Italien: Die Perlen der Toskana

Der Dom von Siena  Foto: Christel Seiffert

„Ein azurblaues Panorama von Ebenen, Bergen und Tälern, am Horizont verstreute Städte und Landhäuser im Spiel von Licht und Schatten“, so beschrieb der Dichter Theophile Gautier von 150 Jahren die Toskana. Auch heute gehört diese von der Natur reich beschenkte Landschaft mit Kunst und Kultur im Überfluss zu den beliebtesten Urlaubszielen.

Eingebettet in heiteres grünes Hügelland liegt Siena im Herzen der Toskana. Einst wichtiges Handels- und Finanzzentrum, wird sie heute als eine der schönsten Städte Italiens gepriesen. Schwarz und weiß sind die Farben des Doms, dessen majestätische Kuppel das Häusermeer überragt. „Zieht bequeme Schuhe an“, hatte Reiseleiter Ralph empfohlen. Denn bei dem auf drei Hügeln erbauten mittelalterlichen Kleinod gehe es ständig hinauf und hinunter. Im Labyrinth der engen Gassen mit Adelspalästen, altehrwürdigen Gebäuden und kleinen Plätzen begegnet man auf Schritt und Tritt spannender Geschichte mit ihren Geschichten. Nach Treppenaufgängen und durch schmale Torbögen ist der höchste Punkt Sienas erreicht, der Dom. Zu diesem Wunderwerk toskanischer Gotik, dessen Bauzeit fast zweihundert Jahre dauerte, strömen die Besucher. Mit ihrer reichen Verzierung beeindruckt die Fassade aus schwarz-weißem Marmor und der gestreifte schlanke Campanile. Auch innen überwältigt die Kathedrale mit ihrer in mystisches Dunkel gehüllten schwarz-weißen Ausstattung, dem mit Intarsien ausgelegten farbigen Marmorfußboden und der berühmten Marmorkanzel von Nicola Pisano.

Piazza del Campo in Siena  Foto: Christel Seiffert

Doch das eigentliche Herz Sienas ist die Piazza del Campo. Der muschelförmige Platz, umgeben von gotischen Palästen mit Cafés und Restaurants, ist beliebter Treffpunkt der Einheimischen und Touristen. Hier – oder unmittelbar auf dem mit roten Backsteinen gepflasterten Platz – sitzt man, trinkt seinen Espresso oder schleckt ein Eis. Und blickt auf den Palazzo Pubblico, eines der schönsten gotischen Bauwerke Italiens mit dem grazilen Torre del Maggia. Im 13. Jahrhundert als Rathaus erbaut, war hier das weltliche Zentrum Sienas. Heute sind die mit Fresken ausgestatteten Säle Heimat des Stadtmuseums. Wer sich die schweißtreibende Mühe macht, den 88 Meter hohen Turn zu besteigen, wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt.

Im Land des Chianti

Rund um Siena bis nach Florenz erstreckt sich das idyllische Hügelland, über dem der Gallo Nero, der schwarze Hahn als Gütezeichen zahlreicher Weingüter kräht. Es ist die Landschaft des Chianti Classico, der zu den besten Weinsorten der Welt gehört. Unsere Wanderung führt über sanft geschwungene Hügel mit einsamen Bauerngehöften, durch kleine Steineichenwälder und Straßen, die sich durch Weinberge auf roter Erde schlengeln, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und zypressengesäumten Alleen, hinter denen sich manch prächtige Villa versteckt. Immer wieder verzaubert der weite Blick über diese bezaubernde Landschaft unter einem zartblauen Himmel. Ralph hat uns zu einem Picknick im Freien eingeladen. Picknick unterwegs  Foto: Christel Seiffert

In einem verlassenen Gehöft machen wir Rast und alle helfen beim Auspacken, beim Schneiden von Brot, Käse und Tomaten, haben Spaß beim Servieren und Garnieren von Wurst, Schinken, Oliven und anderen toskanischen Köstlichkeiten. Natürlich steht auch Wein auf unserer reich gedeckten Tafel und so können wir mit drei verschiedenen Chianti-Sorten auf diesen gelungenen Tag anstoßen. Gestärkt und guter Stimmung wandern wir bis nach Greve, dem Hauptort des Weingebietes mit seinem von Laubengängen umsäumten hübschen Marktplatz. Hier sei auch Mona Lisa geboren worden, die von Leonardo da Vinci gemalte geheimnisvolle Schöne, weiß unser Reiseleiter zu berichten.

Unterwegs zu Leonardo

Auf den Spuren dieses Jahrhundertgenies sind wir am nächsten Tag unterwegs. Unweit von Montecatini Therme, dem größten Kurort der Toskana – von dem aus wir unsere Erkundungstouren unternehmen – liegt Vinci. Christel Seiffert Die kleine Stadt am Hang des Montalba-Bergmassivs steht ganz im Zeichen ihres berühmten Sohnes und ehrt mit zwei interessanten Museen den Ingenieur, Architekten und Naturwissenschaftler. Im Schloß des Grafen Guidi auf einer Anhöhe über der Stadt und in der Palazzina Uzielli sind mehr als 60 Maschinen, Modelle und Geräte zu bewundern, die die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum Leonardos deutlich machen. Handgeschriebene Anmerkungen und Skizzen des Meisters ergänzen die Modelle und auf Knopfdruck  veranschaulichen digitale Animationen die Funktionsweise einiger Maschinen.

Wie zahlreiche Besucher pilgern auch wir zu dem kleinen Bauernhaus am Ortsrand, der  Casa Natala di Leonardo,  in dem der Knabe seine Kindheit verlebte.   

Christel Seiffert

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