Österreich:Tiersafari in Kärnten

 


In Kärnten auf der Pirsch

So romantisch wie der Name ist auch die Lage von Heiligenblut. Mächtige Berge gruppieren sich zur eindrucksvollen Kulisse um das Dorf mit der kleinen Wallfahrtskirche, deren schlanker Turm in den Himmel zu streben scheint. Der Tag ist noch jung und die Sonne strahlt von einem zartblauen Himmel. Vor dem Hotel Glocknerhof, wo wir uns mit einem exzellenten Frühstück gestärkt haben, steht der Nationalpark-Wanderbus und Ranger Markus erwartet uns schon. „Seid ihr bereit für das kommende Abenteuer“, fragt er gut gelaunt. Welche Frage! Eine Safari in Kenia hat der eine oder andere von uns schon mal gemacht, aber am höchsten Berg Österreichs? Verständlich, dass unsere Erwartungen hoch sind.

Markus drängt zum Aufbruch und los geht die kurvenreiche Fahrt auf der berühmten Großglockner Hochalpenstraße. Schon die ist ein Erlebnis an sich, denn mit fast einer Million Besuchern jährlich gehört sie zu den drei Top-Sehenswürdigkeiten Österreichs. Eine Traumstraße – 48 Kilometer lang mit 36 Kehren schlängelt sie sich vorbei an blühenden Almwiesen und Bergwäldern und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 1.500 Metern. Dann ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern erreicht. Atemberaubend ist der Blick auf die Dreitausender, und der höchste Berg der Alpenrepublik scheint zum Greifen nah. Schon  Kaiser Franz Josef und seine Sissi waren vom Großglockner fasziniert und wanderten 1856 zu jener Stelle, die seitdem  seinen Namen trägt. Als lebensgroße Pappfiguren sind sie auch heute präsent und viele Besucher stehen Schlange, um sich mit ihren Gesichtern als Franz und Sissi fotografieren zu lassen. Berglandschaft in Kärnten

Wir treffen uns am Besucherzentrum mit Markus, wo er aus seinem riesigen Rucksack für jeden ein Fernglas hervor zaubert. Doch zunächst geht es ins Innere des Berges, in den Gamsgrubenweg. Der führt fast vier Kilometer lang durch sechs in den Fels gegrabene Tunnel, in denen an vielen Stellen die mystische und sagenhafte Welt des Berges erlebbar ist. Wieder am Tageslicht wölbt sich ein pastellblauer Himmel über uns und der gigantischen Bergwelt mit ihren schneebedeckten Gipfeln. Tief unten die Pasterze, der längste Gletscher der Alpen, zehn Kilometer ewiges Eis. Wir wandern auf dem Gamsgrubenweg, einer einmaligen Panoramastraße hoch über der beeindruckenden Gletscherlandschaft. Immer wieder eröffnet sich ein neuer Ausblick, laden Bänke zum Verweilen ein, um den Blick auf den nahen Großglockner zu genießen, dessen Spitze sich gerade hinter einem weißen Wolkenhut versteckt. Während dessen sind wir mit den Augen auf der Jagd nach den versprochenen Wildtieren. Doch so sehr wir uns auch anstrengen, keine Gämse klettert auf den Felsen herum und auch kein Steinbock ist in Sicht. „Es gehört etwas Glück dazu, bei einer Safari die Tiere sehen zu können“, tröstet uns Markus. Die beste Zeit sei morgens ab 9 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr.Kühe in Kärnten

Seit dreizehn Jahren ist Markus Ranger – er weiß alles über die Geologie, die Tiere und Pflanzen im Nationalpark und gibt sein Wissen gern an naturbegeisterte Urlauber weiter. Doch dann stellt er plötzlich sein Stativ auf. Mit seinem geschulten Auge und einem Fernrohr mit 60-facher Vergrößerung hat er einen der „Könige der Alpen“ entdeckt. Hinter einem Felsblock ist zwar nur der Kopf mit den gewaltigen Hörnern zu sehen, aber es ist ein überwältigendes Gefühl, dem Steinbock per Fernrohr sozusagen Auge in Auge gegenüber zu stehen. „Das ist der fünfjährige Hans, ich erkenne ihn an seinem Ohrring, einer von 250 Steinböcken hier im Revier“, erzählt Markus. Vierzehn Tiere seien schon mit Halsbändern ausgestattet worden, so dass  ihre Wanderwege bekannt sind. Er erzählt auch von Rupert, den er vor sechs Jahren mit einem Sender ausgestattet hat und der seitdem viel unterwegs war. Ein außergewöhnliches und seltenes Ereignis sei es für ihn gewesen, als er in einer Mulde eine Gruppe von zwanzig Steinböcken beobachten konnte.

Aufgeregt nach diesem fantastischen Erlebnis halten wir weiter Ausschau. Auf einem Grat sind noch einmal zwei Böcke zu sehen, doch leider in weiter Ferne. Umso mehr erfreuen wir uns an den putzigen Murmeltieren, die sogar für ein Foto stillhalten. Murmeltiere in Kärnten

Denn der Ranger zeigt uns, wie man sich ihnen bis auf wenige Meter nähern kann. Der Gamsgrubenweg ist auch Schutzgebiet für Pflanzen. Markus kennt sie alle – den gelb-blühenden Ganzwurz, die Alpenaster oder das Stengellose Leinkraut, das Hundert Jahre braucht, um zu wachsen. „Wollt ihr das Edelweiß sehen“, erkundigt er sich. Natürlich wollen wir. Und er muss nicht lange suchen. An einem leicht abschüssigen Hang blühen sie, weiß im grünen Gras. Das Edelweiß wächst erst ab einer Höhe von 2.200 Metern, erfahren wir. An der Hand von Markus  klettern wir ein paar Schritte abwärts, um die seltenen Blumen ganz nah zu sehen. Denn Vorsicht ist geboten, tief unten „lauert „ die Pasterze. Die wollen wir anschließend zu Fuß erkunden.

Mit der Gletscherbahn geht es hinunter auf´s ewige Eis. Bis zum Fuß der roten Bahn reichte einst die Pasterze. Doch seit 1850 ist durch die Klimaerwärmung der Gletscher um 2,6 Kilometer zurück gewichen. Jetzt führen hölzerne Treppenabsätze und ein Fußweg hinunter, vorbei an gelben und weißen Blumen, die hier wieder Wurzeln schlagen konnten. Es ist ein ziemlich langer Abstieg, der uns ein Gefühl für den dramatischen Rückgang des Gletschers vermittelt. An einigen Stellen markieren Schilder den Gletscherstand in den zurückliegenden Jahrzehnten. Nach dem letzten Schild mit dem Datum vom Jahr 2000 stehen wir dann auf der Pasterze. Unter der körnigen, weißgrauen Oberfläche schimmert das Eis in zartestem hellblau. Ein Lehrpfad führt vorbei an Gletscherspalten. Man kann auch eine Gletschersafari machen, bei der sich Mutige unter Anleitung eines erfahrenen Rangers in eine Spalte abseilen lassen.   Mit der letzten Gletscherbahn um 16 Uhr erreichen wir dann wieder die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Neben dem Steinbock gehören auch Bartgeier zu den im Nationalpark wiedereingebürgerten Tieren. Diese majestätischen Vögel haben im Seebachtal beim Höhenluftkurort Mallnitz, unserem nächsten Ziel, eine neue Heimat gefunden. Das romantische Seebachtal mit dem Stappitzersee gilt als eines der schönsten Hochgebirgstäler der Hohen Tauern. Zwischen steil aufragenden grünbewaldeten Bergen führt ein Naturlehrpfad durch das Tal, das von der Hochalmspitze überragt wird. Aus großer Höhe stürzen Wasserfälle herab, unten plätschert der muntere Seebach  und auf  den blühenden Almwiesen und steilen Hängen grasen gelbweiße Kühe. Hier begleitet Ranger Martin die Gäste beim Wandern oder per E-Bike. Wir entscheiden uns für´s E-Bike. Der Talboden ist eben, da macht das Radeln Spaß und wir sind auch schneller als zu Fuß an der Schwusserhütte, wo die Räder geparkt werden. Danach geht es nur noch zu Fuß weiter. Edelweiß

Plötzlich  kreist ein schwarzer Punkt am Himmel. „Das ist unser Bartgeier“, freut sich Martin. Schnell geht das Fernglas von Hand zu Hand. Doch die Entfernung ist zu groß, um sich vorstellen zu können, dass seine Flügelspanne fast drei Meter beträgt. Zwei Bartgeierpaare seien hier heimisch geworden, erzählt Martin voller Stolz. Und im Hort hoch oben am Felsen wachse ein Junges heran. Hinter der Schwusserhütte ist der gemütliche Wanderweg zu Ende. „Auf zur Rotwildpirsch“, ermuntert uns Martin. Durchs Unterholz kraxeln wir auf rutschigem Waldboden steil nach oben bis zu einer Lichtung. Und da steht er – ein stolzer Rothirsch mit ausladendem Geweih. Alle halten den Atem an, sind ganz still und genießen den Anblick, bis er gemächlich wieder im Wald verschwindet. Nach dem Abstieg kehren wir in der Schwusserhütte ein, wo ein reiches Angebot auf hungrige und durstige Wanderer wartet. Bei einer Brettljause mit Schnapserl und hausgemachtem Topfenstrudel wirkt das eindrucksvolle Erlebnis noch lange nach.

Christel Seiffert

Info:

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Tel.: 00800 400 200 00,  Internet: www.austria.infowww.glocknerhof.info

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