Rheinland-Pfalz: Wellness im Walnusshimmel

 

Zwei Tage ruhen, zwei Tage verwöhnen lassen? Im Lindner Hotel & Spa Binshof bei Speyer geht das mit Würde und Stil. Denn hier salbt man die Gäste mit kostbaren Nussölen der Region.

Speyer am Rhein ist für vieles bekannt: für Kelten und Krieger, Römer und Revolutionen, für Kaiser, Könige und Bischöfe – kurz 2000 Jahre Stadtgeschichte, die vor allem im Mittelalter weit über die Grenzen unseres Landes hinaus Bedeutung hatte. So habe ich es in der Schule gelernt. Und tatsächlich zieht der Dom, das bedeutendste romanische Gotteshaus und trutziges Wahrzeichen der Stadt, noch heute jedes Jahr tausende Besucher in seinen Bann.

Zwei Tage abtauchen

Doch mich lockt diesmal nicht die Geschichte, sondern purer Genuss in die Nähe der stolzen Pfälzer Kurstadt. Denn keine zehn Minuten vor den Toren Speyers, gibt es die wahrhaft erquickenden „Speisen“ für Leib und Seele. Am Rande des kleinen Örtchens Otterstadt, das auch für seine sieben Naturseen bekannt ist, steht der Spa Binshof. Ein moderner, mediterraner Wellness-Tempel mit Hotel, in dessen Inneren man den Müßiggang verehrt. Wer hier herkommt, will nicht so schnell wieder weg. „Etwa 60 Prozent unserer Gäste verlassen das Gelände überhaupt nicht“, berichtet der Hoteldirektor Kai Harmsen. Warum auch? Will, wer hierher kommt doch vor allem eines: seine Ruhe. Diese jedoch auf hohem Niveau. Gepflegte 133 Zimmer, zwei Restaurants, ein Bistro und im Sommer noch die Piazetta Sonnenterrasse im römischen Stil sorgen dafür, dass es einem an nichts fehlt.

Das Herzstück aber und der Grund, weshalb es viele Gäste sogar aus Stuttgart oder dem Westerwald auf dieses Fleckchen verschlägt, ist die ausgedehnte Bade- und Saunalandschaft. Auf 5200 Quadratmetern findet das Herz eines Alltagsausteigers alles, was es begehrt: ein beheiztes Schwimmbecken, finnische Sauna, Kelosauna, Dampfbad, Tepidarium, Hamam, Rasoul-Bad und ein erfrischender Kaltwasserpool. Der ideale Platz also, um mal zwei Tage oder länger einfach abzutauchen.

Das Rauschen des Wassers

Während ich im Außenbecken versuche, die glitzernden, blubbernden Sauerstoffblasen unter Wasser einzufangen, stelle ich mir vor, wie das Ganze wohl ohne die goldene Herbstsonne wirken würde, mit der Gott die „Toskana Deutschlands“ meist reichlich verwöhnt. Oder ohne die saftig grünen Wiesen, auf denen die vielen Ruheliegen stehen. Ich komme zu dem Schluss. Genauso schön. Denn egal, ob Sommersonne oder Schneelandschaft – an diesem Ort kann man sich ziel- und gedankenlos von den Wassern treiben lassen. Das Gestern und das Morgen zerschmelzen zwischen dem Gluckern und Rauschen der Düsen und Fontänen aus denen das mineralische Element in einem unendlichen Kreislauf zu strömen scheint.

Das nachdrücklichste Erlebnis jedoch habe ich in der Solegrotte. Das Wasser ist hier mit 12-15 Prozent Sole aus dem Toten Meer gesättigt. Arme, Beine und Kopf – die Körperteile, die sonst so ruhelos sind, können hier sorglos an der Oberfläche treiben. Es dauert eine Weile, bis ich sie wirklich voll und ganz dem Wasser anvertraue. Über mir ein schummriges Dunkel, auf dem verschiedene Lichtreflexe spielen. Schöner ist nur noch im Weltraum schweben, meine ich. Dazu dringen verzückende Klänge über den Schädelknochen ins Gehirn. Die Qualität dieser Musik ist faszinierend. Ich lerne: Unter Wasser hört man auch ohne Ohren perfekt!

Solcherart durch und durch gebadet und gepökelt brauche ich erst mal eine Pause. Denn für den Kreislauf sind die Wärme und die vielen Mineralien im Solebad anregend und anstrengend zugleich. Mit dem Bademantel schlürfe ich ins Zimmer und entschlafe zufrieden dem ersten Tag.

Neugeboren in Nussöl

Morgens bin ich putzmunter. Ein Blick aus dem Fenster verrät, dass manch Mutiger schon um acht ein eisiges Bad im Saunapool wagt. Nach einem gesunden Frühstück im Salier-Restaurant lasse auch ich mich deshalb nicht lange bitten und starte einen ersten Schwitzgang in der finnischen Blocksauna des Gartens. Danach ein üppiges Sonnenbad auf der Außenliege. Nicht mal lesen kommt mir in den Sinn. Einfach nur sein und genießen. Der Arbeitsspeicher im Gehirn leert sich langsam. Nach dem zweiten Gang in der Kräutersauna zeigt die Wanduhr eins. Unglaublich wie die Zeit vergeht! Und da der Magen auch schon knurrt, bestelle ich mir im Vitalbistro, gleich neben dem Wellnessbad, einen Salat. Alles üppig, frisch und raffiniert gewürzt.

Meine Haut ist weich, aber auch trocken. Deshalb gönne ich mir einen echten Neustart: ein Wellness-Package mit kostbaren Nussölen. Zuerst ein Mandelöl-Salbei-Peeling. Meersalz scheuert unter den geübten Händen von Virginia Michel meine alte Haut ab. Das Mandelöl spendet ihr Feuchtigkeit. Danach geht’s für 20 Minuten in ein Walnussölbad mit Rosmarin. Es duftet ganz zart nach der Götterfrucht, die hier fast überall an den Bäumen wächst.

Der Höhepunkt aber ist eine Ganzkörpermassage mit Haselnussöl. Es duftet wie im Advent und fühlt sich an wie ein Weihnachtsgeschenk. Kein Wunder, denn Frau Michel massiert wie ein Engel. Alle Öle stammen aus der Wonnegauer Ölmühle von Thomas Steger bei Worms und werden kalt, aber mit viel Liebe gepresst.

Eins ist jetzt schon klar. Mit dieser neuen Haut führt kein Weg mehr zurück in die Sauna. Das muss einwirken und bleiben. Also auf ins Tepidarium. Bei angenehmen 38 Grad öffnen sich die Poren noch einmal so richtig und nehmen das Haselnussöl dankbar auf.

Innen und außen runderneuert, genieße ich des abends in der Pfälzer Stube ein zartes Stück Lamm. Dazu gibt’s edle Tropfen aus den lokalen Weinbergen. Ein neuer Mensch in zwei Tagen. Einem Werbespruch würde man das nicht glauben. Dem eigenen Gefühl schon.

Bianca Lorenz

 

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