Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 2

Pferde in den Karpaten

Zurück zum Anfang

Csabas Pferde sind ausdauernd und gelassen. Das kommt von dem Training, welches sie von klein auf erhalten: Unsere „Herde“ umfasst nicht nur 15 Reiter, sondern auch ein knappes Duzend Fohlen und Jährlinge! „So lernen die jungen Pferde schon früh den Rhythmus der Wanderritte kennen“, erklärt Csaba. „Sie laufen auf unterschiedlichem Terrain, bilden ihre Muskeln und ihren Gleichgewichtssinn aus, gewöhnen sich an Menschen, Autos, Geräusche…“ Unser jüngstes Mitglied ist erst drei Wochen alt, läuft aber in der Gruppe schon wie die Alten. Zwar richtet sein kurzer, buschiger Fohlenschweif noch nicht viel gegen die Fliegen aus, aber er schnappen kann er schon, wenn ihm ein anderes Pferd zu nahe kommt. Nur in den Pausen zeigt sich, dass es ihm an Kondition fehlt, da legt er sich immer erst einmal hin, schließt die Augen fest und streckt alle Viere von sich. Rumänien, Pferde in den Karpaten

Am ersten Tag reiten wir 15 km. Gepäck und Ausrüstung werden auf zwei Pferdefuhrwerken transportiert, wie man sie im ländlichen Rumänien noch oft sieht. In dem bergigen Gelände müssen wir nicht nur manchmal absteigen und die Pferde führen, sondern an einem besonders steilen Abschnitt auch helfen, die Wagen anzuschieben. Eine echte Teamleistung! Galoppaden sind in dem bergigen Terrain eher die Ausnahme. Den größten Teil der Strecke werden wir im Schritt zurücklegen.

Deftige Küche stärkt Leib und Seele

Unser Lagerplatz liegt in einem bewaldeten Tal. Als wir ankommen, beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Während die Gäste die Zelte aufbauen, beeilen sich András und Zsolt, Sättel und Zaumzeug zu sammeln und unter eine Plane zu stapeln. Die Pferde dürfen über Nacht frei grasen. Brigitta versucht, ein Feuer in Gang zu bringen. Ihre zwei Mischlingshunde, Kalima, gelb, rauhhaarig und jede Pause zu einem Nickerchen ausnutzend, und Fekete, mit weichem, schwarzen Fell, der mit allen gut Freund sein will, verziehen sich unter einen Wagen. Gerne würde ich es ihnen nachtun… In diesem Moment macht Gabor, ein Unternehmer aus Ungarn, mit einer Flasche in der hand die Runde und bietet allen eine Art Grappa an – der stammt von seinem eigenen Weinberg, wärmt und hebt gleich die Stimmung! Überhaupt ist die Truppe recht trinkfreudig, und nach lokaler Sitte gibt es ab und an auch schon mal einen Hochprozentigen zum Frühstück… natürlich freiwillig.

„Abnehmen wirst Du hier nicht,“ hatte Brigitta mich schon am ersten Tag gewarnt, als sie uns mit hausgemachtem Pflaumenschnaps in kleinen, für die Gegend typischen blau-weißen Becherchen begrüßte. Und sie hat recht: Trotz strömenden Regens produziert sie eine reichhaltige und leckere Mahlzeit. Die einheimische Küche ist deftig: Die Suppe kommt nie ohne saure Sahne, der Hauptgang bringt Fleisch in vielen Zubereitungsarten, dazu Kartoffeln oder unterschiedlichste Teigwaren, aber auch mal gefüllte Kohlrouladen oder Polenta, ein typisch rumänischer Auflauf aus goldgelbem Maismehl mit frischem Käse. Süchtig macht auch die selbstgemachte Auberginencreme mit frischem Brot. Zu allen Gerichten gibt es immer saure Sahne. Für die zwei Vegetarier in der Gruppe kocht Brigitta extra und während der ganzen Tour genießen wir viele frische Produkte, die „Bio“ sind, auch wenn es nicht draufsteht: Milch und Käse, Pilze, die wir tagsüber am Wegesrand pflücken, Tee aus frischer Minze und wilde Himbeeren.

Maja Linnemann

Weiter zu Teil 3 der Reitergeschichte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *