Deutschland: Ursprünglichkeit in alpiner Wildnis

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Garmisch-Partenkirchen: Naturerlebnis im Werdenfelser Land mit Blick auf Deutschlands höchstem Berg, die Zugspitze.

Die Bergkulisse mit Alpspitze, Zugspitze und Werdenfelser Land ist atemberaubend schön. Garmisch-Partenkirchen, der schmucke Ort an Loisach und Partnach, lässt den Zauber alpiner Wildnis in ganz unterschiedlichen Facetten erleben. Gerade in den Sommermonaten zeigt sich die raue Schönheit der Natur im süddeutschen Voralpenland, die jeder auf seine Weise entdecken kann.

Irmgard Schwarz liebt die Natur. Das merkt man der 73-jährigen Garmisch-Partenkirchnerin an. Aufgewachsen in einem landwirtschaftlichen Anwesen direkt an der friedlich plätschernden Loisach, im Ortsteil Garmisch, war sie schon in jungen Jahren mit der Mutter zum Kräutersammeln unterwegs. Damals fand sie das überhaupt nicht spannend. Heute kennt sie dafür jedes Kraut. Wer die Möglichkeit hat, mit ihr die Bergwiesen von Kramerplateau oder Wank, dem Hausberg der Partenkirchner, zu durchstöbern, erfährt viel über die Heilkraft der Pflanzen.

SeufertMan muss gar nicht so weit gehen. „Vor jeder Haustüre findet man an den Wiesen bis zu zehn Kräuter, die man braucht“, ist die Naturfreundin überzeugt. Die gelben Blüten der Königskerze sind ebenso essbar wie die der Nachtkerze. „Zum Verzieren des Salats einfach toll“, schwärmt Irmgard Schwarz. Und sie bricht erneut eine Lanze für den Löwenzahn, der gerade von Diabetes-Patienten gegessen werden sollte. Bei der Wanderung durch die blühenden Bergwiesen findet sie viele kleine Schätze, an denen andere achtlos vorbeigehen. Aber auch im Spätsommer gibt es noch viel Heilendes am Wegesrand. Wie die Scharfgarbe, für sie ein Wunderwerk der Natur.

„Es gibt eigentlich nichts, was man damit nicht heilen kann.“ Oder die Brennnessel, deren Samen sie als Vitamin- und Mineralienspender empfiehlt. Oder den Spitzwegerich, dessen zerriebene Blätter wunderbar gegen den Juckreiz bei Insektenstichen helfen. Irmgard Schwarz nimmt gleich ein paar Blätter für den eigenen Vorrat mit. Bei Gicht empfiehlt sie jungen Giersch als Salat, Schachtelhalm ist gut für Haut, Haare und Nägel, Mädesüß ist der Ersatz für Aspirin. „Am besten pflückt man Kräuter übrigens bei Sonnenschein“, weiß sie.

Irmgard Schwarz ist ein wandelndes Lexikon. Von jedem Kraut am Wegrand kennt sie die Heilwirkung. „Wenn man sich bei der Natur bedient, braucht man keine Nahrungsergänzungsmittel.“ Und selbst schwöre sie bei Krankheiten auf die Heilkraft der Pflanzen, die schon Hildegard von Bingen kannte. „Pillen brauche ich nicht.“ Ihr vorbeugendes Grippemittel ist übrigens selbst gemachter Wacholderlikör. Auch im Haus sind die Kräuter einsetzbar: So wurde Zinnkraut nicht nur zum Putzen von Zinngeschirr eingesetzt, sondern früher auch für den Feinschliff beim Schreiner.

Auf der Olympiaschanze

Die Wanderung aufs schroffe Kramerplateau bietet auch einen fantastischen Blick auf die beiden Ortsteile Garmisch und Partenkirchen, die im Vorfeld der Olympischen P1060375Winterspiele 1936 auf Druck der NSDAP zwangsvereint wurden. Die monumentalen Bauten am Stadion der Skisprungschanze, direkt neben der Eckbauerbahn, sind noch immer mahnendes Zeugnis – obwohl sie erst für 1940, zu den geplanten zweiten Winterspielen in der Gemeinde errichtet worden waren. Beim Besuch des Olympiageländes sollte man sich die Visite auf der 2007 neu gebauten Olympia-Sprungschanze nicht entgegen lassen. Ganz langsam, vom Auslauf im Stadion, erklimmt man bei der geführten Tour den Gudiberg zum Fuß der Schanze, durch die Kabinen der Sprungrichter bis zum Schanzentisch. Schwindelfreie wagen sich bis nach oben auf die 62 Meter hohe, frei schwebende Plattform beim Absprung. Nur auf dem berühmten Balken darf man als Tourist nicht Platz nehmen. Der ist den Sportlern vorbehalten.

Blick in die Partnachklamm

Atemberaubend wie der Blick von der Schanze ist ein ganz besonderes Naturschauspiel, nur wenige Hundert Meter vom Stadion entfernt: die Partnachklamm. P1060251Gespeist durch den Gletscher der nahen Zugspitze und Schmelzwasser aus dem Reintal beeindrucken Wasserfälle, Stromschnellen und Gumpen, die die enge Schlucht jahrtausendelang geformt haben. Ein faszinierender Blick auf die tollen Felsformationen und in die Tiefe bietet sich auf der 70 Meter hohen eisernen Brücke, die die beiden schroffen Felswände des 1912 eröffneten Naturdenkmals miteinander verbindet. Von der harten und gefährlichen Arbeit der Holztrifter und Bauern, die Baumstämme durch die reißenden Wassermassen in Tal befördert haben, zeugen Schautafeln. Heute darf man den Besuch in der ganzjährig geöffneten wildromantischen Klamm – seit 2006 ein Geotop – genießen. Am besten bei einer Fackelwanderung. Und dann geht’s zur Stärkung zum Hanneslesbauer oder zum Forsthaus Graseck. Dort ist auch die Bergstation der alten Graseckbahn.

Und wem der Sinn noch nach mehr ursprünglicher alpiner Natur steht, der wandert zum Riessersee oder zum Eibsee, mit einem herrlichen Blick auf die 2962 Meter hohe Zugspitze. Gemütlich ist es aber auch im Kurpark auf den Spuren von Michael Ende.

Diana Seufert

 

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