Frankreich: Ein Rundgang durch Paris (1. Teil)

Île de la Cité und Louvre

Es liegt nahe, dort zu beginnen, wo die Stadt ihren Anfang nahm: auf der Île de la Cité. Schon vor mehr als 2000 Jahren siedelten Kelten vom Stamm der Parisii auf der Seine-Insel, und noch heute misst man von hier, von dem Platz vor der Kathedrale Notre-Dame aus alle Entfernungen im Land. Die Insel wird nicht nur als historischer Ursprung der Stadt Paris betrachtet, sondern auch als der – wenn auch nicht geografische – Mittelpunkt Frankreichs.

Square du Vert-Galant, »Platz des Grünen Galan«, heißt die kleine Grünanlage an der Westspitze der Insel – womit Heinrich IV. gemeint ist, auf dessen zahllose Liebesabenteuer damit angespielt wird. Sein Reiterstandbild steht gleich oberhalb dieses idyllischen Winkels, auf der Brücke Pont Neuf. Trotz ihres Namens »Neue Brücke« ist diese Anfang des 17. Jarhunderts eingeweihte Seine-Brücke die älteste der Stadt. Zu ihrer Zeit stellte sie eine absolute Novität dar: Sie war die erste Brücke, die nicht mit Häusern bebaut war.

Wir bummeln weiter über die etwas versteckte Place Dauphine und entlang dem Quai de l’Horloge zur Conciergerie. Dieser älteste Teil des einstigen Königspalasts diente über Jahrhunderte als Staatsgefängnis und wurde noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts als solches genutzt. Inhaftiert waren hier illustre, berühmte und berüchtigte Personen der französischen Geschichte: Ravaillac, der im Jahr 1610 König Heinrich IV. ermordete, der Räuber Cartouche und Charlotte Corday, die Mörderin des Revolutionsführers Marat. Nur wenig später warteten hier dessen Mitstreiter Danton und Robespierre auf die Vollstreckung ihres Todesurteils unter der Guillotine, die auf der Place de la Concorde errichtet worden war. Zur Zeit der Terreur, ihrer »Schreckensherrschaft« während der Französischen Revolution, hatten mehr als 2800 Männer und Frauen dieses Schicksal geteilt – als berühmteste Opfer mussten König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette ihren Kopf lassen. Auch die Königin verbrachte ihre Kerkerhaft in einer Zelle der Conciergerie – diese ist heute zu besichtigen, daneben auch Wachsäle und weitere Räume des Gefängnisses.

Ebenfalls an der Stelle des al­ten Königspalasts befindet sich das im 19. Jahrhundert errichtete, große Gebäude des Palais de Justice. Inmitten der Mauern des Gerichtshofes liegt wohl verborgen ein Kleinod französischer Gotik, die Sainte-Chapelle, deren einzigartige farbige Glasfenster aus dem Mittelalter bis heute erhalten blieben. Mitte des 13. Jahrhunderts ließ Ludwig IX. der Heilige den Sakralbau im Innenhof seines Palasts errichten. Der obere, durch die Fenster in mystisches Licht getauchte Raum war allein dem König vorbehalten, für die Mitglieder seines Hofs war die Kapelle im Geschoss darunter vorgesehen.

Unser Spaziergang führt weiter zum zweiten Highlight der Insel, zur Kathedrale Notre-Dame. Mit der Planung des Kirchenbaus wurde im 12. Jahrhundert begonnen, vollendet wurde er Mitte des 14. Jahrhunderts. Die frühgotische Kathedrale gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten Frankreichs: Unbedingt sehenswert ist die horizontal gegliederte Westfassade mit den drei Portalen, der großen Fensterrosette mit fast zehn Metern Durchmesser und den beiden Türmen. Der originale Figurenschmuck, die sogenannte Königsgalerie, fiel der Französischen Revoluton zum Opfer – obwohl es sich bei den Skulpturen um biblische Könige handelte, wurden auch ihnen die Köpfe abgeschlagen. Erst in den 1970er-Jahren wurden sie wiederaufgefunden und sind heute im Mittelaltermuseum zu besichtigen, dem Musée du Moyen Age et Thermes de Cluny.

Das Innere der fünfschiffigen Kathedrale ist nicht nur kunstgeschichtlich interessant, hier fanden auch bedeutende historische Ereignisse statt: Hier wurde im 15. Jahrhundert Henri VI. von England zum französischen König gekrönt, im 16. Jahrhundert Maria Stuart mit dem Dauphin François vermählt. Während der Französischen Revolution wurde Notre-Dame zum »Tempel der Vernunft« erklärt, 1804 nahm hier Napoleon Papst Pius VII. die Krone aus der Hand und krönte sich selbst zum Kaiser, 1944 dankte Charles de Gaulle für die Befreiung von Paris nach der deutschen Besatzung.

Lohnend ist auch der Aufstieg zu den Türmen, wo das Panorama nach den unzähligen Treppenstufen Anlass für eine erholsame Pause bietet. Vom Vorplatz der Kathedrale aus hat man Zugang zur archäologischen Krypta von Notre-Dame. Im Untergrund kann man Fundamente, Ausgrabungen, Modelle des römischen Lutetia und des mittelalterlichen Paris besichtigen. Wer einmal um Notre-Dame herumspaziert, findet an der Spitze der Insel das Mémorial de la Déportation, wo in schlichter, aber ergreifender Weise der unter der deutschen Besatzung Deportierten gedacht wird.

Weiter geht’s ans linke Seine-Ufer, wo am Quai de Montebello einige Bootslokale vor Anker liegen und der Bâtobus an einer Haltestelle Fahrgäste am Ufer absetzt und aufnimmt. Vor ihren Buchkisten aus grünlackiertem Metall warten die Bouquinisten auf Kundschaft. Antiquarische Schnäppchen und rare Erstausgaben findet man hier nicht, aber das Stöbern macht auch in alten Postkarten und Landkarten, Büchern und Bildern Spaß.

Über die Rue de la Huchette und die Place Saint-Michel mit dem gleichnamigen Brunnen biegen wir in die Rue Saint-André-des-Arts und gelangen damit nach Saint-Germain-des-Prés. Die belebte Straße ist nur eine von vielen im Viertel, die mit zahllosen Modeboutiquen und Buchhandlungen, Antiquitätenläden und Kunstgalerien, Jazzclubs und Kinos zum Bummeln und Stöbern verführen. Hier kommen wir wieder her, jetzt allerdings muss ein Blick in die kopfsteingepflasterte Passage Cour de Rohan genügen, bevor wir der Rue Mazarine bis zum Seine-Ufer folgen.

Unser Ziel ist der Louvre, auf dessen lang gezogenes, monumentales Gebäude die Fußgängerbrücke Pont-des-Arts den ersten Blick gewährt. Linker Hand schaut man über weitere Brücken bis zum Glasdach des Grand Palais, rechter Hand auf die Île de la Cité – »pariserischer« kann es nicht mehr werden! Durch die Cour Carrée, den Innenhof, gelangt man zur Glaspyramide, unter der das große Foyer den Zugang zum Musée du Louvre gewährt, sowie auch zur unterirdischen Ladenpassage Carrousel du Louvre. Dort sind Kunstdrucke und Reproduktionen von Kunstwerken erhältlich, Ausstellungskataloge und Postkarten mit Motiven berühmter Gemälde.

Der Louvre ist ein Museum der Superlative, der weiten Wege und der überwältigenden Fülle – mit unzähligen Kunstschätzen in den Abteilungen Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk, Graphik, ägyptische, griechisch-etruskisch-römische und mittelöstliche Kunst –, das den Anspruch erhebt, das »größte Museum der Welt« zu sein. Jedenfalls wollen wir in dem mit knapp 60 000 Quadratmetern recht weitläufigen Kunstmuseum gar nicht erst versuchen, alles zu sehen, sondern uns lieber eine Abteilung intensiv vornehmen oder nur ausgewählte Kunstwerke wie die Venus von Milo, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci oder die Sklaven von Michelangelo (Pläne gibt’s im Foyer).

Bleibt noch Zeit für ein Glas Champagner mit Blick auf die von Wasserbecken umgebene Glaspyramide des Architekten Ieoh Ming Pei? Das Café Marly unter den Arkaden des Louvre bietet dafür echte Logenplätze. Für einen richtigen Mittagsimbiss eignen sich aber auch die Lokale an der Place du Marché Saint-Honoré oder das urige Weinbistro Le Rubis kurz davor (in der gleichnamigen Straße).

Infos

Office du Tourisme et des Congrès de Paris
25, rue des Pyramides
F – 75001 Paris
Tel: +33 (0)8 92 68 30 00
Weitere Tourismusbüros: Gare de Lyon, Gare du Nord, Gare de l’Est, Anvers, Parc des Expositions
http://de.parisinfo.com (deutsch)
 

Go Vista City Guide

 
 
Paris
Friederike Schneidewind
ISBN 978-3-86871-603-0
www.vistapoint.de
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Den zweiten Teil des Stadtrundgangs lesen Sie morgen!

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