Deutschland: Die Jeans ist ein Franke

Die Jeans ist der Inbegriff Amerikas. Doch Levi Strauss, der Mann der die blaue Arbeitshose weltweit bekannt gemacht hat, kam aus dem fränkischen Buttenheim.

In weit mehr als 100 Ländern der Welt kann man Levi’s Jeans kaufen, über 10.000 Menschen arbeiten für den Konzern und wohl kaum eine Marke hat weltweit ein solchen Bekanntheitsgrad. Doch Levi Strauss, der Gründer und Namengeber der Firma, kam ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Franken.

1983 bekam der Bürgermeister von Buttenheim einen Brief aus Milwaukee. Darin bat eine Amerikanerin, die eine Ausstellung über erfolgreiche deutsche Einwanderer organisieren wollte, um Informationen über die Jugendzeit von Levi Strauss. Der Bürgermeister war vermutlich ziemlich verwundert über das Schreiben – niemand in Deutschland wusste damals, dass der Erfinder der Jeans aus der Fränkischen Schweiz stammte. Neugierig geworden, durchsuchte man in Buttenheim die Geburtsregister und fand heraus: Ein Löb Strauss war tatsächlich am 26. Februar 1829 als Sohn eines jüdischen Hausierers in Buttenheim zur Welt gekommen. Und Löb war – wie sich bald herausstellte – nichts anderes als die deutsche Namensform von Levi.

Sogar das Geburtshaus von Löb Strauss stand noch, war aber in schlechtem Zustand. Die Stadt kaufte das baufällige Gebäude, überlegte dann aber lange hin und her, was damit passieren sollte. Zunächst hofften die Buttenheimer, der Levi’s Konzern in den USA würde den Umbau unterstützen. Doch der kam erst viel später – und dann auch nicht als Sponsor für den Bau – ins Boot. Anstelle dessen meldete ein japanischer Vergnügungspark sein Interesse an. Der wollte das Gebäude Stein für Stein abtragen und in seinem Heimatland als Attraktion zwischen Loopings und Autoscootern wieder aufbauen lassen. Trotz klammer Kassen lehnten die Buttenheimer das Angebt ab. Löbs Haus sollte in der Heimat bleiben. Schließlich machte man sich dann doch an die Renovierung des Gebäudes, und im Jahr 2000 wurde das ehemalige Wohnhaus der Familie Strauss als Museum eröffnet.

Seitdem arbeitet Tanja Roppelt Levi Strauss Museum als Direktorin. Mit sichtbarem Stolz führt die junge Frau Besucher durch ihr Haus. „Das hier war der einzige Wohnraum der Familie Strauss“, erklärt sie im ersten Ausstellungsraum. Mit geschätzten 30 Quadratmetern ist der alles andere als groß – kaum vorstellbar, dass hier der kleine Löb zusammen mit sechs Geschwistern und seinen Eltern gelebt haben soll. Der zweite Ausstellungsraum ist noch kleiner. „Die Küche der Straussschen Wohnung“, sagt Roppelt. Im Obergeschoss, in dem heute mit Fotos und Videos der Lebensweg von Levi Strauss in den USA nachgezeichnet wird, wohnte damals schon eine andere Familie.

Mit Kurzwaren durchs Land

Familie Strauss hatte immer zu wenig Geld. Der Vater zog als Händler von Hof zu Hof und verkaufte Kurzwaren. Seine Familie konnte er davon kaum ernähren. Deswegen wanderten die beiden ältesten Brüder in die USA aus, um dort ihr Glück zu versuchen. Nach dem Tod des Vaters folgte auch die Mutter, zusammen mit Löb und den jüngeren Geschwistern.

Löb arbeitete zunächst für seine beiden Brüder. Die hatten im New Yorker Stadtteil „Little Germany“ einen kleinen Laden eröffnet und es damit zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Bald nahm Löb die amerikanische Staatsbürgerschaft und gleichzeitig den Namen Levi an. Im Auftrag seiner Brüder zog er in den frühen 1850er Jahren an die Westküste. Er sollte dort eine „Zweigstelle“ des New Yorker Betriebes eröffnen. In Kalifornien hatte man nämlich Gold gefunden und Tausende von Glücksrittern machten sich auf den Weg dorthin. Levi Strauss folgte zwar auf ihren Spuren,  kam selbst aber nicht, um Gold zu schürfen. Sein Geld verdiente er damit, dass er den Goldsuchern all das verkaufte, was sie zum Leben brauchten: Äxte und Tassen, Messer und Schaufeln, Hemden und Hüte. Und Hosen aus stabilem Denimstoff. Levi Strauss wurde schnell zu einem erfolgreichen Unternehmer und belieferte bald den gesamten Westen.

Jacob David hat’s erfunden

Die Jeans hat aber eigentlich nicht er, sondern Jacob Davis erfunden. Der aus Riga eingewanderten Schneider war auf die Idee gekommen, Hosen an den Stellen, an denen sie besonders strapaziert werden, mit Metallnieten zu verstärken. Strauss lieferte zwar den Stoff für die Jeans, verkaufte das fertige Endprodukt und besaß zusammen mit Davis das Patent für die „Waist Overalls“, wie die Jeanshosen damals noch hießen. Erfunden hat die Jeans aber eigentlich Davis. Doch dem fehlte das  Geld, um die Idee für die Jeans patentieren zu lassen und die Hosen zu vertreiben. Zumindest die berühmte Levi’s 501 geht auf Levi Strauss zurück – auf seinem Orderformular hatten nämlich die „Waist Overalls“ die Bestellnummer 501.

Rasso Knoller