Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 3: Half Moon Island)

Das Ende der Drake-Passage kündigt sich durch Seevögel an, die das Schiff begleiten. In der Ferne tauchen die ersten kleinen Eisberge und Landfetzen auf und wenn man lange genug Ausschau hält, verraten sich einige Wale durch ihren Blas.

Heute, endlich, nach rund 15 000 km Anreise, steht der erste Landgang in der Antarktis auf dem Programm. Half Moon Island ist das Ziel. Doch davor gibt es umfangreiche Einweisungen, was wir tun dürfen und was wir auf jeden Fall lassen sollen.

Für die nassen Anlandungen sind Gummistiefel, wasserdichte Jacke und Hose sowie eine Schwimmweste Pflicht. Damit keine Pflanzensamen eingeschleppt werden, müssen Rucksäcke, Kleidung und Schuhe gründlich gereinigt werden. Alles ist generalstabsmäßig geplant, als erstes geht das Expeditionsteam an Land, schaut, ob eine Landung problemlos möglich ist, deponiert eine umfangreiche Sicherheitsausrüstung, damit wir, falls eine planmäßige Rückkehr zum Schiff nicht möglich ist, wir auch bei einem Wettersturz ein paar Stunden überleben. Wege werden markiert, auf denen wir uns bewegen dürfen. Die ganze Prozedur ist extrem aufwändig, vor allem, da jeder nur rund eine Stunde an Land bleiben darf. Bei 200 Passagieren dauert ein kompletter Landgang rund vier bis fünf Stunden. Denn es dürfen immer nur 100 Passagiere gleichzeitig an Land sein, um die Tiere möglichst wenig zu stören. Da sich das Wetter in der Antarktis innerhalb weniger Minuten dramatisch verschlechtern kann, hat Sicherheit oberste Priorität.

Dann endlich ankert die „Fram“ in der halbmondförmigen Bucht, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Die Insel erinnert an eine Caldera, ist aber nicht durch einen Vulkanausbruch entstanden. Schon vom Schiff aus sind die bizarren Felstürme der Insel, das benachbarte Livingston Island mit seinen Gletschern, die roten Häuser der argentinischen Sommerstation Teniente Camara und die Pinguinkolonien sowie einige Robben auf dem Kiesstrand zu sehen.

Schon die ersten Schritte an Land sind einfach umwerfend. Mitten auf dem Strand stehen Dutzende von Zügelpinguinen, hin und wieder springen einige aus dem Wasser und watscheln über den Kiesstrand mitten zwischen den faul herumliegenden Pelzrobben hindurch. Von den Menschen, die zu Dutzenden in ihr Revier eindringen, nehmen weder Pinguine noch Robben Notiz. Bis auf wenige Meter können wir uns den Pinguinen nähern, sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, stehen entweder in Scharen auf den Felsen oder pendeln auf Pinguinstraßen zwischen Kolonie und Meer.

Wir erkunden die Insel auf dem uns erlaubten Pfad, treffen immer wieder auf neue Pinguinansammlungen, sehen spielerisch miteinander kämpfende Pelzrobben aus nächster Nähe und das alles vor der vergletscherten Kulisse der Nachbarinsel Livingston Island.

Beeindruckender könnte der erste Landgang in der Antarktis nicht sein, umgeben von einer grandiosen Landschaft sind wir Pinguinen und Robben näher als im Zoo gekommen.

Auch das morgige Programm verspricht einiges: Geplant ist der Besuch der argentinischen Station Esperanza und die Passage durch den Antarctic Sound, der auch „Straße der Eisberge“ genannt wird.

 

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