Thailand: Im Land des Lächelns

Fotograf: Bernd Siegmund

Der Mahout, der Elefantenführer, legt sanft die Handflächen aneinander, verbeugt sich tief und sagt: „Sawasdee khrap“ – „Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.“ Sein Gesicht lächelt dabei mit der Strahlekraft von tausend Sonnen. Und hinterlässt den ersten tiefen Eindruck von Thailand. Der zweite geht auf das Konto von Mutter Natur. Die Grundfarbe Grün gibt es hier in den Varianten Reisfeld, Teeplantage, Monsunwald, Palmen, Kautschukbaum, Tropenwald und Rasen. Eingesprenkelt darin sind Farbkleckse aus üppigen Bougainvilleen, Jasmin, Lotosblüten und Orchideen. Thailand ist ein Paradies! Passend dazu warnt der Freund der Elefanten: „Vorsicht Schlangen.“
„Von den zahlreichen Arten in Thailand sind aber nur die Kobra und die Kettenviper giftig“, setzte er hinzu. Beruhigend. Ebenso wie die rauschende Brandung der Andamanensee, eines Randmeeres des Indischen Ozeans. Langsam stellt sich Urlaubsgefühl ein. Man genießt den Strand und die Palmen. Khao Lak ist keine Ortschaft, Khao Lak ist ein kilometerlanges Urlauber-„Freigehege“ mit feinen Sandstränden, Hotelanlagen und Restaurants. Hauptort der Region ist Takua Pa, ein kleines Städtchen von 20 000 Einwohnern. Links und rechts der Nationalstraße 4 werben Souvenirläden und Massagesalons um Touristen, ein Zahnarzt bietet seine Dienste an, die Apotheke preist Viagra in höchsten Tönen.

Fotograf: Bernd SiegmundAlle paar Meter verbreiten Straßenküchen ihren verführerischen Duft. Niemand muss an der Nationalstraße 4 hungern. Für wenige Baht gibt es wunderbare Suppen, gebratene, frittierte oder gegrillte Fleisch- und Fischspeisen, Reis- und Nudelgerichte, Früchte, einladend und frisch. Keine Küche auf Erden ist dem Landesklima so perfekt angepasst wie die thailändische. Gewürze wie Chili, Ingwer, Kardamon bringen den Puls auf Trab. Zitronengras und Limonen bekämpfen jeden Ärger in punkto Kreislauf, pflanzliche Fette sorgen für einen ungetrübten Cholesterinspiegel. Serviert werden die Speisen mit einem Lächeln. Welches aus dem vielfältigen Repertoire es ist, weiß man nicht. Den Thailändern stehen angeblich bis zu 700 Arten zur Verfügung. Jedes Lächeln hat seinen eigenen Namen. Om-Jim zum Beispiel steht für „leicht amüsiert“. Die Thailänder verteidigen, freuen und entschuldigen sich mit Lächeln, sind verblüfft, traurig oder beschämt. Sie können Mauern damit aufrichten und Seelenfestungen erobern.

Fotograf: Bernd Siegmund

Nur wenige Kilometer hinter Takua Pa beginnt der immergrüne Nationalpark Khao Sok. 1980 gegründet, gehört er zu den schönsten der 63 Reservate im Königreich Thailand. Im Zentrum des 739 km² großen Mikrokosmos liegt der mit geschätzten 160 Millionen Jahren älteste Regenwald der Erde. Die Artenvielfalt hier ist beeindruckend. Gut 200 verschiedene Pflanzen wachsen pro Hektar. Riesige Schmetterlinge, Nashornvögel, Libellen, Echsen und Schlangen bevölkern das Paradies. 311 Vogel-, 38 Fledermaus- und 48 Säugetierarten wurden gezählt. Darunter Tiger, Leoparden, Makaken, wilde Elefanten und der gefährdete Malaienbär. Eine währe Attraktion ist der Rachabrapha-Staudamm. Mit seinem Bau 1982 entstand eines der schönsten Gewässer Thailands, der Chiew-Lan-See. Gigantische, bis zu 1000 Meter hohe Kalksteinfelsen wachsen aus ihm empor. Manche kahl, andere bewachsen. Die Bäume sprießen direkt aus dem Felsgestein, holen sich ihre Nahrung aus Kalksteinritzen oder tunken die Wurzeln in den See. Eine Bootstour auf dem 165 km² großem Gewässer unternimmt man gewöhnlich mit dem Longtail, dem laut knatternden „Langschwanzboot“. Die bunten Bänder am Bug sind übrigens der Schutzgöttin des Bootes gewidmet. Ein Tourist sollte das wissen, und sich nicht nach vorn ins Boot setzen. Tut er das doch, kann er eine weitere Variante aus dem Lächel-Repertoire Thailands erleben, lächelnde Missbilligung.

Fotograf: Bernd Siegmund

Im Nationalpark liegt auch das „Elephant Hills Camp“, eine Sozialstation für Elefanten. Als 1989 die Rodung der Wälder in Thailand verboten wurde, verloren nicht nur die Mahouts, sondern auch die als Arbeitstiere eingesetzten Dickhäuter ihre Existenzgrundlage. Fortan sah man die stolzen Riesen, einst Wappentier des alten Königreichs Siam, bettelnd durch die Städte ziehen, mit dem Rüssel Bilder malen oder Urlauber massieren Was für ein trauriges Schicksal… Fand auch Jonathan Chell, der Marketingmanager des „Elephant Hills Camp“. „Die etwa 2000 arbeitslosen Elefanten wieder in die Freiheit zu entlassen, geht nicht, da es kaum noch Gebiete gibt, in die sie sich zurückziehen können. Deshalb bieten wir den Tieren eine möglichst artgerechte Haltung. Außerdem wollen wir unsere Gäste für dieses Thema sensibilisieren, bei ihnen das Bewusstsein für diese traurige Problematik wecken.“ Und wie macht man das am besten? „Indem man den Elefanten nahe kommt“, sagt Chell, „den sanften Riesen das Essen zubereitet, sie füttert, abschrubbt und duscht.“

Fotograf: Bernd Siegmund

Es ist nicht bewiesen, das im Land des Lächelns auch die Elefanten lächeln können. Auf jeden Fall fühlen sie sich im „Elephant Hills Camp“ wohl. Das sieht man ihnen an.

Bernd Siegmund

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