Äthiopien: Reise zu den Mönchen vom Tanasee

Tanasee, Äthiopien

Am höchstgelegenen See Afrikas

In Äthiopien ticken die Uhren anders: Die offizielle Zeitrechnung des Landes hinkt hinter der unseren um sieben Jahre und neun Monate hinterher. Entsprechend fängt das Jahr auch nicht am 1.Januar eines Jahres an, sondern am 11. September. Und selbst die Stunden eines Tages werden anders gezählt: die nullte Stunde beginnt mit dem Sonnenaufgang, der Tag also um sechs Uhr morgens.

Trotz der zeitlichen Verwirrung setzt die Propellermaschine der Ethiopian Airlines  pünktlich auf dem Rollfeld von Bahir Dar auf. Die Stadt liegt knapp 500 Kilometer nördlich von Addis Abeba: Mit 250.000 Einwohner zählt sie zu größten Orten des Landes – und zu den beliebtesten Touristendestinationen.

Bahir Dar liegt am Ufer des Tanasees. Und der hält gleich zwei Rekorde: Er liegt 1830 Meter hoch und ist damit der höchstgelegen See Afrikas. Und wegen seiner Länge von  84 und  Breite von 66 Kilometern ist er zugleich auch der größte See Äthiopiens.

Langsam pflügt unser Boot durch das braune Wasser des Tana. Im Schritttempo nähern wir uns der Insel Zegie. Und doch ist unser alter Kahn nicht das langsamste Gefährt auf dem Wasser. Auf dem Weg zur Insel passieren wir eine ganze Reihe von Papyrusbooten, die sogenannten Tankwas.Papyrusboot auf Tanasee

Mit ihnen sind die Einheimischen in die Provinzhauptstadt unterwegs. Für die Strecke, die unser Boot mit dem viel zu schwachen Außenbordmotor in einer dreiviertel Stunde zurücklegt, braucht ein Paddler im Papyrusboot gut fünf Stunden. Ein ziemlicher Aufwand für den Weg zum Markt. Länger noch dauert es, wenn die Männer Brennholz in die Stadt liefern. Die überladenen Boote bewegen sich dann nur noch zentimeterweise vorwärts. Legen die Paddler am Morgen auf Zegie ab, erreichen sie kurz vor Sonnenuntergang das Festland.

Auch Fischer sind mit den Papyrusbooten zum Fang hinausgepaddelt – ein jeder begleitet von ein paar Pelikanen, die auf ihren Anteil der Beute hoffen.

Die Inseln des Tanasees sind bekannt für ihre Klöster und Kirchen. Die sind teilweise über 500 Jahre alt. Damals kämpften Christen und Moslems um die Vorherrschaft in der Region. Und um sich vor Angriffen und Plünderungen zu schützen, waren die Mönche auf die schwer zugänglichen Inseln geflohen.Priester der Beter Mariam Kirche in Zegie

Noch heute gehören weit mehr als 40 Prozent der Äthiopier dem orthodoxen Glauben an. Damit zählt ihr Land zu den ältesten christlich geprägten Staaten der Welt.

Weiß – das Symbol der Reinheit

Als wir morgens um acht mit unserem Boot an der Insel  Zegie anlegen, ist die Messe in vollem Gang. Die Gläubigen sitzen im weiten Kreis um die viel zu kleine Kirche und lauschen den Worten des Priesters. Tanasee, Äthiopien

Schon seit Mitternacht wird hier die Messe gelesen – die ersten Stunden nur für die Mönche des Klosters. Doch nach drei Uhr morgens lassen sich auch die Dorfbewohner auf der Wiese vor dem Gotteshaus nieder. Sie alle sind in weiße Tücher gehüllt – nicht nur ein Schutz vor der Morgenkühle des äthiopischen Hochlandes, sondern auch als ein Zeichen des Glaubens. Denn die weiße Farbe symbolisiert für die Gläubigen der äthiopisch-orthodoxen Kirche die Reinheit.

Die Beter Mariam Kirche auf Zegie – übersetzt bedeutet der Name in etwa „Maria ist unsere Stütze“ – gilt als eine der schönsten im Norden Äthiopiens. Die grell bunten Wand- und Stoffmalereien sind in ihren Ursprüngen fast ein halbes Jahrtausend alt. Doch sie wurden immer wieder nach- und übermalt. Dabei ließen die Künstler auch ihrer eigenen Ideen und Beobachtungen mit einfließen. So sind auf einigen Bildern als Tribut an unsere Zeit mit Gewehren bewaffnete Männer zu sehen.

Rasso Knoller

Mehr zu Äthiopien: HIER

und:

Ein riesiger Infoteil zum Reiseland Äthiopien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *