Frankreich: Die Töpfer von Betschdorf

Dominic Burger lässt die Hände nicht von dem Klumpen Erde, der sich vor ihm auf der Töpferscheibe dreht. Mit geübten Handgriffen umfasst er  den grauen Ton und zieht ihn konzentriert zu einem hohen, bauchigen Weinkrug. Neben ihm stehen schon weitere Exemplare in Reih und Glied. In Betschdorf, einem kleinen Dorf im nördlichsten Zipfel des Elsass, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, führt er seine Werkstatt, zusammen mit seiner Schwester Annick. Und dort dürfen die Besucher gerne einen Blick über seine Schulter werfen.

Acht Töpfer gibt es noch in Betschdorf, die die alte Technik der Herstellung von Steinzeug beherrschen. Denn diese grauen Tonwaren, mit den typischen blauen Motiven, dienen und dienten seit jeher der Aufbewahrung von Lebensmitteln. Zusammen mit dem benachbarten Soufflenheim bildet der Ort das Töpferzentrum in der nordöstlichsten Region Frankreichs.

Töpfern ist Handarbeit und Erfahrungssache. Bis zu zwölf Arbeitsgänge sind nötig, damit schließlich ein wohlgeformter Krug gebrauchsfertig ist. Denn nach dem Töpfern müssen die Tonwaren einige Tage trocken, ehe der Henkel dran kann. Danach folgt die Verzierung, die Aufgabe  von  Annick Burger. Mit eine spitzen Holzstab ritzt sich geschickt Weinblätter und Trauben ein. Wie viele Beeren sie formt? „Je nach Lust und Laune, und natürlich nach der Optik“, lacht sie und befreit den Krug von überflüssigem Ton. Neben traditionellen Mustern, die bei älteren Generationen Erinnerungen wach rufen, werden zunehmend auch moderne Formen verwandt. Erst danach  erhalten die Krüge ihre typische kobaldblaue Färbung.

Einmal im Monat wirft Burger den Brennofen an. Bei 1250 Grad Celsius wird das Werk der vergangenen vier Wochen dann vollendet. Sobald die Ware aufgeschichtet und der Ofen heiß ist, bläst der Töpfer eine spezielle Salzlasur  durch kleine Düsen ein. „Das  Salz legt sich auf die einzelnen Stücke und sorgt für den besondere Glanz“, erklärt er den Besuchern.

Zum Aufbewahren eignet sich Steinzeug wunderbar, „besser als Plastik“, wie Burger findet. Das wussten schon Generationen von Franzosen. Kochen und backen würde er mit seinen Erzeugnissen allerdings nicht. Dafür gibt es die Tonwaren aus Soufflenheim. Dort wurde eine ganz andere Kultur entwickelt. Dominic Burger erklärt den kleinen, aber feinen Unterschied:  „Die Töpfer benutzen eine  andere Tonmischung, die hitzebeständig ist. Und eine andere, meist in Ockertönen gehaltene Verzierung für die Gebrauchskeramik.“

Typisch für das Elsass: Baeckeoffe

Eine Kostprobe aus den Soufflenheimer Töpfen sollte man sich bei einem Elsass-Besuch nicht entgehen lassen: Den Baeckeoffe. Fleisch von Lamm, Schwein und Rind wird zusammen mit viel Gemüse, vor allem Kartoffel, langsam im Ofen gegart. Hausfrauen haben früher dieses typische Essen zum Bäcker gebracht, der es in seinen großen Ofen schob, während die Frauen am Bach die Wäsche wuschen. Nach getaner Arbeit war auch das Essen fertig. So kam das Gericht zu seinem ungewöhnlichen Namen.  Noch heute ist es bei den Elsässern beliebt. Und für die Touristen ein ganz besonderer Gaumenschmaus, der mit einem Glas Cleeburger, einem Sekt der Region,  als Aperitif eröffnet wird.

Urtümlich und gepaart mit der elsässischen Gelassenheit darf man die Spezialität in der Moulin des 7 fontaines in Drachenbronn genießen. Die ehemalige Mühle aus dem 18. Jahrhundert wurde zu einem schmucken Restaurant ausgebaut und bietet Fremdenzimmer und kleine Ferienwohnungen an. Urlaub auf dem Bauernhof eben, mit Familienanschluss und vielen Tieren.

Diana Seufert

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