Finnland: Luftgitarren-Weltmeisterschaft

Wenn Sylvain „Gunther Love“ Quimene in die Saiten greift, ist nichts zu hören. Das macht aber nichts – der Franzose ist die Nummer Eins der Luftgitarrenspieler. Jedes Jahr im August findet im nordfinnischen Oulu die Weltmeisterschaft in dieser „Disziplin“ statt.

„Gunther Love“ springt, tobt und malträtiert seine imaginäre Gitarre. Er schüttelt seine Haare im Takt der Musik – Headbanging vom Feinsten. Auch wenn man von „Gunter Love“ nichts hört, laute Musik lässt die Bühne auch bei einer Luftgitarrenweltmeisterschaft erbeben. Die allerdings kommt aus der Konserve. Jeder Teilnehmer muss während des Pflichtwettkampfes ein von der Jury vorgegebenes Musikstück auf seiner Luftgitarre begleiten. Die Besten qualifizieren sich dann fürs Finale, bei dem jeder bei der Kür zu einem selbst gewählten Stück in die luftigen Saiten greift. Fünf strenge Wertungsrichter benoten die Performance und  bestimmen so den Weltmeister.

Weltmeister Gunter Love Quimene aus Frankreich

15 Jahre ist es her, seit Tapani Launonen und seine Kumpels auf die Idee kamen, in Oulu ein Festival zu organisieren. Welche Art von Festival, war ihnen damals egal. Oulu ist nicht gerade das Zentrum der Welt, und da ist jedes beliebige Festival besser als gar kein Festival.

Aber billig musste es sein. „Wir hatten nur 100 Euro“, erinnert sich Launonen. „Deswegen wollten wir etwas veranstalten, das nicht teuer ist.“ Und Luftgitarren kosten nichts.

Luftgitarre für den Frieden

Inzwischen ist aus der Bierlaune einiger Jugendlicher eines der größten Events in Nordfinnland geworden. Jeden August reisen Luftgitarrenspieler aus aller Welt nach Oulu. Dort spielen sie nicht nur um die Weltmeisterschaft, sondern auch für den Frieden – gemäß dem Motto: Wer eine Luftgitarre hält, kann keine Waffe halten. Und, wie Launonen sagt: „Würden alle Menschen Luftgitarre spielen, wären Kriege unmöglich.“

Wer jetzt glaubt, Luftgitarristen wären durchgeknallte Spinner, die ein bisschen Headbanging zu der Musik von AC/DC machen, der irrt. Bei der Weltmeisterschaft gehen lauter Profis an den Start. Sie sind die Meister ihres Landes, die ihre „Musik“ durchaus ernst nehmen. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt – aus Australien, Neuseeland, Japan, den USA und fast allen europäischen Ländern.

Heart Buckboard vertritt Deutschland. Der 37-jährige Berliner heißt im richtigen Leben Christian Sweep. Doch wie jeder Luftgitarrist von Rang, trägt auch er einen Künstlernamen. Heart Buckboard hat in Deutschland keine Konkurrenz zu fürchten. Schon zum siebten Mal sicherte er sich den nationalen Titel – dieses Jahr Anfang Juli in Berlin. Schon zum fünften Mal wird er in Oulu mit dabei sein. Dort landete er fast immer auf vorderen Rängen: Dritter, vierter, siebter und wieder vierter wurde er, bevor er 2010 bereits in der Vorrunde ausschied.

Christian “Heart Buckboard” Sweep

Doch auch diesmal ist er einer der Favoriten. Für seine Bühnenshow hat der Berliner wochenlang geprobt. Gegen seine Nervosität helfe das aber nicht, „vor jedem Auftritt habe ich Lampenfieber“ sagt Heart Buckboard. Dabei kann er als Luftgitarrenspieler den Ton gar nicht verfehlen.

Rasso Knoller

 

 

 

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