Südafrika: Das Apartheidmuseum in Johannesburg

Apartheidmuseum Johannesburg

Durch die rechte Tür in die Vergangenheit

Das Apartheidmuseum in Johannesburg dokumentiert auf eindringliche Weise die Zeit der Rassentrennung in Südafrika. Ein Aufdruck auf dem Eintrittsticket teilt Besucher in „Weiße“ und „Schwarze“ ein – und legt dadurch fest, durch welchen Eingang man das Museum betreten darf.

„Non-white“ steht auf meiner Eintrittskarte fürs Apartheidmuseum in Johannesburg. Als einziger aus meiner Gruppe muss ich durch die für Schwarze bestimmte rechte Drehtür gehen. Apartheidmuseum Johannesburg

Das kleine Experiment der Diskriminierung endet sofort wieder endet – nur wenige Meter hinter dem Eingang vereinen sich die beiden Rundgänge wieder zu einem. Dennoch bleibt ein komisches Gefühl in der Magengrube zurück. Und man fragt sich: Warum muss ich das rechte Drehkreuz am Eingang benutzen, während die anderen durch das linke gehen?

Das Apartheidmuseum liefert seinen Besuchern Denkanstöße. Nicht nur einmal stockt einem  der Atem. Einen Raum durchquert man beispielsweise unter 121 Galgenschlingen, die von der Decke hängen. Bildlich und ziemlich drastisch symbolisiert jeder einzelne Strick einen Hingerichteten während des Aphartheidregimes. In einem anderen Saal steht ein leuchtend gelber „Casspir“ – ein wuchtiger Polizeipanzer. Mit einem solchen patrouillierte die Burenpolizei durch die schwarzen Townships. Dabei versetzt ein Video den Besucher in die Rolle des Fahrers des Panzerwagens. Spätestens jetzt realisiert der Besucher, dass er quasi im Auftrag des Apartheidsystems unterwegs ist. Nein, leichte Kost wird einem im Aprtheidmuseum nicht geboten. Das ist gewollt, kann aufgrund der Thematik auch nicht anders sein. Auch deswegen wird Kindern der Besuch erst ab dem elften Lebensjahr empfohlen

Doch das Museum bietet mehr als Schockeffekte. Die Ausstellung ist in 22 Bereiche  unterteilt. Mal chronologisch, mal thematisch wird darin die Zeit der Apartheid von 1948 bis 1994 nachgezeichnet. Auch die Vorgeschichte der Rassentrennung beleuchten die Aussteller –  angefangen bei der Gründung der Republik Südafrika im Jahre 1910. Schon damals hat der Staat den Schwarzen – und auch Frauen – das Wahlrecht verweigert.

Einen breiten Raum nimmt der Schüleraufstand von Soweto ein. Er wird ausführlich in Filmausschnitten aus dem Jahr 1976 dokumentiert. Damals sollte Afrikaans, die Sprache der herrschenden Buren, als verbindliche Unterrichtssprache für alle Südafrikaner, also auch die Schwarzen, eingeführt werden. In den Townships kam es dagegen zu heftigen Protesten, gegen die die Polizei mit Gewalt vorging. Mehr als 500 Menschen wurden laut den offiziellen Angaben der Sicherheitskräfte bei dem Aufstand getötet – in Wahrheit starben aber wohl weit mehr als tausend Menschen, darunter viele Kinder.

Biko, Mandela und Helen Suzman

Selbstverständlich werden auch die bekannten schwarzen Freiheitskämpfer gewürdigt und deren Leben nachgezeichnet. Etwa das von Steve Biko, der 1977 an den Folgen von Folter in der Haft gestorben ist. Nelson Mandela, wird in einer eigenen Sonderausstellung geehrt. Sie zeichnet seinen Lebensweg vom Widerstandskämpfer bis zum Präsidenten nach. Apartheidmuseum in Johannesburg, Südafrika

Ausführlich wird die Episode geschildert, als Mandela im Trikot der hauptsächlich von Weißen unterstützten Rugbynationalmannschaft 1995 dem südafrikanischen Mannschaftskapitän Francois Pienaar den Weltmeisterschaftspokal überreichte. Dass der schwarze Präsident dem weißen Nationalsport diese Ehre erwies, wurde damals als großes Zeichen der Versöhnung angesehen. Diesen Teil der südafrikanischen Geschichte erzählt der Film Invictus nach, der vor einigen Jahren erfolgreich in  unseren Kinos lief.

Auch im Ausland weniger bekannten Persönlichkeiten des Antiapartheidkampfes werden in dem Museum gewürdigt. Beispielsweise Helen Suzman. Von 1953 bis 1988 war sie Mitglied des damals rein weißen südafrikanischen Parlaments und dort die Einzige die sich konsequent gegen die Rassentrennung aussprach. In Ungnade fiel Suzman, weil sie regelmäßig Nelson Mandela im Gefängnis besuchte. 1986 war sie für kurze Zeit inhaftiert worden.

Das Apartheidmuseum wurde 2001 eröffnet. Es war damals ein Teil der Lizenzvergabebedingungen für das benachbarte Casinos. Wer die Spielhölle bauen wollte, musste sich – so die Regierungsvorgaben – gleichzeitig verpflichten, ein soziales Projekt ins Leben zu rufen. Gold Reef Casions, die schließlich den Zuschlag bekamen, hatten in ihrem Angebot den Bau eines Apartheidmuseums vorgeschlagen.

Rasso Knoller

 

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