Österreich: Wandern auf wackeligem Waldboden

„Da wackelt ja der ganze Boden“. Die Kinder strahlen um die Wette und hüpfen nochmal kräftig. Ganz sachte gibt der Untergrund nach. Kein Wunder, sie spazieren gerade durch das Piller Moor. In diesem Naturdenkmal bei Landeck gibt es jede Menge zu entdecken. Und auch die Umgebung der österreichischen Stadt im oberen Inntal bietet eine Vielzahl an Ausflugszielen, die sich gerade für Familien mit Kindern lohnen.

Den großen Besuchermagnet hat die Region Tirol West rund um Landeck nicht zu bieten. Und die meisten kennen die Gegend wohl mehr aus der Sicht der Autofahrer auf dem Weg in den sonnigen Süden. Doch wer sich die Zeit zum Erkunden nimmt, findet viele Kleinigkeiten für einen entspannten und sehr kurzweiligen Urlaub.
Etwa wie das Piller Moor. Heidelbeersträucher und dichte Erika-Büsche säumen den Wanderweg im Wald. Rund eine Stunde dauert der Rundgang, wenn man nicht an der einen oder anderen Ecke stehen bleiben würde. Ein leuchtender Fliegenpilz hat die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich gezogen. Dass dieses prächtige Exemplar giftig ist, müssen die Eltern nicht zweimal sagen. Aber faszinierend ist er schon, ebenso wie der zerbrechlich wirkende Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze.

Nur wenige Meter weiter hat sich der weiche Waldboden in schlammigen Morast verwandelt. Holzplanken zum bequemen Laufen tun gute Dienste. Aber der Regen hat die Erde daneben aufgeweicht. Ein kräftiger Sprung ins Trockene ist da gar nicht so leicht, wie Erwachsene und Kinder schnell merken. Der Moor-Lehrpfad am Piller Sattel ist Teil des Naturparks Kaunertal. Und er gibt spannende Einblicke in die Natur, die so mit allen Sinnen erlebt werden kann. Man sollte sich beim Wandern Zeit nehmen für seltene Tier- und Pflanzenarten, die inmitten eines alten und geheimnisvollen Kulturraumes ihre Heimat haben. Auf Tafeln wird die Entstehung eines Moores erklärt und auch auf die nachhaltige Regionalentwicklung, eine Leitlinie im Naturpark, hingewiesen.

Wer mehr über den Park erfahren will, sollte das neue Naturparkhaus besuchen. In einer Mitmach-Ausstellung „3000 Meter Vertikal“ erlebt der Besucher bei einer interaktiven Wanderung die verschiedensten Lebensräume. Vom ewigen Eis der Gletscher bis zu den trockenen Steppenhängen im Tal lernt man aus interessanten Blickwinkeln Pflanzen, Tiere und Menschen im Naturpark kennen.

Die Wildnis der Natur und ihre Unbezwingbarkeit kann der Gast auch bei Wasserfällen und Schluchten hautnah erleben. Geheimnisvoll und romantisch zugleich ist der Zammer Lochputz, Tirols mystische Klamm bei Zams. Über Stollen, Steine und Brücken geht es in die Klamm, während daneben der Lochbach in die Tiefe schießt. Über Jahrmillionen hat die Kraft des Wassers den Felsen geformt. Aber auch der Mensch hat sich dieser Kraft bedient, wie der Wasser-Erlebnissteig deutlich macht. Nicht weniger packend ist die wildromantische Kronburgschlucht, die vor allem bei Freunden des Canyonings beliebt ist. Überhaupt spielt das Wasser in der Region eine wichtige Rolle, wie zahlreiche Natur- und Badeweiher zeigen. Eingebettet zwischen Lechtaler Alpen, Samnaungruppe, Ötztaler Alpen und Kaunergrat liegt Landeck, das schon die Römer für sich entdeckten.

Einen imposanten Blick auf die Alpen der Region hat man vom 2208 Meter hohen Krahberg aus. Mit der Venetseilbahn geht es in wenigen Minuten hinauf, wo man zu interessanten Rundwanderungen starten kann. Die Kids lockt ein spezieller Erlebnisweg, bei dem fünf unterschiedliche Stationen gemeistert werden müssen. Vom Steinmandl-Bauen bis zu Wasserspielen reichen die Disziplinen. Und wer alle geschafft hat, darf sich hinterher eine Belohnung abholen.

Die erwartet auch die Wanderer auf dem Weg zur Mittelstation in Form einer rustikalen Stärkung. Schmale, und manchmal gatschige Pfade, wie der Tiroler sagt, durch das Hochmoor müssen passiert werden. Die Kühe, auf die der Wanderer immer wieder trifft, lassen sich beim Grasen nicht stören. Aber vielleicht stehen sie am Gatter „Spalier“, wenn der Gast nach gut einer Stunde zur Meranz Alm auf 1915 Metern kommt. In der guten Stube des Hauses, gleich neben dem Kachelofen, werden die Gäste bewirtet und bekommen neben der herrlichen Aussicht auch einen Einblick ins Leben auf der Berghütte. Schnell ist man mit der Wirtin im Gespräch, die mehrere Monate im Sommer hier verbringt und immer gerne Ferienkinder zu Gast hat. Sie kann sich nichts Schöneres vorstellen. Und beim Blick über die Alpen kann jeder diese Begeisterung teilen.

Diana Seufert

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