Italien: Gardasee, das Kleinod großer Dichter

Italiens blaues Wunder wusste schon Altmeister Goethe zu schätzen – nach ihm Kafka, Nietzsche, Thomas Mann und andere. „Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mir, dass sie sich der Aussicht erfreuen könnten, die vor mir liegt“, schrieb Goethe im September 1786 am Gardasee in sein Tagebuch.

Noch immer zaubert die Sonne glitzernde Lichter auf den azurfarbenen See. Majestätisch ragen bis zu 2.200 Meter hohe Berge schroff und felsig oder grün bewachsen in den Himmel. Sanfte  Hügel und blühende Almwiesen, Palmen und Zypressen, Oleander und Mimosen vermitteln mediterranes Flair und italienisches Lebensgefühl. Einst konnten nur Kaiser, Könige und Auserwählte diesen Anblick genießen. Heute sind es Jahr für Jahr zig Millionen Besucher aus aller Welt, die sich am Gardasee verzaubern lassen.

Eine 145 Kilometer lange Straße umrundet diese Traumkulisse. Spektakulär ist die Grandesana occidentale, die berühmte kurvenreiche Straße am Westufer. Bei der Fahrt von Salo nach Riva durch siebzig in den Fels geschlagene Tunnel eröffnen sich hoch über dem See immer wieder faszinierende Ausblicke. Das Ostufer, die Riviera degli Olivi, ist eingebettet in eine grandios anmutende Vegetation. Fünfzig Kilometer Buchten, Strände und Städtchen, aufgefädelt wie auf einer Perlenschnur. Welches die Schönste ist, liegt ganz im Auge des Betrachters.

Da ist Riva, die traditionsreiche und elegante „Perle“ im Norden. Mit ihrem milden Klima und mittelalterlichen Ambiente hat sie von jeher Dichter und Denker angezogen. Nach Goethe ließen sich auch Stendal und Kafka, Nietzsche und Thomas Mann hier inspirieren und genossen die unvergleichliche Atmosphäre. Sehr beliebt bei Urlaubern ist Garda, das dem See seinen Namen gab. Die lange Promenade mit unzähligen Restaurant, Cafes, Galaterias und dem kleinen Hafen gilt als die Schönste am See.

Gleich dahinter erstreckt sich die Altstadt mit ihren repräsentativen Villen und stattlichen Palästen wie dem Palazzo die Capitano mit seinen gotischen Spitzbogenfenstern. Beim Bummeln durch die stimmungsvoll verwinkelten Gassen und beim Shoppen in den zahlreichen Geschäften und Boutiquen bleibt kein Wunsch offen. Nur drei Kilometer östlich liegt Bardelino, das weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt ist durch den gleichnamigen Rotwein. Da liegt es nahe, in einem Restaurant an der schönen Piazza Verdi ein Gläschen des süffigen Roten zu probieren, der sich durchaus mit dem berühmten Chianti messen kann.

Fährschiffe im Minutentakt

Dem Städtchen Malcesine sollte man sich am Besten vom See her nähern. Denn nur so lässt sich das bezaubernde Panorama der Scalingerburg ungestört genießen. Rund um das Kastell schmiegen sich dicht gedrängt die mittelalterlichen Häuser. In dem kleinen Hafen starten und landen nahezu im Minutentakt Fährschiffe, Dampfer und Boote. Und so schlendert ständig ein Strom von Besuchern durch die schmalen Gassen und reizvollen Winkel.

An der gelben Fassade des kleinen Hotels San Marco erinnert eine Gedenktafel an den Aufenthalt unseres Dichterfürsten am 13. September 1786. Wer Zeit hat, kann nach einer Fahrt mit der ultramodernen Seilbahn auf den Monte Baldo die Bilderbuchlandschaft auch von oben genießen. Noble Sommersitze und Prachtvillen prägen Gardone Riviera am Westufer. Allen voran die 5-Sterne-Luxusherberge gleichen Namens mit ihrer dreihundert Meter langen blumengeschmückten Terrasse am Seeufer. Beliebter Anziehungspunkt für Besucher ist der Giardina botanico von Andre Heller – ein kleiner Garten, der mit tropischen Gewächsen, alpiner Flora und vielen Ideen des Künstlers bezaubert.

Bombastisch präsentiert sich dagegen das „Vittoriale degli Italiani“ des Dichters und Politikers Gabriele d´Annunzio: eine riesige Anlage am Berghang mit Parks, Freilichttheater, Museum, Mausoleum und einem fantastischen Blick auf den Gardasee. Besonders eindrucksvoll ist das Wohnhaus des Dichters  mit seinem unvorstellbaren Sammelsurium von kostbaren Kunstschätzen und Kitsch.

Wer es romantischer mag, wird vielleicht in Lazise ins Schwärmen kommen. Das kleine Städtchen, ganz umgeben von einer gut erhaltenen Stadtmauer mit drei Toren, war zur Zeit der Venezianer ein wichtiger Handelsstützpunkt und erste die freie Kommune am See. Zeugen dieser großen Zeit sind die schönen Paläste an der rotweiß gepflasterten Piazza Vittorio Emanuele. Kleine Häuser mit Restaurants, Cafes, Galaterias und der schlanke Glockenturm der romanischen Kirche San Nicolo säumen den Weg zum Hafen. Dort öffnet sich ein weiter Blick auf den tiefblauen See und die majestätische Bergwelt.

Christel Seiffert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *