Griechenland: Gibt es ein touristisches Comeback für das angeschlagene Land?

C. Nowak

Michael Karavas hat immer an die Deutschen geglaubt. Der Gründer und Besitzer des Griechenlandspezialisten Attika-Reisen, schon fast 40 Jahre im Geschäft, war auch in der größten Krise davon überzeugt, dass seine Stammkunden „nur mal ein, zwei Jahre aussetzen und dann wiederkommen“. Jetzt hat er die Gewissheit: Die Buchungen liegen derzeit 40 Prozent über den Zahlen im Frühjahr vorigen Jahres. „Wir spüren stärker als die Mitbewerber, dass Griechenland bei den Deutschen eine Renaissance erlebt“,  freut er sich, „aber wir hatten als Spezialist auch die stärksten Rückgänge.“ Die letzten Jahre, so Karavas, „waren das absolute Drama“. Aber das ist vorbei. Es gibt kaum einen Griechenland-Anbieter, Großveranstalter wie kleine Spezialisten, deren Buchungszahlen nicht deutlich zweistellig im Plus liegen. Um Ostern herum hat es eine kleine Buchungsdelle gegeben, jetzt gehen die Zahlen wieder steil nach oben.

C. Nowak

Die Anbieter – allen voran der Veranstalter Alltours – haben mit dieser Entwicklung gerechnet und entsprechend Hotelbetten und Flugsitze eingekauft. Allein Attika, mit noch nicht einmal 40.000 Buchungen ein Winzling unter Deutschlands Reiseveranstaltern,  hat 46 neue Hotels im Griechenland-Katalog – und 24 weitere neue Häuser im Internet-Angebot. Auf 71 zusätzliche griechische Hotels bringt es Neckermann Reisen/Thomas Cook. Selbst Schauinsland Reisen, auch nicht gerade ein Reisegigant, hat 40 neue Hellas-Hotels unter Vertrag. Die meisten Angebote betreffen die Massenziele Kreta, Rhodos, Kos und Korfu. Aber auch kleinere Inseln und unbekanntere Destinationen tauchen in den Programmen vermehrt auf,  auffallend häufig die Ionische Insel Zakynthos.

Kein Engpass bei den Flugsitzen

Im Gegensatz zum Vorjahr, als die ab Juli/August wieder verstärkt einsetzende Nachfrage wegen gekürzter Flugkontingente zu griechischen Zielen nur teilweise bedient werden konnte, sind die Flugkontingente zur Sommersaison laut Karavas „vernünftig geplant und können bei Bedarf auch erhöht werden“. Die Carrier bieten auch ab Berlin mehr Abflüge an als im  Vorjahr. Das gilt nicht nur für Charter-, sondern auch für Linienflüge. Air Berlin hat die bestehende Verbindung von Berlin nach Thessaloniki von zwei auf drei Abflüge pro Woche aufgestockt. Germanwings bedient ein- bis zweimal pro Woche die Strecke Tegel-Heraklion auf Kreta. Ende des Monats kehrt Aegean Airlines, die größte Fluggesellschaft Griechenlands, nach Berlin zurück: Jeweils am Dienstag, Donnerstag und Samstag verbindet der Carrier Berlin-Tegel nonstop mit seinem Drehkreuz Athen. Die Flugzeiten sind auf das breite innergriechische Flugangebot der Fluggesellschaft abgestimmt, wodurch günstige Anschlussverbindungen nach und von Heraklion und Chania auf Kreta, Rhodos, Kos Mykonos, Mytilini, Thessaloniki und Larnaca auf Zypern bestehen.

C. Nowak

Die Russen haben’s gerichtet

Es wird also aller Voraussicht nach ein gutes Jahr für die griechische Tourismusbranche. So schlecht, wie es schien, ist es ihr im letzten Jahr gar nicht ergangen. Die Russen haben’s gerichtet, unterstützt von Briten und Türken. Griechenland kam letztes Jahr in den Genuss so großer Zuwächse aus diesen Ländern, dass – Krise hin, Krise her – die Gesamtzahl internationaler Besucher laut der Griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT konstant bei 16,5 Millionen lag. Bei der Auswertung von Statistiken aus Griechenland muss immer eine gewisse Unschärfe einkalkuliert werden; mitunter verschwindet eine halbe Million Urlauber im Datendschungel. So spricht SETE, der griechische Verband der Reiseanbieter, von 16 Millionen Auslands-Ankünften letztes Jahr. Die Latte für dieses Jahr hängt der Verband hoch: 17 Millionen Urlauber sollen es sein, die Griechenland den größten touristischen Erfolg aller Zeiten bescheren.

C. Nowak

Viele griechische Anbieter, allen voran die Hoteliers, freuen sich über die Renaissance auf dem deutschen Markt. Denn die Deutschen gelten als pflegeleicht. „Sie sind anspruchsvoll und auch an Menschen, Kultur und Kunst interessiert“, bringt es ein kretischer Hotelier auf den Punkt. Aber dem russischen Reisepublikum sind die Griechen dankbar. „Ohne den russischen Markt wäre ich nicht sicher, ob ich heute noch existierte“, sagt Nikos Halkiadakis, Chef dreier Hotels mit dem Namen Cactus im kretischen Ort Stalis. Wie seine Kollegen überall auf der Insel betont er, die Russen seinen „reiseerfahrener“ geworden. Das heißt:  „Sie trinken nicht mehr so viel, sind nicht mehr so laut, und sie sind gut angezogen.“ Das Publikum habe sich von Geldwäschern zu Familien gewandelt.

Automatik-Autos sind gefragt

Aber in einem Punkt machen die Russen den griechischen Touristikern immer noch Sorgen: „Sie essen doppelt so viel wie andere Urlauber“, schmunzelt Aristidis Stratakis, Chef der Griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT auf Kreta. Auch die Autoverleiher haben Probleme: Die russische Kundschaft fährt daheim Automatik-Wagen und erwartet solche auch in Griechenland. Die Verleiher müssen umrüsten.

H. Schwartz, Griechischer Strand

Panagiotis Skordas, Deutschland-Statthalter von EOT, rechnet mit 2,5 Millionen deutschen Touristen in dieser Saison – auch dies so viele wie noch nie. Für ihn liegt der Erfolg auf der Hand: „Griechenland ist eines der schönsten Länder der Welt mit einer  qualitativ hochwertigen touristischen Angebotspalette  und einem optimalen Preis-Leistungsverhältnis.“ In der Tat scheinen die griechischen Hoteliers dazu entschlossen, Preisdisziplin zu wahren. Thorsten Kühne, Leiter des Produktmanagements Griechenland bei TUI Deutschland, bestätigt das: „Obwohl die Hoteliers mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, ist es uns mit ihrer Unterstützung gelungen, die Preise für 2013 stabil zu halten.“

Horst Schwartz

 

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