Spanien: Karneval auf La Palma – nicht bunt, sondern weiß

Die Beliebtheit und die Originalität des Karnevals von Santa Cruz de La Palma ist vor allem wegen der Feierlichkeiten am Rosenmontag über die Inselgrenzen hinaus bekannt geworden. Im Laufe des Tages, im kommenden Jahr am 11.Februar, lässt die Stadt die historische Rückkehr der nach Amerika emigrierten Inselbewohner wieder aufleben. Die “Indianer” genannten Rückkehrer parodieren ihren in jenen Ländern erworbenen Reichtum und zeigen eine Show, die zum wichtigsten Programmpunkt des Karnevals geworden ist. Die Hauptattraktion des Rosenmontags ist der verschwenderische Umgang mit Talkumpuder, mit dem die Rückkehrer begrüsst werden, die mit Papageienkäfigen, riesigen Havanna-Zigarren, „Sklaven“, Kettenuhren und Brillen zu karibischer Musik tanzen. Die beiden Hauptstraßen Perez de Brito und O‘Daly ertragen stoisch den staubigen Umzug, obwohl  es Tage dauert, bevor die historischen Pflastersteine wieder gesäubert sind.

Dokumenten aus dem 17. Jahrhundert zufolge wurde bereits zu dieser Zeit am Rosenmontag “gepudert”. Im frühen 20. Jahrhundert wurde diese Tradition von den Behörden unterdrückt, da die Veranstaltung nach den Verordnungen jener Zeit „die öffentliche Ordnung störte“. Ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erholte sich diese Tradition jedoch schnell, und man verwendete anstelle des ursprünglichen Mehls nun Talkumpuder. Die Tradition des Einpuderns wurde seit jeher im palmerischen Karneval gepflegt. Tatsächlich ist diese Tradition nicht nur auf einen bestimmten Tag beschränkt, sondern wurde stets während der gesamten Karnevalszeit in allen Inselgemeinden gepflegt.

In den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann eine Gruppe von Liebhabern der traditionellen Feste auf La Palma das Fest zu parodieren und sich als wohlhabende Rückkehrer auszugeben, die in elegantem Leinen gewandet in offenen Wagen mit ihren in Matrosenanzügen gekleideten Kindern fuhren.

In den 80er Jahren kam dann die Komponente Talkumpuder hinzu und der insulare Rosenmontag, wie man ihn heute kennt, war geboren. An diesem Tag beginnt die Prozession von der Avenida de los Indianos und führt im Rhythmus des kubanischen Son und unter großzügiger Verwendung der Puderdosen zur Plaza de La Alameda. Die einzige Voraussetzung, um hier mitzulaufen, ist, von Kopf bis Fuß in weißer Kleidung zu stecken. Männer tragen in der Regel das traditionelle Hemd “Guayabera”, weiße Hosen oder einen Leinenanzug und einen Panamahut. Frauen können in historischen Kostümen oder auch in weißer Spitze mit Sonnenschirm erscheinen. Ein wichtiges Accessoire hierbei ist das Tragen von Schmuck. Eine übliche Ergänzung zur Ausstattung sind Koffer aus jener Zeit (vorzugsweise aus Pappe oder Leder), die angeblich voller Geld und Reichtum sind. Des Weiteren gehören tropische Tierkäfige und Gefolge von afroamerikanischen Dienern dazu.

Schon am frühen Morgen lassen sich auf den Straßen derartige Verkleidungen beobachten. Der eigentliche Beginn der Feierlichkeit ist die Ankunft der “Negra Tomasa” im Atrium des Rathauses der Stadt, die gewöhnlich für 12 Uhr erwartet wird. Dieser offizielle Programmpunkt des Karnevals ist als “La espera” (Das Warten) bekannt und wird mit kubanischer Musik und der Verköstigung von Zuckerrohrsaft und Mojitos abgehalten. Die anschließenden Umzüge beginnen am Nachmittag und dauern bis in die frühen Morgenstunden des folgenden Tages hinein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *