Deutschland: Bayern – Cooles Horn

Klavier, Blockflöte oder Gitarre. Das kann doch jeder. Wer beim Musik machen richtig auffallen will, der sollte Alphornsspielen lernen. In Garmisch-Partenkirchen bietet Elisabeth Heilmann auch Kurse für Touristen an. Und: Wer will, darf sogar auf dem Gipfel der Zugspitze spielen.

Alphornblasen, das kann jeder lernen. Denn: „Jeder hat einen Mund und eine Zunge“, sagt Elisabeth Heilmann, Chefin der Werdenfelser Alphornbläserinnen aus Garmisch-Partenkirchen. Die Damentruppe der lebhaften Endfünfzigerin spielt seit mehr als zehn Jahren mit Erfolg gegen die Männerdominanz im Alphornblasen an. Sogar bis auf das Sofa von Stefan Raabs Fernsehshow „tv total“ haben es die Frauen schon geschafft. Kein Wunder, denn „fesch“ sind Heilmanns Mitstreiterinnen allesamt. „Doch“, und darauf besteht Heilmann, „wir sind nicht nur schön, wir können auch was.“ Das merkt man schnell, wenn die sechs Frauen loslegen und die Hörner zum Klingen bringen.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es allerdings schon, das Schnurren und Brummen der Alphörner. Es gab Zeiten, da galten die Alphörnen als Instrument von Bettlern. Und das, obwohl Leopold Mozart schon 1756 die Sinfonia Pastorella, ein Stück für Alphorn, geschrieben und dem Instrument damit den Einzug in die Konzertsäle geebnet hat. Heute ist das Alphorn zwar kein Instrument, das jeder Jugendliche lernen will. Nachwuchssorgen haben die Werdenfelser Alphornbläserinnen aber keine. Sogar eine Kindergruppe hat Elisabeth Heilmann  gegründet.

Hornblasinstrumente gibt es schon lange. Angeblich haben schon Steinzeitmenschen ins Horn geblasen. Damals aber verwendeten sie hohle Tierknochen als Musikinstrumente. Alphörner, wie wir sie heute kennen, haben die Schweizer erfunden. 1527 wurde das Instrument erstmals erwähnt. Der Prior eines Schweizer Klosters hielt in seinen Abrechnungsbüchern fest, dass er einem Mann zwei Batzen fürs Alphornspielen gegeben habe. Der Batzen ist eine alte Schweizer Münze. Einen Batzen Geld hinlegen muss auch, wer heute ein Alphorn kaufen will. 1500 bis 2000 Euro kostet das fast vier Meter lange Instrument. Hergestellt werden Alphörner aus  Linden-, Erlen- oder Fichtenholz. Je nach Länge, Ausführung und Material wiegen sie drei bis acht Kilo.

Schwer sind Alphörner aber nur vom Gewicht – das spielen dagegen fällt den meisten leicht. „Im Grunde ist es ganz einfach“, sagt Elisabeth Heilmann, „die Lippen müssen vibrieren und  man muss locker bleiben“. Mehr braucht es nicht. Angeblich. Nach meinen ersten, wenig wohlklingenden Versuchen konstatiert die Chefin aber: „Journalisten tun sich alle schwer, das sind Kopfmenschen.“ Na bitte, da haben wir es. Dabei wäre das Alphornblasen so gesund. Als Beispiel dafür führt Elisabeth Heilmann ihren Vater an. Als der mit Ende achtzig starb, war er der älteste Alphornspieler im Werdenfelser Land. Genauso wie der Vater, will  es auch die Tochter halten. „Ich werd spielen bis zum Umfallen“, sagt sie.

Bei den Frauen in Elisabeth Heilmanns Truppe muss sich die lebensverlängernde Wirkung des Alphornspielens erst noch zeigen, denn sie sind allesamt noch sehr jung. Die 19-jährige Claudia Westermeier beispielsweise besucht das St. Irmengard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen. Sie kommt mit ihrem ungewöhnlichen Instrument bei den Klassenkameraden gut an. Dass sie Volksmusik spielt und dabei Tracht statt Jeans trägt stört keinen von ihnen. Ganz im Gegenteil: „Hey, du spielst Alphorn, des is ja cool“, berichtet sie über die Reaktionen vieler Jungs in ihrer Schule. Dass Alphornspielen „cool“ ist, bestätigt auch Elisabeth Heilmann. „Wenn ich junge Mädels anspreche und frage, ob sie mitmachen wollen, reagieren sie meist erstaunt.“ Mädels und Alphorn, das passt für viele nicht zusammen. “Aber wenn eine mal angefangen hat, bleibt sie auch dabei“, weiß Elisabeth Heilmann aus Erfahrung.

Auch Touristen können bei ihr mit dem Alphornblasen anfangen. Zweitägige Kurse bietet sie an, pauschal mit Übernachtung in ihrer kleinen Pension. Weil das riesige  Instrument nur bedingt für Innenräume geeignet ist, wird meist draußen geübt. Da trifft es sich gut, dass  Heilmanns Pension am Ortsrand liegt. So muss kein Nachbar die von Alphornschülern produzierten Geräusche ertragen, und die wiederum können mit direktem Blick auf die Zugspitze üben.

Wer noch höher hinaus will, den nimmt Elisabeth Heilmann auch mit hinauf auf die Zugspitze und erteilt ihren Unterricht auf dem Gipfel von Deutschlands höchstem Berg.

Rasso Knoller

Info: Ein Alphornwochenendkurs mit zwei Übernachtungen kostet 285,60 Euro. Wer oben auf der Zugspitze üben will, der muss nochmals zusätzlich 95 Euro bezahlen. Elisabeth Heilmann-Reimche, Samweberstr. 18, 82467 Garmisch-Partenkirchen,

Tel. 08821/948522, http://www.alphorn-zugspitze.de und www.haus-heilmann.de

Allgemeine Infos zur Region: Tourismusgemeinschaft Zugspitz-Region, Richard-Strauss-Platz 1a, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. 08821/180484, www.zugspitz-region.de

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