British Virgin Islands: Weiße Segel unter der Karibiksonne

Mit dem „Star Clipper“ durch die schillernden Wasser der British Virgin Islands

Von der Hängematte vor „Foxy’s Bar“ schweift der Blick über Bucht und Meer. Leise rollen die Wellen heran, überspülen den elfenbeinpudrigen Strand, Palmenwedel wiegen sich träge im Wind. Eine Frau streift barfuss über den Saum der weitgefächerten Brandung. Ihre Fußabdrücke füllen sich mit Wasser, Augenblicke später hat das Meer alle Spuren verwischt. Warm der Wind, warm die Wellen, warm der Sand: Süßes Nichtstun unter Palmen, Rum Punch unter Zunge und Gaumen, so frisch, so kühl, so fruchtig. Angehaltener Traum. Don’t move – das hört man oft in der karibischen See.

Foto: Katharina Büttel

Ortsbestimmung: Fliederfarbene Häuschen mit weißen Dächern und rosa Türen im Grün der White Bay. Kennen Sie nicht? Auf dem winzigen Eiland Jost van Dyke. Kennen Sie nicht? Auf den Britischen Jungferninseln, (BVI). Kannte ich bis dato auch nicht. Kleine Antillen, Inseln über dem Wind östlich von Puerto Rico, wo das Karibische Meer und der Atlantik zusammenschwappen. Die Einwohner, so an die 18000, schwarzer Hautfarbe zumeist und Nachfahren afrikanischer Sklaven. Neben der britischen Kronkolonie gibt es noch die benachbarten US Virgin Islands. Ganz anderes Feeling meinen alle, die mal dort waren. Viel mehr Leute, vielmehr Rummel, amerikanisch eben.

Foto: Katharina Büttel

Sint Maarten, eine Insel, zwei Länder. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden zu Holland. Im Yachthafen vom Hauptort Philipsburg wartet die weiße Viermast-Bark „Star Clipper“, 115 Meter lang, 15 Meter breit. Für Kapitän Loretto Mancino und seine Crew heißt es am Abend: Sail away, Leinen los! Es erklingt der Soundtrack aus dem Kolumbus-Film „1492: Conquest of Paradise“. Welch ein Spektakel! In wenigen Minuten takelt sich der Großsegler fast selbsttätig auf, dank starker Hydraulik. Keiner muss mehr in die Wanten steigen und auf die Rahen klettern. Wind frischt auf, Wellen klingen. Winden knarzen, Seile quietschen, Segeltuch flattert, grummelt und bollert wie ein aufziehendes Gewitter. Hinreißend romantisch!

Die British Virgin Islands, aus Vulkanen geboren, sind ein Traum zum Segeln: Stetige Passatwinde und türkisfarbenes Wasser. Wilde Felsenberge und sattgrüne Macchia von weißen Stränden umschlungen. Unberührte Natur, Kulturschätze kaum.

Am nächsten Mittag: Ankern vor Anguilla in der Road Bay. Schon wieder ein anderes Land, jetzt die Engländer. Wie ein Aal schlängelt und räkelt sich die flache, schmale Insel im Meer, 25 Kilometer lang, fünf breit. Mit eleganten Resorts und ausgezeichnetem Golfplatz. Der klapprige Inselbus bringt uns zu dem allerschönsten Traumstrand der gesamten Karibik: An der Shoal Bay kräuseln sich smaragdfarben die Wellen auf strahlendweißem Korallensand, Strand und Meer soweit das Auge reicht. Wenige Touristen nur, keine Casinos, nette Beachbars, bunte Fische und am Strand spielt eine Reggae-Band – was will man mehr.

Auf dem Weg nach Virgin Gorda, der „Dicken Jungfrau“, passieren wir den engen Francis Drake Channel und sehen bald einen wirklich schnuckeligen Hafen, Marina Bay. Kaum mehr als ein pastellbunter Würfelhäuserhaufen mit einer Puppenstubentankstelle für Eis und Benzin. Und dem Bitter End Yacht Club, feinste Segleradresse im Inselreich, und der Sunset Bar, wo zum Tagesausklang so richtig die Post abgeht. Hier werden die BVI’s sehr amerikanisch.

Wir genießen lieber das beschauliche Bordleben. Die Gäste auf dem Star Clipper sind Foto: Katharina Bütteleine interessante Melange aus Amerikanern, Briten, Franzosen, Deutschen, Italienern und Russen. Jeden Abend treffen sich alle im kleinen, feinen Restaurant zum exquisiten Dinner. Danach gesellt man sich zum Pianospieler oder trifft sich auf einen Drink an der Tropical Bar auf dem Hauptdeck, alles schick in Teak und Messing. Es ist eine Nacht, in der man nicht schlafen gehen will. Satt leuchten die Sterne am Himmel, an Land funkeln die Lichter die Hänge hinauf.

Weiter geht die Fahrt frühmorgens unter vollem Tuch – das sind 3365 Quadratmeter voll Wind! Und wie er segelt, der Windjammer, gebläht, selbst bei mäßiger Brise! Jederzeit – Prinzip der Reederei – können die Passagiere den Seeleuten bei ihrer Segelkunst zuschauen, selbst auch mit Hand anlegen. Ziel ist Norman Island im scheinbar undurchdringlichen Gewirr der vielen Jungferninselchen. Das bot einst Seeräubern ideale Verstecke. Hier muss wohl R. L. Stevenson den Schauplatz seiner berühmten „Schatzinsel“ gefunden und sie wohl auch dort geschrieben haben.

Foto: Katharina Büttel

Von Norman Island ist es zur Hauptinsel Tortula nicht weit. Man ankert auf Reede. Tenderboote bringen die Gäste an den Zuckerstrand. Längst hat das Sportteam im Schatten einer Palme Kajaks, Wasserski und das Bananenboot ausgebreitet. Von hier führen alle Wege nach Road Town. Es ist kein altes, eher ein konstruiertes Dorf im bunten Karibikstil, wo Banken und Firmen aus aller Welt Briefkästen angenagelt haben – in die niemals Steuerbescheide eingeworfen werden! Im kleinen Hafen wiegen sich die Yachten, deren Eigner zur Happy Hour die In-Kneipe „Pusser’s“ bevölkern, Einheimische sieht man kaum. Wer bummeln will, schlendert durch die Main Street. Bei „Sunny Caribee“ gibt es einheimische Gewürze, im „Pusser’s Company Store & Pub“ den besten Rum.

„Pina Colada oder Rum Punch?“, fragt die Schaffnerin an Bord der Scenic Railway auf der Insel St. Kitts. Wir sitzen auf dem offenen Oberdeck der farbig angestrichenen Eisenbahn und genießen eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Bei leiser Musik und Insel-Historie fährt sie rund um’s Eiland. Es geht durch Zuckerrohrfelder, vorbei an Windmühlen, die Küste entlang, hinauf in den Regenwald, den Vulkan Mount Liamuiga im Blick und die Schwesterinsel Nevis. Weiter über Stahlbrücken, die sich über tiefe Canyons spannen, hinab in die kleinen Örtchen, etwa St. Paul’s, und nach gut drei Stunden wieder zurück in den Hauptort Basseterre. Auf dem Inselduo geht es noch gelassener zu, als in der Karibik eh schon üblich. Mit Affenzahn geht hier gar nichts. Aber Affen gibt es auf St. Kitts mehr als genug. Mittags ist Affenhitze und Affenzeit! So kann es passieren, dass eine Grüne Meerkatze oder ihr ganzer Trupp anrückt, auf die Waggons springt und saufen will – gern auch mal Rum Punch.

Das Meer ist friedlich, der weiße Segler lichtet die Anker und gleitet lautlos ins Abendrot hinein. Die Antilleninsel St. Barthélemy ist Frankreichs glamouröser Außenposten, das karibische St. Tropez. Angenehmes, Teures, angenehm Teures kommen hier zusammen: Die oberen Zehntausend geben sich ein Stelldichein, Royals und halb Hollywood machen hier Ferien. Im Hafen von Gustavia liegen die Millionärsyachten dicht an dicht; in den Restaurants stehen die Köche aus Paris hinter dem Ofen. Showtime und Starreigen ist fast immer. Sehen und gesehen werden, das ist hier wichtig! Beim Sundowner im In-Treff „Carré d’Or“ oder im „Le Select“, dem ältesten Lokal der Insel. Oder natürlich beim Shopping in den unzähligen Nobelboutiquen, wo Kreditkarten schmelzen wie Butter unter der Sonne. Aber auf St. Barth sei man diskret, sehr diskret und verkrümele sich eher an die 22 Traumstrände, versteckt und verschwiegen, bitte sehr! In St. Jean ist „Nikki Beach Bar“ die prominente und originelle Adresse für das St. Barth-Feeling und den Kult-Cocktail „Hibiscus“ – gemixt aus Rum, Baileys, Kokos und Grapefruit: Karibik in Flüssigform.

Text und Fotos Katharina Büttel

 

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