Italien: Ferienregion Kronplatz

Kronplatz Sonnenaufgang am Peitlerkofel

Die Kultur Ladiniens bewahren

Im Winter ein familienfreundliches Skigebiet, im Sommer ein wunderbares Refugium für Kletterer, Wanderer und Biker: Die Region rund um Bruneck und den „Aktivberg“ Kronplatz im Herzen des Südtiroler Pustertal ist nicht nur bei Familien sehr beliebt.

Noch hängt die morgendliche Dämmerung über den Dolomiten, wenn Michael Call mit seinen Gästen den Maurerberg erklimmt. Auf 2326 Metern steht das Gipfelkreuz – den mächtigen Peitlerkofel und die Geisler-Gruppe im Rücken. Doch um diese Uhrzeit nimmt das kaum einer wahr. Der Blick geht Richtung Osten. Die Gruppe wartet auf den ergreifenden Moment des Sonnenaufgangs. Langsam schiebt sich die orangerote Scheibe hinter den dunklen Bergspitzen hervor. Ein faszinierender Anblick, für den sich das frühe Aufstehen gelohnt hat.
Dreimal in der Woche macht Michael Call diese Tour. Der Sohn des Hoteliers Franz Call vom Vier-Sterne-S Hotel „Almhof Call“ in St. Vigil in Enneberg ist gerne in der Nacht auf den Bergen. Mit dem Auto bringt er die Nachtschwärmer ins Gadertal und durch dessen kleinstes Dorf Untermoi, am Eingang zum Naturpark Puez-Geisler. Danach steht ein längerer Fußmarsch zur Maurerberghütte an. Doch die Strapazen nehmen die Touristen gerne auf sich – für den Ausblick und die Stille.
Nicht nur diese Nachtschwärmer kommen in der Ferienregion Kronplatz auf ihre Kosten. Imposante Dreitausender sorgen für ein Panorama, das auch ausgemachte Flachländer in seinen Bann zieht. Und drei der insgesamt sieben Südtiroler Naturparke, der Naturpark Fanes-Sennes-Prags mit seiner sagenumwobenen Zauberwelt, der Naturpark Rieserferner-Ahrn und der Naturpark Puez-Geisler stellen in ökologisch intakten Gebieten den Schutz der Natur und der Landschaft in den Vordergrund.
Bei ausgedehnten Touren durch die Naturparke stößt man auf eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt. Die scheuen Gemsen sind schnell wieder verschwunden. Die Murmeltiere dagegen sonnen sich neben ihrem Bau und lassen sich von den Touristen, die sofort zur Kamera greifen, nicht stören.
Wilde und unberührte Berge: Auf dem Hochplateau der Klein Fanesalm, am Fuße der Lavarella, kann man sie genießen. Durch das innerste Rautal führt der Weg zur Hütte Pederü auf 1545 Metern. Ab hier heißt es, zu Fuß weitergehen. Nur selten werfen die grasenden Kühe einen Blick auf die Wanderer, die sich am Vigilbach vorbei aufmachen, 500 Höhenmeter zu erklimmen. Vorbei an Schuttlawinen, grauen Felsgraten und steilen Bergflanken führt der Weg durch niedrige Kiefern den Dolomitenwanderweg entlang zur Fanesalm. Wie ein Spiegel liegt der Grünsee zwischen der Faneshütte und der Lavarellahütte, umrahmt von karstigen Felsformationen. Wer es bequemer möchte, lässt sich mit dem Hüttenbus nach oben bringen und wandert von dort talwärts Richtung Enneberg oder auch nach Cortina d’Ampezzo, Tofana und Lagazoi im Blick. Die beiden Hütten sind auch perfekte Ausgangspunkte für Exkursionen um den Monte Cavallo, zum Piz d’Lavarela oder zu den Spitzen der Kreuzkofelgruppe. Grünsee

Nervenkitzel und Ausblicke

Den richtigen Nervenkitzel und jede Menge tolle Ausblicke erhalten Kletterfreunde, die die Gipfel erstürmen. Max Willeit, der erfahrene Berführer aus Enneberg, und sein Freund Simon Kehrer nehmen aber nicht jeden mit auf die Tour. „Die Kondition muss stimmen, und die Einstellung“, sagt Max Willeit. Mit Seilen und Helm ausgerüstet, holt er die Mutigen ab. Wer vorher schon zweifelt, dem rät er, lieber eine gemütlichere Wanderung zu unternehmen statt ans Limit zu gehen. Dann aber geht es hoch hinaus, um den Klettersteig und anschließend die Furcia Rossa Spitze auf 2806 Metern Höhe zu erklimmen.
Die Südtiroler wachsen zweisprachig auf. Meistens. Denn in den fünf Tälern rund um den Kronplatz wird eine weitere Sprache gepflegt: Das Ladinische. Entstanden aus dem Latein der Römer, hat sich eine ganz eigene Kultur und Sprache im Fassatal, Grödnertal, Gadertal, Fodon-Tal und Ampezo-Tal entwickelt. Die Geschichte Ladiniens, das über drei italienische Provinzen verteilt ist, wird im Landesmuseum für ladinische Kultur in St. Martin in Thurn im Gadertal audio-visuell aufbereitet. Vor allem das Handwerk mit Truhentischlern aus dem Gadertal, Wandermalern aus dem Fassatal oder dem Silberfiligranhandwerk aus Cortina lässt die Besucher staunen. Zahlreiche Tondokumente unterstreichen den Wunsch, Sprache und Kultur zur eigenen Identität zu erhalten. Denn längst können viele Jüngere das Ladinische zwar noch verstehen, aber selbst nicht mehr sprechen.
Kronplatz Ladinisches Museum Erhalten bleiben die Traditionen in den Viles, kleinen Ansammlungen von Höfen, die sich scheinbar an die Bergwiesen des Gadertals kauern. Giovanni Mischi ist in Misci, unterhalb der Zehnerspitze, aufgewachsen und schwärmt von seiner Heimat: Eine Harmonie von Natur- und Kulturlandschaft, die das Erbe der Vorfahren bewahrt. Vier bis fünf Wohnhäuser bilden eine eingeschworene Gemeinschaft, mit den angrenzenden Ställen und Scheunen sind sie zu einer richtigen Versorgungseinheit verwoben.
Nicht nur hier werden auch die kulinarischen Traditionen der Kronplatzregion weiter gepflegt. Schlutzkrapfen zum Beispiel, kleine gefüllte Teigtaschen, die mit flüssiger Butter serviert werden. Oder Canci Checi, in Öl ausgebackenes Hefe-Quark-Gebäck, das süß oder herzhaft ein Genuss ist. Ganz besonders schmecken sie im historischen Ambiente des Gasthauses „Gran Ciasa“ in Enneberg. Die gute Stube wird aber nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Dann präsentiert sie ursprüngliche Gemütlichkeit.

Diana Seufert

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