Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 1

Rumänien. Reiterurlaub

Am Rande Europas – Natur und Kultur im Land der Székler und Csangos

Der internationale Korona Express aus Budapest erreicht Gheorghieni morgens um vier Uhr. Gheorghieni, auch Niklasmarkt auf Deutsch oder Gyergyószentmiklós auf Ungarisch, liegt am Rande der Ostkarpaten, in Siebenbürgen/Rumänien. Es ist Ausgangspunkt eines 10-tägigen Pferdetreckings. Am Bahnhof ist es stockdunkel, nur aus der Bahnhofskneipe strahlt ein heimeliges Licht. Am Bahnsteig wartet Tamás, der Schwager des Reitführers. Durch menschenleere Straßen bringt er uns in einem klapperigen Dacia zu einem Hotel am Hauptplatz.

Am Nachmittag holt der Besitzer des Reitstalls, Csaba Gáll, uns ab. Es ist zwar August, aber kühl und regnerisch. So soll es auch in den nächsten Tagen weitergehen, warnt uns Csaba. Wieder fahren wir in einem Dacia, himmelblau diesmal und 31 Jahre alt, aber er schafft die 15 km auf unbefestigten Wegen hoch in die Berge ohne Probleme. Bei der Berghütte, von der die Tour startet, sind Csabas Frau, Brigitta, und drei junge Leute mit Vorbereitungen beschäftigt: Esther, eine Studentin, die hervorragend Deutsch und Englisch spricht, wird zusammen mit Brigitta für das leibliche Wohl der Reiter sorgen. Die Brüder András und Zsolt helfen in ihren Schulferien aus und sind für die Pferde zuständig.

Wo sind denn hier die Rumänen?

Nacheinander treffen die anderen Gäste ein: sieben Ungarn und vier Deutsche. „So setzen sich die meisten Touren zusammen“, sagt Csaba. Die Ungarn kommen fast alle zum zweiten oder dritten Mal. Nur ein älterer Herr, ein Pfarrer, hat – wie sich später herausstellt – vorher noch nie auf einem Pferd gesessen! Petra aus Berlin stellt bald fest, dass ihr neu erstandenes Rumänisch-Wörterbuch hier nicht viel nutzt: man spricht fast nur Ungarisch! Siebenbürgen gehörte bis 1918 zur Österreich-ungarischen Monarchie. Hier im Osten leben die Székler und Csangos, ethnische Ungarn, die Teil der 2-Millionen starken ungarischen Minderheit in Rumänien sind. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 11. und 12. Jahrhundert.  Dorfladen in Rumänien

Bei der Gyimes-Tour werden wir einen Rundritt von ca. 200 km machen, bergauf und bergab, durch Tannenwälder und Dörfer mit beinah unaussprechlichen Namen: Meggyestető, Javardipataka, Gyimesközéplok. Der größte Berg, den wir überqueren werden, ist mit 1790 m die Große Zwiebel (Nagy-Hagymás).

Csaba Gáll, ein großer, schlanker Mann, spricht neben Ungarisch und Rumänisch auch gut Deutsch. Zur Reithose trägt er eine schwarze Wollweste, ein typischer Bestandteil der einheimischen Széklertracht. Sein langes, schmales Gesicht ist von Sonne und Wetter gezeichnet, das dunkelblonde Haar zum Pferdeschwanz gebunden, die schmalen Augen haben etwas Asiatisches. Zu Pferden wie auch zu Menschen spricht er langsam und leise, manchmal fast singend.

Es geht los!

Am nächsten Morgen bekommt jeder Gast – insgesamt sind wir 13 – ein Pferd zugeteilt. Fast alle Pferde sind Abkömmlinge eines Lippizanerhengstes und einheimischer Stuten. Mein Pferd heißt Hanika, eine vierjährige Stute. Das Putzen ist kein Problem, nur mit dem Auskratzen der Hinterhufe ist sie nicht einverstanden und gibt mir ihre Missbilligung mit einem gut positionierten Tritt zu verstehen. Glücklicherweise bleibt dies der einzige Punkt der Uneinigkeit zwischen uns während der nächsten 10 Tage. Reiterurlaub in den Karpaten

Zu unserer großen Überraschung erfahren wir, dass einige Pferde ohne Trense geritten werden, darunter auch Hanika. Damit habe ich keine Erfahrung – bin aber bereit, Csaba und seinen Pferden zu vertrauen. Später erzählt mir Csaba, wie einige Jahre zuvor zwei deutsche Reiterinnen zu ihm kamen, die mit der Pat-Pirelli-Methode arbeiten. Sie baten ihn, ohne Gebiss am Wanderritt teilnehmen zu dürfen. „Ich habe selbst auch vorher schon „ohne“ geritten, aber bei meinen Gästen war es mir zu riskant. Mit den beiden Deutschen ging es dann sehr gut und seitdem versuche ich, alle meine Pferde so auszubilden.“

Maja Linnemann

Zum Teil 2

 

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