Norwegen: Trondheims mehr als 1000jährige Geschichte

Trondheim ist eine der ältesten Städte Norwegens und heute mit rund 170 000 Einwohnern das unangefochtene Zentrum der Region Trøndelag. Im Jahre 1997 hat die drittgrößte Stadt des Landes, deren Zentrum auf einer Halbinsel zwischen Fjord und Fluss liegt, ihr 1000jähriges Jubiläum gefeiert. Damals begannen die ersten Bauern das fruchtbare Land um den Fluss Nidelv zu kultivieren. In den Sagaerzählungen des Snorre Sturlasson ist zu lesen, dass der Wikingerkönig Olav Tryggvasson auf einer seiner zahlreichen Reisen in den Trondheimfjord segelte und hier einen geschützten Hafen fand. In der Folgezeit begann Olav Tryggvasson an der Mündung des Flusses einen Handelsplatz zu errichten, der die Keimzelle des heutigen Trondheims werden sollte. Dem Stadtgründer wurde 1923 auf dem Marktplatz auf einer schlanken Säule ein Denkmal gesetzt.

Das alte Nidaros

Die nächste bedeutende Persönlichkeit, die Trondheim regierte, dass damals noch Nidaros hieß, war Olav Haraldsson. Er machte Trondheim zu einem Zentrum der Christianisierung und zur bedeutendsten Stadt des Landes. Auch nach ihm war die Stadt am Nidelv noch ein wichtiges Machtzentrum, Hauptstadt, Königsresidenz und Bischofssitz. Während der Unionszeit mit Dänemark im 14. Jahrhundert ging diese Vormachtstellung dann allerdings nach und nach verloren und auch während der Reformation versank die Stadt immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. 1537 musste schließlich der letzte katholische Erzbischof Olav Engelbrektsson das Land verlassen.

Verheerende Brände

Mehrere Brände wüteten im Laufe der Jahrhunderte in der Stadt, doch keiner war so verheerend wie der von 1681, der Trondheim fast vollständig in Schutt und Asche legte. Mit dem Wiederaufbau beauftragte König Christian V. den Hugenottengeneral Johan Caspar Cicignon. Nach dem Vorbild vieler europäischer Großstädte legte er breite und gerade Straßenzüge als Feuerschneisen an. Die beiden Hauptstraßen, die Kongensgata und die Munkegata, schneiden sich auch heute noch rechtwinklig am Torget, dem zentralen Marktplatz Trondheims. Die Altstadt Trondheims liegt auf einer Halbinsel, sie war deshalb leicht zu verteidigen und besaß zudem noch einen natürlichen Hafen an der Flussmündung. Im 18. Jahrhundert war Trondheim dann wieder ein wichtiges Handelszentrum, unter anderem wurde das Kupfererz aus Røros über den Trondheimer Hafen in die Welt exportiert. Die reichen Handelsfamilien ließen sich prächtige Holzpalais, wie den Stiftsgården oder das Palais Möllemann, bauen. Im 19. Jahrhundert wurde der Hafen am Nidelv schließlich zu klein und die Stadt begann sich über die kleine Halbinsel hinaus auszudehnen, was mit einem starken Anstieg der Bevölkerung einherging.

Norwegens Nationalheld

Der Nidaros-Dom, Skandinaviens größte mittelalterliche Kirche, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts über dem Grab Olav des Heiligen errichtet wurde, ist heute der Mittelpunkt Stadt. Der große, parkähnliche Friedhof und die Grünanlagen entlang der Schleife des Nidelv machen den Dom zum grünen Herzen Trondheims. Schon aus der Ferne sind die beiden Türme des Nidaros-Doms zu erkennen, wie beeindruckt müssen erst die Menschen im Mittelalter von dem imposanten Bauwerk gewesen sein. Im Jahre 1030 ist König Olav Haralsson in der Schlacht von Stiklestad gefallen. Ein Jahr später wurde er heiliggesprochen und zum Nationalhelden Norwegens. Mit dem Bau einer einfachen Kirche über seinem Grab wurde wahrscheinlich schon gegen Ende des 11. Jahrhunderts unter König Olav Kyrre begonnen.

Skandinaviens größte Kirche

Die ältesten Teile der heutigen, 100 Meter langen und 50 Meter breiten Kathedrale, sind die Querschiffe und die Sakristei im romanischen Stil. Chor, Hauptschiff und der zentrale Turm wurden 100 Jahre später im gotischen Stil durch Erzbischof Øystein hinzugefügt. Er brachte viele Ideen aus seinem Exil in England mit und setzte sie in der Folgezeit um. Nach ihm bauten viele Erzbischöfe am Dom weiter, wobei sie sich vor allem dem Westteil des Kirchenschiffes widmeten. Während seiner wechselvollen Geschichte wurde der Nidaros-Dom von mehreren verheerenden Bränden verwüstet, aber immer wieder neu aufgebaut. Nicht so nach dem besonders schlimmen Brand von 1531, danach blieb der westliche Teil des Kirchenschiffes lange Zeit eine Ruine. 1869 wurde schließlich die Restaurierung des Doms beschlossen, die sich über rund 100 Jahre hinziehen sollte. Besonders die Gestaltung der Westfront löste Kontroversen aus, denn über ihr ursprüngliches Aussehen gab es keine zuverlässigen Aufzeichnungen. So wurde erst 1983 die letzte Statue in die monumentale Westfront eingefügt. Offiziell gelten die Rekonstruktionen allerdings erst seit 2001 als beendet. Seit 1988 werden auch die Krönungsinsignien wieder im Nidaros-Dom aufbewahrt. Auch heute noch ist der Dom die wichtigste Kirche des Landes, denn nach der Verfassung werden alle norwegischen Könige im Dom von Trondheim gekrönt. Gegenwärtig liegen neun Könige und fast alle Erzbischöfe des Landes in der Kirche begraben. Zur Kathedrale gehören noch die Gebäude des Erzbischofspalais aus dem 12. und 13. Jahrhundert, in denen heute mehrere Museen untergebracht sind. Gezeigt werden archäologische Funde, mittelalterliche Steinskulpturen sowie die Reichsinsignien. Der prachtvolle Erzbischofssaal wird von der Stadt für Empfänge genutzt.

Bunte Speicherhäuser

Gleich neben dem Dom fließt der Nidelv, den die alte Stadtbrücke Gamle Bybrua überspannt. Die Holzbrücke mit dem Glücksportal im neugotischen Stil wurde 1861 errichtet und ist ein Wahrzeichen Trondheims sowie eines der beliebtesten Fotomotive. Von der Brücke genießt man den besten Blick auf die Speicherhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zu beiden Seiten des Flusses stehen sie malerisch auf Holzpfählen im Wasser. Bevor es steil hinauf zur Festung Kristiansten geht, die weithin sichtbar über der Stadt thront, sollte man dem Stadtteil Møllenberg ein wenig Aufmerksamkeit schenken, denn in ihm sind noch viele alte Holzhäuser erhalten geblieben, die heute oftmals liebevoll saniert, gemütliche Cafés und Restaurants beherbergen. Nun geht es hinauf zur Festung Kristiansten, die 1681 nach dem großen Brand von General Caspar de Cicignon erbaut wurde. Einige Jahre später sollte sich herausstellen, dass er gute Arbeit geleistet hatte, denn die Festung bewahrte die Stadt vor der Eroberung durch die Schweden. Von den Wällen hat man einen wunderbar weiten Blick auf Trondheim und Umgebung.

Eines der schönsten Holzgebäude der Stadt ist der Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Stiftsgården. Seit 1906 ist er die offizielle Residenz des norwegischen Königs in Trondheim. Sind die Hausherren nicht anwesend, können einige der prächtigen Innenräume besichtigt werden. Das Haus wurde ursprünglich als Privatresidenz für Geheimrätin Cecilie Christine Schøller erbaut. Im Jahre 1800 verkaufte Schøllers Enkel das Anwesen an den Staat. Bis 1906 wohnte der höchste Verwaltungsbeamte des Stifts oder Bistums im Stiftsgården. Seit der Krönung von König Carl III. Johan im Jahre 1818 im Nidaros-Dom finden hier immer die Feierlichkeiten in Verbindung mit der Krönung des neuen Königs statt.

Sehenswerte Kunst

In unmittelbarer Nähe des Doms liegen das Kunstmuseum und das Kunstindustriemuseum. Das Kunstmuseum besitzt die drittgrößte Kunstsammlung des Landes, hauptsächlich norwegische Werke von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Im Kunstindustriemuseum werden auf drei Etagen historische und moderne Sammlungen von Kunsthandwerk und Design gezeigt. Im Sjøfartsmuseum, einem Gebäude aus dem Jahre 1725, sind Segelschiffmodelle, Galionsfiguren, Navigationsinstrumente und Bilder von Segelschiffen zu sehen. Das Ringve Museum ist das Nationalmuseum für Musik und Musikinstrumente. Die in einem Herrenhof aus dem 17. Jahrhundert untergebrachte Sammlung ist das einzige Musikinstrumentenmuseum Norwegens. Während der Führungen werden die Instrumente sogar vorgespielt. Im Dachbodenmuseum wird eine permanente Ausstellung über die Geschichte der Musik bis zum Rock und Pop gezeigt. Etwas außerhalb befindet sich das Trøndelag Folkemuseum, ein Freilichtmuseum mit über 60 Gebäuden aus Trondheim und Trøndelag aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Christian Nowak

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