Spanien: Melilla – eine Stadt zwischen zwei Kontinenten

Plaza de Espana  Foto: Christel Seiffert

Ein kleines Stück Spanien in Nordafrika. Seit mehr als 500 Jahren ist Melilla eine europäische Enklave in Marokko – eine autonome Stadt, die die Mysterien Afrikas und Geschichte Spaniens in sich vereint.

Auf einem Felssporn hoch über der Stadt erhebt sich „El Pueblo“, das Dorf, wie die Einwohner Melillas liebevoll ihre Altstadt nennen. Die von einer gewaltigen Mauer umschlossene Zitadelle wurde im 15. Jahrhundert auf den Resten einer alten Stadt erbaut. Mit seinen Festungen und Kanonen, Bastionen und Kasernen erinnert der monumentale Komplex auf Schritt und Tritt an seine militärische Vergangenheit. Es macht Spaß, durch das Gewirr der winkligen Gassen, Tunnel, Gänge und kleinen Plätzen zu schlendern und es lohnt sich eines der Museen zu besuchen. Hier oben bewahrt Melilla die Dokumente seines reichen geschichtlichen Erbes auf – im Zentralen Archiv der Stadt, dem Archäologischen- und Geschichtsmuseum und im Militärmuseum. Noch immer wird in „El Pueblo“ gewohnt, spielen Kinder auf den Plätzen und in den Kellergewölben des eleganten Restaurante La Roca kann man sich mit Meeresfrüchten verwöhnen lassen. Während tief unten das Meer gegen die Felsen schäumt, geht der Blick weit über die Stadt, den Hafen und die Uferpromenade.

Jugendstil-Fassade La Reconquista Foto: Christel Seiffert

Melilla ist eine kleine, große Stadt mit einem ganz eigenen Charakter und Charme. Auf wenig mehr als 12 Quadratkilometern leben vier Kulturkreise friedlich nebeneinander – es gibt das christliche, islamische, jüdische und das kleine indische Melilla. Diese kulturelle Vielfalt prägt das Bild der Stadt. Dicht beieinander liegen Kirchen, eine Synagoge, die Zentrale Moschee, der kleine hinduistische Tempel. Und so begegnet man in den Straßen mit ihren Teestuben, kleinen Läden und Geschäften mit internationalem Angebot  Frauen mit Minirock und Stilettos, verschleiert oder in arabischen Gewändern – und Männern mit Turban oder in der traditionellen Dschelleba. Im Mercado Central vereinen sich Magie und Zauber eines afrikanischen Basars mit den Vorteilen eines großstädtischen Marktes. Und in der Luft schwebt der Duft von Gewürzen, Sandelholz und Weihrauch.

Lebendiger Mittelpunkt der Stadt ist der kreisrunde Plaza de Espana mit dem Palacio de la Asamblea, in dem heute das Parlament seinen Sitz hat. Eine grüne Oase ist der weitläufige und kunstvoll angelegte Park Hemandez, der mit seinem Palmenboulevard, exotischen Pflanzen, Springbrunnen und Bänken zum genießen und verweilen einlädt. Doch das Schönste in der Stadt sind ihre herrlichen Gebäude im Art-Deco-Stil.Jugendstil-Fassade La Reconquista Foto: Christel Seiffert

Mehr als neunhundert sollen es sein. Sie haben Melillas Ruf begründet, die nach Barcelona zweitwichtigste Stadt des Jugendstils in Spanien zu sein. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden diese prestigeträchtigen Häuser, Paläste und offiziellen Gebäude, deren Fassaden mit floralen Schmuckelementen, Frauenköpfen und Tiersilhouetten verziert sind. Beim schlendern durch die Straßen wird der Blick immer wieder gefangen von den ganz unterschiedlichen Fassaden, die frisch restauriert in pastelligem Glanz erstrahlen. Viele der herrschaftlichen Häuser wurden von dem bekannten Enrique Nieto, einem Schüler Gaudis, entworfen, der später von 1931-1941 Stadtarchitekt in Melilla war.  Auch das prächtige Gebäude des ehemaligen Warenhauses La Reconquista an der Ecke der Avenida Juan Carlos, stammt von ihm. Davor steht die Skulptur eines Mannes mit Zeichenblock und Papierrolle, die an Enrique Nieto erinnern soll.

Palmenboulevard am Hafen  Foto: Christel Seiffert

Entlang der Küste erstreckt sich die Neustadt mit mehrspurigen Straßen, modernen Wohnkomplexen, Stierkampfarena und Sportpalast. An dem zwei Kilometer langen feinsandigen Strand ist viel Platz für Sonnenhungrige und es gibt Angebote für Wassersportler jeder Art. Doch Melilla hat auch eine andere Seite, die dem Gast auf den ersten Blick meist verborgen bleibt. Mit einem zwölf Kilometer langen und sieben Meter hohen Dreifachzaun schützt sich die kleine Enklave in Marokko vor illegalen Einwanderern. Dennoch gelingt es Flüchtlingen immer wieder, das abschreckende Bollwerk zu überwinden – das Aufnahmelager ist überfüllt.  

Christel Seiffert  

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