Schweiz: Murten, die Stadt zwischen den Seen

Kleinod im Drei-Seen-Land

Das kleine Murten – an der Deutsch-Französischen Sprachgrenze im Drei-Seen-Land zwischen Bern und Lausanne gelegen – gehört zu den schönsten mittelalterlichen Städten im Land der Eidgenossen

Tournaletta – welch klangvoller Name für einen Turm, den höchsten der Murtener Stadtmauer. Die anderen elf heißen ganz unprosaisch aber beziehungsvoll Pfaffen-, Hexen- oder Schalenturm, Totentanz und Kleiner oder Großer Schimmel. Die Murtener sind stolz auf ihre Ringmauer mit den markanten Türmen und dem begehbaren Wehrgang, denn der ist einzigartig in der Schweiz. Einst wurde von hier oben Ausschau gehalten nach Fremden und Feinden, zog der Nachtwächter seine Runden. Heute sind es nicht nur Touristen sondern auch Anwohner, die die ausgetretenen hölzernen Treppen emporsteigen, um das bezaubernde Panorama zu genießen. Über die Dächer der Stadt geht der Blick auf das glitzernde Wasser des Murtensees, auf die Rebenfelder des Mont Vully bis zu den Höhen des Jura in der Ferne. Auf der anderen Seite breitet sich das grüne Hügelland aus, auf dem Karl der Kühne von Burgund 1476 das Zähringer-Städtchen belagerte – und vernichtend geschlagen wurde. Seitdem ist Murten einer der „heiligen Orte“ der Eidgenossen und der Jahrestag der Schlacht wird alljährlich am 22. Juni als Solennität/ Jugendfest gefeiert. Umarmt von den wehrhaften Ringmauern scheint in der Altstadt die Zeit stehen geblieben zu sein. Blumengeschmückte Bürgerhäuser aus dem 15.-18 Jahrhundert erstrecken sich beidseits der dreißig Meter breiten Hauptgasse, die früher Reichengasse hieß. Unter den abwechslungsreichen Laubengängen lässt es sich herrlich flanieren, vorbei an kleinen Läden, zahlreichen Cafes und Restaurants, die zum Verweilen einladen. Probieren sollte man dabei unbedingt eine Murtener Spezialität – den mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Nidelkuchen aus der Bäckerei Abersold in der Hauptgasse. Der leckere Hefekuchen mit karamelisiertem Rahmbelag wurde schon 1940 von Großvater Abersold „erfunden“ und gehört seitdem zu Murten.

Murten Berntor Den Eingang in die „Barockstube“ des Städtchens bildet das Berntor, das 1778 nach dem Vorbild des Berner Zeitglockenturms errichtet wurde. Einige Jahrzehnte älter als der Turm ist die große Uhr mit dem goldglänzenden Zifferblatt. Es ist ein ungewöhnlicher Zeitmesser, denn der große Zeiger zeigt die Stunden und der kleine die Minuten an. Auch sonst braucht diese Spindeluhr mit Schlagwerk besondere Beachtung, denn sie muss täglich von Hand aufgezogen werden. Und so steigt der Wirt des kleinen Cafes am Berntor jeden Nachmittag in den Turm hinauf, um das Uhrwerk in Gang zu bringen. Ein spätgotisches Juwel am Ende der Hauptgasse ist das Rübenloch mit seinen Malereien dicht unter dem Dach. Auch manch andere Fassade des seit 1916 unter Eidgenössischem Denkmalschutz stehenden Städtchens fesselt den Blick. So die des Hotel Adler, des ältesten Murtener Gasthofs, der 1396 erstmals erwähnt wurde. Hier sollen – weiß die Chronik zu berichten – Casanova und Goethe genächtigt haben. Und so kann der heutige Gast in einem Zimmer schlafen, das deren Namen trägt oder den manch anderer prominenter Besucher. Vom ältesten zum schönsten Hotel ist es nur ein kurzer Weg. Das Le Vieux Manoir, ein romantisches hundertjähriges Landhaus liegt direkt am Murtensee, eingebettet in einen gepflegten Park mit alten Bäumen. Auch wenn die Preise in dem 5-Sterne-Haus und Restaurant manchen Geldbeutel überfordern könnten – ansehen und bewundern ist ja umsonst.

Schifffahrt Mit mediterranem Flair bezaubert der von dichtem Grün „umarmte“ Murtensee, das wärmste Gewässer der Schweiz. An seiner Südseite erstreckt sich der nur 635 Meter hohe Mont Vully – eine Hügellandschaft mit malerischen Dörfern und weiten Rebhängen. Es ist das  kleinste Weinbaugebiet im Land der Eidgenossen, doch seine Weine sind von guter Qualität und beliebt bei Kennern des edlen Rebensaftes. Bei einem Spaziergang auf dem Weinlehrpfad kann man neben einer Kostprobe beim Winzer auch den wunderschönen Blick auf die Murtener Altstadt genießen. Zu den Weinbauern am Mont Vully gehört die Familie Simonet, die seit dreihundert Jahren in Motier einen Weinberg besitzt. Anfangs seien nur die Trauben  verkauft worden, erzählt Junior-Chef Fabrice. Erst 1975 begann Vater Eric die Weinproduktion mit nur einer Rebsorte. Inzwischen arbeiten auch Mutter Ani, die Söhne Fabrice und Stephane in dem Familienbetrieb, und auf den sieben Hektar Rebhängen gedeihen mehr als zwanzig Weinsorten. Der 26-Jährige Fabrice hat „von der Pike auf“ gelernt, in Neuseeland, Frankreich und St. Gallen Erfahrungen gesammelt und sich schon einen Namen als Weinbauer gemacht. In den Kellern des Familienbetriebes reifen Weine in Fässern aus einheimischem, französischem und amerikanischen Eichenholz. Bis zu 65.000 Flaschen werden jährlich abgefüllt und in der Bodega Simonet verkauft. Wenn jedes Jahr am 20. September auf dem Mont Vully das Weinfest gefeiert wird, kommen Besucher auch per Schiff nach Motier, denn der Murtensee ist durch zwei Kanäle mit dem Bieler- und Neuenburger See verbunden. Zusammen bilden sie als Drei-Seen-Land die längste Wasserstraße der Schweiz.

Eine Schifffahrt auf diesen Gewässern ist für jeden Besucher unverzichtbar. So kann man von Murten aus „in See stechen“, an Bord die Stille, frische Luft und das milde Klima genießen und durch den Kanal bis auf den Neuenburger See schippern, an dessen nördlichem Ufer sich kleine und größere Städte wie Perlen an einer Kette  reihen. Ganz am südlichen Seeende liegt Estavayer-le-Lac. Schon der Name klingt wie Musik, und dem Charme dieses mittelalterlichen Städtchens kann sich niemand entziehen.

Estavayer-le-Lac, SchlossMit seinen dicken runden Türmen thront das savoyardische Schloss aus dem 12. Jahrhundert über den Dächern des Bilderbuchstädtchens. Zeugen einer reichen Geschichte sind auch das Dominikanerkloster an der alten Stadtmauer, die Abteikirche aus dem 11. Jahrhundert, die als wichtigstes Bauwerk der romanischen Kunst in der Schweiz gilt, und die Stiftskirche Saint-Laurent mit ihren Arkaden in reinstem gotischen Stil. Beim Schlendern durch die engen Gassen bezaubern die bemalten oder mit Kletterröschen geschmückten Häuser. Fünfzig große farbenfrohe Frösche – eine Installation des heimischen Künstlers Gobia – schweben hoch oben zwischen den Dächern und führen auch zu dem skurrilen Froschmuseum. Eine einzigartige Sammlung, die schon von vielen Gästen aus aller Welt bestaunt wurde. Sie zeigt ausgestopfte Frösche in menschlicher Haltung in Szenen des täglichen Lebens, so in der Schule, beim Essen oder Kartenspielen. Doch spannender ist es, die verträumten Ecken und Plätze des charmanten Städtchens zu erkunden. Mehr als Achtzig Meter Höhenunterschied  und 105 Treppenstufen liegen zwischen der Unter- und Oberstadt. Sind die bewältigt, belohnt am Place de Moudon der schönste Blick auf das Schloss und den tiefblauen Neuenburger See.

Christel Seiffert

Infos Schweiz Tourismus, Region Fribourg, www.fribourgregion.ch, www.murtentourismus.ch, www.estavayer-payerne.ch, www.myswitzerland.com. Kostenlose Informationen unter Tel.: 080010020030

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