Indonesien: Bali – Die Menschen vom schwarzen Strand

Auf halbem Weg zwischen Denpasar und dem Fährhafen Padangbai liegt das unscheinbare Fischerdorf Kusamba. Kaum einer der Touristenbusse hält hier. Doch nur wenige Kilometer hinter diesem Dorf stehen die Busse dicht an dicht. Straßenhändler umringen die Ankömmlinge und bieten ihre Waren an. Festlich gekleidete Balinesen kommen und gehen, der Klang eines Gamelan Orchesters schwingt in der Luft. Die meisten Balibesucher kommen in diese Ecke der Insel, um die Goa Lawah, die Fledermaushöhle, zu besuchen. Im Eingangsbereich der Höhle tummeln sich tausende, lärmende Langzungen-Flughunde. Dicht an dicht hängen die Fledermäuse an der Decke. Schreine säumen den Eingang der Höhle, von der die Legende sagt, dass in ihr die Weltschlange Naga Basuki gelebt habe. Täglich finden farbenprächtige Zeremonien im Tempel vor der Höhle und am nahen Strand statt.

Einige Gehminuten entfernt hat der Trubel schlagartig ein Ende. Bunt bemalte Auslegerboote liegen auf dem schwarzen, vulkanischen Strand. Ihr Bug ist in einen langen, schnabeltragenden Kopf verlängert. Aufgemalte Augen sollen helfen, während der nächtlichen Fahrten über das Meer jederzeit den Weg zurück zu finden. Zwischen den Booten stehen die windschiefen Hütten der Salzproduzenten.

Mit dem Rücken zum Meer stehend wartet Nyoman Sujana geduldig ab, bis die nächste große Welle weiß schäumend auf den Strand läuft. Links und rechts seiner Hüften hängen aus den Blättern des Phinang-Baumes gefertigte Behälter, die er geschickt in das zurückfließende Wasser taucht. Im Bruchteil einer Sekunde haben sich die archaischen Gefäße gefüllt und Nyoman schleppt das kostbare Nass den schwarzen Strand hinauf. Nyoman lebt vom Salz. Wie auch andere Familien am Strand von Kusamba praktiziert er noch heute, in Zeiten von Handy und PC, eine alte balinesische Methode der Salzgewinnung.

Es ist sechs Uhr am Morgen, die Sonne hat sich soeben glühendrot aus dem Meer erhoben, weit draußen tummeln sich auf dem glitzernden Wasser hunderte Auslegerboote. Oben auf dem Strand, unerreichbar für die Wellen, haben Nyoman und seine Familie ein quadratisches Areal gesäubert. Mit schlenkernden Bewegungen verteilt er das Wasser auf dem plan geharkten schwarzen Sand. Systematisch tränkt er den Sand mit dem Meerwasser. Immer wieder muss er hinunter um die Körbe aufzufüllen. Nachdem er diese morgendliche Arbeit erledigt hat, lächelt er zufrieden und meint: „Nun übernimmt die Sonne die Arbeit.“ Mata hari, das Auge des Tages, so die malerische Bezeichnung der Sonne im Indonesischen, wird das Wasser verdunsten lassen, so dass nur die Salzkristalle im Sand verbleiben. Der Strand von Kusamba ist besonders gut für die Salzgewinnung geeignet, erklärt Nyoman. Sein schwarzer Sand ist äußerst feinkörnig und kann so das Wasser hervorragend halten.

In einer mit Stroh gedeckten Hütte schaufelt Nyoman am Mittag den unter der sengenden Hitze getrockneten Sand in einen Bambusfilter und spült ihn anschließend solange mit Meerwasser, bis eine hoch konzentrierte Salzlösung entsteht. Im dritten und letzten Arbeitsgang übernimmt nochmals die Sonne die Arbeit. In halbierten, ausgehöhlten Stämmen der Kokospalmen verdunstet das Wasser der Salzlösung. Zurück bleibt schneeweißes Meersalz, Salz das Nyoman auf dem Wochenmarkt von Klungkung verkaufen wird.

Bernd Leideritz

 

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