Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 7: Neko Harbour)

Es ist schon erstaunlich, auf einem Schiff in der Antarktis überhaupt eine Internetverbindung zu haben, doch diese Verbindung ist weder schnell noch stabil. Das Hochladen von Blog-Inhalten unter diesen Umständen erinnert an früheste Modemzeiten, als die Daten nur tröpfchenweise flossen und an das Verschicken von Bildern gar nicht zu denken war. Gestern wollten die Daten aber nicht einmal mehr im Schneckentempo das Schiff in Richtung Internet verlassen. Da wir durch einen engen Kanal fuhren, der obendrein noch von hohen Bergen umgeben war, gab es praktisch keinen Empfang. Deshalb kommt der Blog heute etwas später.

Wie und wann soll ich bloß die ganzen Pinguin- und Eisbergfotos sichten. Allein heute sind wieder Dutzende dazugekommen. Zusammen mit den Hunderten der letzten Tage füllen sie mittlerweile alle Speicherkarten. Wahrscheinlich kann niemand, der nicht hier war, verstehen, wie vielfältig Eis sein kann. Und die drolligen kleinen Vögel begeistern mich immer wieder auf Neue.

Heute sind wir in Neko Harbour an Land gegangen. Wer bei dem Wort „Harbour“ an einen Hafen denkt, liegt völlig falsch, denn es ist nichts weiter als ein kleiner Strand, an dem die Polar Circle Boote landen können, das große Schiff liegt wie immer einige Hundert Meter weiter draußen in der Bucht vor Anker. Schon die Anfahrt nach Neko Harbour ist spektakulär, Gletscher reiht sich an Gletscher, auf dem Wasser schwimmen Eisberge in allen Größen. Das Meer ist still wie ein See, der Himmel Blau, die Sicht schier unendlich.

Am Strand liegt faul eine Wedell-Robbe und lässt sich von uns überhaupt nicht stören. Die Pinguine auch nicht. Sie spazieren gerne ein Stück am Strand entlang, bevor sie ins Wasser springen. Nach erfolgreichem Beutezug kommen sie wieder zurück, um ihren Nachwuchs zu füttern. Die Brutkolonien liegt ein gutes Stück weiter oben am Hang. Die drolligen Vögel sind diesen Weg schon so oft rauf und runter gegangen, dass tief in den Schnee eingelassene Pinguinautobahnen entstanden sind. Mit kleinen Trippelschritten erklimmen sie den Berg, die Stummelflügel nehmen sie zum Balancieren. Auf Eisplatten rutschen sie trotz ausgefahrener Krallen schon mal aus, halten aber immer die Balance.

Oben angekommen wartet der Nachwuchs und fordert resolut sein Futter. Stundenlang könnte ich dem Treiben in der Kolonie zuschauen – allen anderen geht es ähnlich. Auch der Blick von oben über die mit Eis bedeckte Bucht und die Gletscher am Ufer ist einmalig. Wenn es ganz still ist, hört man das Eis des Gletschers Knarzen und Grummeln, ein untrügliches Zeichen dafür, dass er sich langsam in Richtung Tal bewegt.

Eines von den vieleln, vielen Eisbergfotos.

Ein perfekter Tag, denn die Antarktis zeigt sich heute von ihrer schönsten und friedlichsten Seite.

 

 

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