Service: Ökologisch korrekte Ferien

 
 

Anjali Tolani, Managerin des Yoga- und Ayurveda-Zentrums Swaswara im indischen Gokarna (www.swaswara.com).

Nachhaltiges Reisen boomt: So können Verbraucher grüne Angebote von Etikettenschwindel unterscheiden.

Mal ist es die Solaranlage auf dem Dach, mal eine sparsame Klospülung, mal nur die Lodge im Grünen – mit dem PR-wirksamen Label „öko“ oder „sanftem“ Tourismus schmücken sich Hotels und Reiseanbieter gerne. Kein Wunder: Es lohnt sich für sie. Immer mehr Touristen wollen umweltschonend reisen – und sind bereit, dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Nachhaltige Reisen – also Reisen, die auf Umwelt und Menschen vor Ort achten – boomen derart, dass Verbraucherschützer bereits vor grünen Mogelpackungen warnen. Tatsächlich kann der Begriff Öko im Tourismus „wie ein Kaugummi gedehnt und zu reinen PR-Zwecken genutzt werden“, sagt Angela Giraldo von der Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE).

Für den Tourismusexperten Ludwig Ellenberg von der Humboldt Universität Berlin sind weltweit „95 Prozent der Öko-Urlaubsangebote Etikettenschwindel“. Denn anders als bei Bio-Lebensmitteln sind die Kriterien dafür, was eine Eco-Lodge oder einen Bio-Urlaub ausmacht, nirgendwo verbindlich festgelegt.

Marlene Platter, Chefin des Bio-Hotels
Oberglunigerhof in Tscherms Südtirol
(www.oberglunigerhof.it).

Das verunsichert immer mehr umweltbewusste Touristen. Und doch bieten ihnen einige seriöse Initiativen Orientierung. Etwa das rote Label „CSR-Tourism-Certified“ (www.tourcert.org) Es ist das erste Siegel, das sich ernsthaft bemüht, die gesamte Wertschöpfungskette einer Reise unabhängig alle zwei Jahre auf Nachhaltigkeit zu überprüfen. Die Zertifizierung beginnt beim Papierverbrauch im Reisebüro, geht über die Gruppengröße, die Art derAnreise und reicht bis zur Auswahl geeigneter Hotels, die festgelegte Sozial- und Umweltnormen erfüllen. Entwickelt wurde das Zeichen von KATE-Stuttgart und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) in Zusammenarbeit mit dem Forum Anders Reisen (www.forumandersreisen.de) , einem Zusammenschluss von 150 Veranstaltern – allesamt Initiatoren, die nicht nur die Ökologie, sondern auch die sozialen Auswirkungen eines Urlaubs auf dem Schirm haben. Heute dürfen 35 Reiseunternehmen das Siegel tragen. Hilfreich für Verbraucher, aber kein Siegel, ist das Tourism Sustainability  Council (TSC). Seine Mitglieder – darunter das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ebenso wie Hotelketten und die Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance – haben 2008 freiwillige Kriterien für „nachhaltiges Reisen“ entwickelt. Dieser Global Partnership for Sustainable Tourism Criteria – kurz GSTC – ist allerdings ein freiwilliger Standard: Er verpflichtet kein Mitglied, die mitunter recht schwammig formulierten  Mindestkriterien auch zu erfüllen. Sie sollen diese jedoch anstreben. Kunden, die sich im Urlaub in erster Linie für Bio-Kost auf dem Teller interessieren, können mithilfe einiger nützlicher Infoquellen den passenden Ferienanbieter herausfinden. Viele Bio-Bauerhöfe haben sich über das internationale Netzwerk ECEAT, das European Centre for Ecological and Agricultural Tourism, vereint. Auch der Verein Bio-Hotels (www.biohotels.info) listet Unterkünfte auf, die nur Lebensmittel aus Bio-Anbau servieren. Bio-Bauernhöfe etwa in Südtirol finden Reisende zudem über die Webseite des Verbands Roter Hahn (www.roter-hahn.it). Die dort genannten Betriebe müssen nicht nur Mitglied eines kontrollierten Bioverbands sein, sondern ihre  Energie auch aus erneuerbaren Quellen beziehen. Eine vierte Möglichkeit, echte Bio-Angebote zu finden, ist die europaweite Initiative Green Travel Market. Sie fördert nachhaltigen Tourismus auf dem  Land.

Um echte von falschen Ökoreisen unterscheiden zu können, reicht es aber oftmals schon aus, einfach genau hinzugucken. „Gäste sehen, ob die Lodge aus lokalen Materialien oder aus Beton gebaut wurde“, rät Angela Giraldo von KATE. „Sie können auch nachhaken, ob heimische oder importierte Früchte serviert werden und ob das Hotel Leute aus der Gegend anstellt.“

Martina Hahn

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