Spanien: Malaga, Visite bei einer Einarmigen

Christel Seiffert, Malaga

Die meisten Urlauber an der Costa del Sol kennen die Stadt meist nur als An-/Abflugsort. Dabei hat Malaga vieles zu bieten: Geschichte und Gegenwart, Tradition und Kultur, interessante Museen und einen einzigartigen subtropischen Park.

Alcazabar klingt wie ein Zauberwort aus 1001 Nacht. Und etwas von diesem Zauber vergangener Zeiten scheint noch immer durch die dicken Mauern des Palastes zu schweben. Hoch über der Stadt, umgeben von wehrhaften Steinwällen, thront die Burganlage, die bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts Residenz der maurischen Herrscher war. In neuem Glanz erstrahlen die restaurierten Palasträume mit ihren kunstvoll gearbeiteten Säulen und Bögen, die Badeanlagen und Zisternen. Bezaubernd auch die zahlreichen Innenhöfe mit Brunnen und wunderschönen Gartenanlagen. Das bedeutendste Bauwerk aus maurischer Zeit wurde 1931 zum Nationalmonument erklärt. Von hier bietet sich ein weiter Blick auf die moderne Stadt mit ihren Hochhäusern bis zur großen Hafenbucht und über die Dächer der Altstadt, die vom Turm der Kathedrale überragt werden. Die mächtige Renaissance-Kirche wird von den Einheimischen liebevoll „La Manquita“, die Einarmige genannt. Trotz 250-jähriger Bauzeit ist das Gotteshaus bis 1783 nicht fertig geworden, denn das Geld für den zweiten Turm fehlte. Dennoch ist die „Unvollendete“ mit ihrem dreischiffigen 117 Meter langen Innenraum und dem berühmten prächtigen Chorgestühl aus Mahagoni das verehrte Wahrzeichen Malagas.

Kathedrale von Malaga, Foto: Christel SeiffertDie Kathedrale ist Mittelpunkt der Altstadt mit ihrem Gewirr schmaler Gassen, zahlreichen kleinen Geschäften, Galerien, Restaurants und nostalgischen Cafes. Immer wieder wird der Blick gefangen von schönen stuckverzierten Bürgerhäusern, von prächtigen Jugendstilfassaden mit ihren schmiedeeisernen Balkonen. Auch abends und nachts ist die Altstadt von quirligem Leben erfüllt. In Restaurants und Tapas-Bars ist kaum ein freier Platz zu finden, aus den Straßencafes klingt Musik. Man ist unterwegs um zu sehen und gesehen zu werden, bei einem Glas Wein und Gesprächen den Abend zu genießen. Im Licht zahlreicher Scheinwerfer wird die Kathedrale effektvoll in Scene gesetzt und wirkt weniger mächtig als am Tage. Elegante Flanier- und Shoppingmeile ist die breite Calle Marques de Larios. Die hundertzehn Jahre alte und in den letzten Jahren aufwendig rekonstruierte Straße führt als Fußgängerzone vom Hafen zur palmenbestandenen Plaza de la Constitution. Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich Geschäfte mit Schmuck, exquisiter Mode und Galerien aneinander. Hier ist alles vertreten, was Rang und Namen hat.

Malaga arbeitet daran, seien Ruf als Kulturstadt zu stärken. Wichtigstes der mehr als zwanzig Museen ist zweifellos das Picasso-Museum im herrlichen Renaissance-Gebäude des Palacio de Buenavista.

Chistel Seiffert, Satue von Pablo Picasso

Das 2003 eröffnete Haus ist nach Paris und Barcelona das drittgrößte Picasso-Museum. Damit ist ein langgehegter Wunsch des Malergenies nach einem eigenen großen Museum in seiner Heimatstadt in Erfüllung gegangen. Möglich wurde es durch eine Schenkung der Schwiegertochter Picassos, Christine Ruiz-Picasso, die der Stadt 138 Werke des Künstlers – darunter Bilder, Grafiken und Skulpturen aus allen Schaffensperioden – im Wert von 250 Millionen vermachte. Unweit des Museums befindet sich an der Plaza de la Merced Nr. 15 die Casa Natal Picasso, das Geburtshaus des berühmten Sohnes der Stadt. Das Haus steht unter Denkmalschutz und ist seit Anfang der 90ger Jahre als Museum anerkannt. Im Stil der Zeit rekonstruiert zeigt es bei freiem Eintritt einige Werke Picassos, Malerutensilien und Fotos aus seinem Leben. Auf der von Straßencafes und Bars umgebenen Plaza de la Merced erinnert eine Skulptur an den Künstler. Der Legende nach hatte Picasso nach dem Aufstieg Francos geschworen, das Land zu dessen Lebzeiten nicht wieder zu betreten. Diesen Schwur hat er bis zu seinem Lebensende 1973 gehalten. Sehenswert und gern besucht sind auch das Museo Carmen Thyssen im sanierten Palacio Villalon mit einer umfangreichen Sammlung der Baronin Carmen Thyssen Bornemisza und das Museo de Bellas Artes mit Werken der Malaga-Schule vom 18. Bis 20. Jahrhundert.

Naturfreunde werden sich vielleicht lieber vom botanischen Park, einer herrlich grünen Oase zwischen Hafen und Altstadt, bezaubern lassen. Hier gedeihen am Palmenboulevard exotische Pflanzen aus vielen Ländern. Zwischen Springbrunnen, Dattelpalmen und Bougainvilleen stehen Skulpturen bekannter Künstler und ein Musikpavillon. Auch an heißen Sommertagen ist es hier kühl und lauschig. Überall laden Bänke zum Verweilen ein, zum  Schauen und Genießen. Ein botanischer Garten, der einmalig in Europa weder eingezäunt ist noch Eintritt kostet.

Christel Seiffert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *