Italien: Reinhold Messner und die Dolomiten

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„Ich habe weltweit über 100 Expeditionen unternommen, und je öfter ich in die Heimat zurückkam, desto mehr war ich von den Dolomiten beeindruckt.“ Diesen Satz sagt einer, der es wissen muss, einer, der auf allen Achttausendern dieses Planeten stand und doch immer wieder begeistert an jenen Ort zurückgekehrt ist, wo er das Bergsteigen gelernt hat. Diesen Satz sagt kein anderer als Reinhold Messner. Und er ist sofort in seinem Element, wenn es um die Dolomiten geht, gerät ins Schwärmen und zitiert Geistesgrößen wie den Schweizer Architekten Le Corbusier. Der habe einmal gesagt: „Die Dolomiten sind die schönsten Bauwerke der Welt.“ Das setze natürlich voraus, dass sie einen Schöpfer haben. „Aber wenn dem so ist“, sagt Messner, „dann kann man nichts Schöneres bauen. Denn rein ästhetisch gibt es nirgendwo auf der Welt dieses Spannungsmoment zwischen flachen und grünen Bergwäldern und diesen senkrechten graugelben Felswänden darüber. Der Himalaja“, fügt Messner noch hinzu, „ist zwar höher, aber nicht so schön wie die Dolomiten.“ Reinhold Messner nach den Dolomiten zu fragen, das merkt man schnell, ist wie wenn man ein sehr großes Fass anzapft.

IMG_1383Das liegt daran, dass diese Berge kaum jemand besser kennt als er. Messner ist hier aufgewachsen, hat im Villnösstal erste Klettererfahrungen gemacht, und wenn man heute von diesem Tal aus hinauf zu den Geislerspitzen blickt, dann kann man leicht verstehen, dass die spektakulären Felstürme und Steilwände den Ehrgeiz und die Leidenschaft des jungen Reinhold erweckt haben. Man könnte hier sehr lange auflisten, zu was das alles geführt hat und was Messner in den Dolomiten alles unternommen hat, aber man kann es auch so sagen: Ohne diesen Gebirgszug wäre Reinhold Messners Biografie sicher anders verlaufen.

In den Dolomiten ist Reinhold Messner allgegenwärtig, er besitzt Schlösser, betreibt IMG_2081Museen, schreibt Bücher und diskutiert mit seinen Landsleuten. Messner hat sich auch über Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass die Dolomiten von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt werden. Und so fühlte sich für Messner der 26. Juni 2009, der Tag, an dem das Welterbe-Komitee endlich die Ernennung bekannt gab, wie ein weiterer Gipfelsieg an. Aber Reinhold Messner wäre nicht Reinhold Messner, wenn er sich mit diesem Erfolg schon zufriedengeben würde. „Durch die UNESCO-Entscheidung haben wir ganz neue Möglichkeiten“, sagt er und hat dabei vor allem die Landwirtschaft im Sinn. „Man muss nun auch die landwirtschaftlichen Flächen und Bergbauernhöfe mit hinein in das Welterbe nehmen.“ Denn das ist bisher nicht geschehen und ist für ihn ein ganz wesentlicher Punkt.

Schließlich sichern die Bergbauernhöfe gemeinsam mit dem Tourismus die Zukunft der Berge. „Und dann würden die Dolomiten auch zum Weltkulturerbe, weil alles, was der Mensch in die Berge trägt, Kultur ist.“ Behutsamkeit sei dabei allerdings oberstes Gebot. „Wir müssen diese Landschaft nutzen, aber wir dürfen sie nicht opfern“, sagt Messner und zieht einen Vergleich: „Für uns Südtiroler sind die bleichen Berge das, was für die Araber das Öl ist. Nur, dass wir die Berge noch ein bisschen länger haben werden, als die Araber das Öl.“ Reinhold Messner ist heute 66 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes und einzigartiges Bergsteigerleben zurück. Das „DenkMal“ Dolomiten zieht sich dabei wie ein roter Faden durch seine Biografie. Denn die Berge seiner Heimat bezeichnet Messner noch immer aus vollster Überzeugung als „die schönsten Berge der Welt“.

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