Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 6: Deception Island)

Hier kommt die Auflösung der Frage von gestern: Was ist Neptuns Blasebalg? Über Nacht hat die „Fram“ Kurs auf Deception Island genommen, eine Vulkaninsel mit rund 13 km Durchmesser und einer mit Wasser gefüllten Caldera. Um 7 Uhr wurden wir geweckt, damit wir dem Kapitän dabei zuschauen können, wie er durch die nur rund 200 m breite Öffnung in die Caldera manövriert. Dieser schmale Durchlass ist der einzige Weg in den Vulkankrater und wird Neptuns Blasebalg genannt. Deception Island ist ein aktiver Vulkan, der allein im 20. Jahrhundert mehrere Male ausgebrochen ist und dabei neue Vulkankegel gebildet und viel Asche gespuckt hat.

Heute ist ein bedeckter Tag mit leichtem Schneefall, was Schnee und Vulkanasche zu einer Symphonie in Schwarz-Weiss mit zahlreichen geometrischen Mustern werden lässt. Der erste Landgang ist an der Telefon Bay im Norden des Kraters. Hier laufen wir ein wenig am Strand entlang, beobachten zwei faule Pelzrobben, die von uns keine Notiz nehmen und erklimmen dann über lose Vulkanasche ein kleines Plateau, von dem sich eine grandiose Aussicht über die Insel bietet. Über einen Grat geht es weiter bergauf durch eine vollkommen monochrome Landschaft, in der nur wir mit unseren hellblauen Jacken und roten Schwimmwesten die einzigen Farbkleckse bilden.

Drei Stunden später bietet sich ein völlig anderes Bild: Die Sonne scheint, der Himmel ist Blau und die Farben sind in die Vulkanlandschaft zurückgekehrt. Auf dem Programm steht Am Nachmittag ist eine Landung in Walers Bay, einer alten, verfallenen Walfangstation im Krater geplant. In der Bucht gibt es noch einige verfallene Gebäude und eine Handvoll großer rostiger Tanks, in denen früher das Walöl bis zum Abtransport aufbewahrt wurde, zu sehen. Auf dem Strand liegen noch einige Boote, deren Holz von Wind und Wetter im Laufe der Jahrzehnte weiß und morsch geworden ist.

Am Strand laufen einige Eselspinguine herum und wenn man nicht aufpasst, tritt man auf eine Pelzrobbe, die sich auf dem schwarzen Sand sonnt und aufwärmt. Ganz nah kommt man auch an die großen, braunen Raubmöwen Skua heran, die ebenfalls keine Scheu zeigen und gar nicht daran denken, wegzufliegen.

Nachdem alle wieder an Bord sind, nimmt der Kapitän in der Abendsonne wieder Kurs auf Neptuns Blasebalg und tastet sich langsam in Richtung offenes Meer. Was für ein Tag!

 

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