Schweiz: Ländlicher Charme in Gstaad und im Saanenland

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Auch Prominente suchen im Berner Oberland Erholung in der Natur der Schweizer Bergwelt

Madonna genießt einen unbeschwerten Skiurlaub, David Bowie holt sich hier Inspiration und Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone hat gleich ein ganzes Hotel gekauft: Das kleine Bergdorf Gstaad im Berner Oberland lebt von und mit den Schönen und Reichen dieser Welt. Aber auch sie suchen, wie die anderen Gäste auch, Erholung in der faszinierenden Natur der Zentralschweiz, wo Traditionen noch selbstverständlich gelebt werden.

Zugegeben – Gstaad und die Prominenz werden mittlerweile in einem Atemzug genannt. Und sie gehen schon seit Jahrzehnten eine Symbiose ein, die für beide Seiten gut ist. So wurde das kleine Bergdorf mit gerade mal 7000 Einwohnern nicht nur in Europa ein bekannter Magnet für alle, die Rang und Namen und natürlich den entsprechenden Geldbeutel haben – begründet auch auf der Außenstelle der Privatschule „Le Rosey“. Da kann es schon mal passieren, dass man Schauspielerin Anne Hathaway im Restaurant oder Bernie Ecclestone in der Pizzeria trifft. Die Gstaader sind das gewohnt und zücken keine Kameras, die Promis schätzen die Diskretion, die dort allerorten an den Tag gelegt wird.

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Ländlicher Charme im Saanenland

Doch auch für den kleineren Geldbeutel sind der Ort an der Saane und die Region ein lohnendes Ziel. Denn trotz der wohlhabenden Klientel hat sich das Saanenland seinen ländlichen Charme bewahrt, ganz nach dem Motto „Come up, slow down“. Alte Häuser, mit viel Holz im Chaletstil erbaut, bestimmen das Bild im autofreien Ortskern. Und die typischen Bauernhäuser mit den doppelten Treppenaufgängen und den reichen Verzierungen der Fassade zeugen vom ursprünglichen Leben der Bewohner. Im „Alten Gstaad“ finden sich noch Häuser aus dem 17. Jahrhundert, die den großen Brand 1898 überstanden haben.

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Einer, der dem Charme von Gstaad und der Kraft der Berge erlegen ist, war der Violinist und Dirigent Yehudi Menuhin (1916-1999). Auf dem sanften Hügel wohnte er über viele Jahre hinweg mit seiner Familie und begründete 1957 das Musikfestival, das in den Sommermonaten mit zahlreichen Konzerten in der Region Saanenland erfreut. Aber auch auf den Spuren des Philosophen Menuhin darf man wandeln: Der nach ihm benannte Philosophenweg startet an der 1402 erbauten evangelischen Kirche in Gstaad und führt über mehrere Stationen in den Nachbarort Saanen. Mit dem sehenswerten nostalgischen Zug kann man dann die Rückreise antreten.

Mit der Gondel zum Gipfel

Saftig grüne Alpen, glückliche Kühe an den Hängen, die sich Gras und Kräuter schmecken lassen: Die sonnenverwöhnte Region Saanenland ist ein kleines Idyll wie aus dem Bilderbuch. Und sie verströmt Ruhe und Gelassenheit. Mit den Gondeln und Sesselliften, die im Winter die Skifahrer in die weiße Pracht bringen, kommt man genüsslich in Richtung Gipfel. Bei einer Wanderung auf dem über 300 Kilometer langen Wegenetz und den 150 Kilometer ausgeschilderten Radwegen steht die eigene Naturerfahrung im Vordergrund. Etwa vom Rinderberg bei Zweisimmen vorbei am Hornfluh bis zum Horneggli mit dem Naturlehrpfad bei Schönried oder über die Höhenzüge von Wasserngrat und Wispile. Den Blick auf die Alpengipfel der zahlreichen 3000er, auf Geltengletscher und Glacier 3000 und in die Täler sollte man genießen – und unterwegs die einfache, aber köstliche Verpflegung der Alphütten. Oder man holt sich ein Rad und fährt auf gut ausgebauten Radwegen zum Lauenensee. Das Naturschutzgebiet mit den saftigen Wiesen um den See lockt Touristen und Einheimische ans grün-blaue Wasser, die hier die Seele baumeln lassen.

Die alpine Naturverbundenheit bestimmt heute noch das Leben der Menschen. Wer einen ganz besonderen Einblick in den Alltag auf den Bergen erhaschen möchte, logiert nach einer zweistündigen Wanderung auf Alp Turnels, zwischen Wasserngrat und Giferspitz. Schlafen auf dem Heuboden und das Leben der Senner kennenzulernen, ist nicht nur für Kinder eine tolle Erfahrung.

Echter Schweizer Käse

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In die Geheimnisse der Hobelkäseherstellung weihen die Senner Jakob und Erika Zumstein die Besucher gerne ein, nachdem sie mit einem zünftigen Älplerzmorge auf den Tag eingestimmt worden sind. Währenddessen werden 300 Liter Milch im Kupferkessel durch die Zugabe von Lab dick. Mit einer speziellen Käseharfe wird diese Milch dann mit Hand „zerschnitten“ und die Käsekörner, typisch für den Hüttenkäse, werden sichtbar. „Mit jeder Minute wird er reifer“, weiß der Senn, der zwischendurch probiert. „Der Käse muss quietschen, dann ist er richtig.“ Dazu braucht man die Wärme des Holzofens und Geduld. Nach gut einer Stunde holen er und seine Frau mit einem Tuch die Käsekörner aus der Molke und drücken sie in die vorbereitete Form. Zwei große Laibe sind die Ausbeute. Die werden gepresst, damit die Flüssigkeit heraustritt, und wandern am nächsten Tag ins Salzbad. Wer selbst ein ganz besonderes Bad nehmen will, kann im Holzzuber vor der Hütte wie Cleopatra in warmer Molke das herrliche Bergpanorama genießen.

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Acht Wochen verbringen die beide auf der Alp, Jakob Zumstein bereits seit 46 Jahren. Und jeden Tag machen sie Käse. Nach der entsprechenden Reifezeit kauft die Genossenschaft Molkerei Gstaad die wertvollsten Käse auf und lagert sie für weitere zwei Jahre in der Käsegrotte. Jürg Romang, Präsident der Genossenschaft, gewährt einen Einblick ins Reich des Hobelkäses. 8000 Laibe trocknen hier bei 65 Prozent Luftfeuchtigkeit im ehemaligen Wasserreservoir. „Der Käse ist das Gold der Berge und der König der Lebensmittel“, schwärmt der Landwirt. Und er verrät: Hobelkäse, der mit einem speziellen Hobel dünn geschnitten wird, muss mindestens 18 Monate gereift sein. Vorher heißt er schlicht Alpkäse.

„Ohne Idealismus geht es nicht“, sagt Romang. Rund 100 Alphütten im Saanenland haben einen Senner, und jeder hat seine eigenen Finessen bei der Käseherstellung. Die könne man in der landwirtschaftlichen Schule in Wochenkursen lernen, wichtig sei aber die tägliche Übung und Erfahrung, weiß der Käser.Die besten der Zunft treten übrigens mit ihren Naturprodukten im September bei der jährlichen Käsemeisterschaft an.

Diana Seufert

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