Kambodscha: Ein Tuk Tuk in Angkor, Teil 5

Angkor

Und was ist mit der Freiheit?

Khim Sok möchte nicht nur Fahrer sein – er möchte dazu beitragen, dass seine Kunden erfassen, was sie sehen. „Ich lese viele Bücher und lasse mir viel erzählen, damit ich mein Wissen über die Tempel, über die Architektur und die Geschichte, an meine Kunden weitergeben kann. Einestages möchte ich offizieller Fremdenführer in Angkor Wat werden.“

Und was ist mit der Freiheit?

„Ich liebe das Tuk Tuk-Fahren“, sagt Khim Sok und lacht verlegen, „aber es ist nicht immer leicht. Es gibt mehr und mehr Fahrer, mittlerweile gibt es mehr von ihnen als Touristen, und viele streiten erbittert um jeden Kunden. Sie kämpfen an Busstationen und sie kämpfen an Kreuzungen. Es ist nicht leicht.“

Es fällt schwer, sich Khim Sok bei einem erbitterten Wettstreit vorzustellen.

„Nein“, sagt er, „ich kämpfe mit niemandem.“ Er habe einen ruhigen Stellplatz gefunden. Dort warte er auf Touristen und spreche sie an, wenn sie an ihm vorübergingen. „Manchmal habe ich Glück, manchmal nicht. Aber streiten und schreien, das tut mir nicht gut.“

Für immer könne er den Job wohl nicht machen. Es wird jedes Jahr mühsamer. Als Führer, so hofft Khim Sok, kann er regelmäßigeres und besseres Geld verdienen. Aber zuerst müsse er lernen. Das sei ein weiterer Grund, weshalb er Tuk Tuk-Fahrer geworden sei: Er könne sich den Tag besser einteilen und hätte mehr Zeit, sein Wissen über Angkors Geschichte zu vertiefen und sein Englisch zu verbessern. Ein guter Führer wisse über jedes Detail der Tempel Bescheid und verfüge über die Fähigkeit, Geschichte für Leute unterhaltsam zu machen, die von weit her kommen.

Jahrelange Lehrgänge in Tourismus, Geschichte und Englisch sind nötig, und das Bestehen verschiedener Prüfungen. Zwischen 2.000 und 4.000 US-Dollar kostet so eine Ausbildung zum beglaubigten Führer, der berechtigt ist, eine braune Uniform zu tragen und Touristen durch die Haupttempel zu führen, während Tuk Tuk-Fahrer wie Khim Sok vor den Toren warten müssen, bis die Touristen ihre Rundgänge beendet haben. Bis Khim Sok offizieller Führer in Angkor Wat ist, werden wohl noch viele Jahre vergehen.

Weiter geht es, erst zu Fuß zur nördlich gelegenen Elefantenterrasse, zum pyramidenförmigen Tempel Phimeanakas und zur Terrasse des Leprakönigs, dann mit dem Tuk Tuk in Richtung Osten. Das gleichmäßige Surren des Motors begleitet die Fahrt über gerade, flache Straßen, an deren Rändern sich Banyan- und Tamarind-Wälder erstrecken, durchsetzt mit einzelnen Palmen.

von Erik Lorenz

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