „Blüten“ die Entdeckung Ötzis mit sich gebracht hat, von Gedichten und Karikaturen bis zu Übersinnlichem.

„Ötzi ist ein Glücksfall für die Stadt“, finden nicht nur Roberta Agosti, Direktorin des Bozner Verkehrsamts, und viele Bozner, sondern auch gewiefte Gastronome. Deshalb darf man sich gerne ein Ötzi-Eis in der Eisdiele gegenüber des Museums gönnen. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch die berühmte Laubengasse mit den schönen Erkern, über den Korn- und Obstmarkt oder an der Uferpromenade der Talfer zum Weingarten rund um Schloss Maretsch mit seinen Fresken und weiter zu Schloss Runkelstein ist die süße Köstlichkeit ein idealer Begleiter.

Runkelstein, die Bilderbuchburg, hat ihren Namen nicht von ungefähr: An den Wänden des Westpalas und des Sommerhauses ist der größte profane Freskenzyklus des Mittelalters zu sehen. Höfisches Leben ist bildlich festgehalten, ebenso wichtige literarische Erzählungen, wie die Geschichte um König Arthurs Tafelrunde, Tristan und Isolde oder Garel vom blühenden Tal. Die beiden Bozner Kaufleute Franz und Niklaus Vintler, die 1385 die Burganlage erwarben, wollten mit den Wandmalereien ihren Lebensstil unterstreichen und mit dem Adel konkurrieren. Doch den sittlichen und moralischen Verfall von Adel und Klerus machte Niklaus Vintlers Neffe Hans zum Grundstock für die Erweiterung und Übersetzung des italienischen Lehrgedichtes „Pluemen der Tugent“, das eng mit der Burg verknüpft ist. Wie im 19. Jahrhundert König Ludwig I. von Bayern, so zieht auch heute noch die gut erhaltene mittelalterliche Burganlage die Besucher in ihren Bann.

Wen es nicht sofort zurück in die Südtiroler Landeshauptstadt und zum Waltersplatz mit der Statue des mittelalterlichen Minnesängers Walter von der Vogelweide zieht, der sollte die Talfer überqueren und zur Talstation der Seilbahn gehen, um nach Jenesien zu fahren. Über die prächtigen Weinberge mit den auf Pergolen gezogenen Reben geht es in wenigen Minuten auf 1100 Meter Höhe. Ruhig gelegen, auf dem Hochplateau des Salten, finden Wanderer und Spaziergänger eine zauberhafte Landschaft mit herrlichen Blicken auf Bozen und die Dolomiten rund um den Schlern.

Das quirlige Bozen genießen heißt auch, italienische und deutsche Kultur genießen. Denn die alte Handelsstadt ist ein lebendiger Treffpunkt von Nord und Süd, von deutscher Gründlichkeit und italienischem Charme. Musik und Kunst fühlen sich hier zu Hause, was sich nicht nur in den Museen und sommerlichen Konzerten widerspiegelt.

Diana Seufert

Noch mehr zu Ötzi finden Sie hier: Ötzi mit neuem Gesicht

Infos

Bozen bietet vom Kurzurlaub bis zum Urlaub auf dem Bauernhof viele Möglichkeiten, auch für Kinder. Wen es in historische Mauern zieht, kann im 100 Jahre alten Hotel Laurin residieren, nur wenige Meter vom Walterplatz entfernt.

Für Kulturbegeisterte empfiehlt sich die BozenCard des Verkehrsamts, mit der man unter anderem kostenlosen Eintritt in zahlreiche Museen, wie auch das Südtiroler Archäologiemuseum, sowie weiteren Sehenswürdigkeiten, wie Schloss Runkelstein, hat und auch die öffentlichen Verkehrsmittel und die Bergbahnen nutzen kann.

Die Ausstellung „Life. Science. Fiction. Reality – Ötzi 20“ ist noch bis 15. Januar 2012 im Südtiroler Archäologiemuseum zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr, im Dezember sogar täglich. (www.iceman.it oder www.oetzi20.it).

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bolzano-bozen.it

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