Schweiz: Beim Kaiser vom Bodensee

Thurgau Tourismus,  Ermatingen am Untersee

„Echt Schweiz – ganz ohne Berge“ ist das Motto des Kantons Thurgau am Ufer des Bodensees. In dieser uralten Kulturlandschaft haben seit Jahrhunderten Mönche ihre Klöster gebaut, Könige sich Residenzen und Künstler ihre Ateliers errichtet.

Die Landschaft ist licht und hübsch…Sie sollten einmal kommen“, schrieb Hermann Hesse, der viele Jahre in Gaienhofen auf der deutschen Seite am Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, lebte. Eine Empfehlung, die ebenso für den Kanton Thurgau gilt. Die liebliche Landschaft mit malerischen Dörfern und Schlössern, mit Obstplantagen und  Weinbergen hat einen eigenen Zauber.

Auf einer Landzunge gegenüber der Insel Reichenau liegt Ermatingen am Ufer des Untersee. Dass der beliebte Ferienort über Jahrhunderte ein Fischerdorf war, daran erinnern die sechzig Jahre alten und elf Meter langen Fischerkähne an der Uferpromenade. Heute fahren nur noch sieben Berufsfischer zum Netzfischen auf den See. Felchen, Egli oder Hecht und Seeforelle kann man dennoch in einem der zahlreichen Restaurants genießen – so im Fischerlokal „Seegarten“ oder dem mehr als 500 Jahre alten Hotel Adler. Ch. Seiffert, Hotel AdlerDas prachtvolle Fachwerkhaus mit einem bunten Freskenband, das1926 von einem spanischen Maler gemalt wurde, gilt als ältestes Restaurant der Schweiz. Im Gästebuch sind Namen vieler Prominenter zu finden – so Königin Hortense, die Schriftsteller Dumas und Hesse, Graf Zeppelin. Beim Bummel durch die schmalen Gassen bezaubern immer wieder die schönen Fachwerkhäuser, die Behäbigkeit oder Gemütlichkeit ausstrahlen. Manch idyllischer Winkel ist zu entdecken und über die kleinen Gärten am Ufer geht der Blick auf den See, auf dem unzählige weiße Segel in der Sonne blinken.

Bekannt geworden ist Ermatingen besonders durch den nahen Arenenberg, auf dem sich ein kleines Stück Weltgeschichte ereignete. Seit dem Mittelalter war der Arenenberg einer der begehrtesten Landsitze am Bodensee. Es war das Frühjahr 1816, als Königin Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I., nach ihrer Flucht aus Frankreich dieses bezaubernde Fleckchen Erde kennen lernte und beschloss, hier ihren kleinen Exil-Hofstaat zu errichten. Durch den Umbau der alten Schlossanlage entstand eine „Insel“ französischer Kultur am Bodensee. Nach dem Vorbild der berühmten Pariser Salons ihrer Mutter, der Kaiserin Josephine, gelang es ihr, auf dem Arenenberg ein internationales gesellschaftliches Leben im sonst so provinziellen Bodenseegebiet zu etablieren. Bedeutende Wissenschaftler, Politiker, Künstler wie List und Schriftsteller wie Chateaubriand, Duma und Delavigne waren hier zu Gast.

Thurgau Tourismus, Napoleonmuseum

 Rund um das Schloss ließ die botanisch interessierte Königin einen für damalige Verhältnisse spektakulären Park nach den wichtigsten Elementen zeitgenössischer Gartenbaukunst anlegen. Nach seinem Vorbild entstanden entlang des Bodensees bis nach Schaffhausen zahlreiche herrschaftliche Parkanlagen, die als „Cote Napoleon“, die napoleonische Küste bezeichnet wurden. In diesem Umfeld erlebte der junge Prinz Louis Napoleon und spätere Kaiser Napoleon III. einen Teil seiner Kindheit und Jugend. Später kehrte der letzte Monarch Frankreichs mit seiner Frau Eugenie hierher zurück, bevor er 1873 im Exil in England starb. Bis 1906 war der Arenenberg im Besitz der Bonapartes, dann schenkte Kaiserin Eugenie Schloss und Park dem Kanton Thurgau.

Als Napoleonmuseum lockt das schönste Schloss am Bodensee nun Besucher aus aller Welt an. Seinen französischen Charme hat das Ensemble bis heute bewahrt. Mehr als dreißig Räume können besichtigt werden. Und so flanieren die Gäste in Filzpantoffeln durch den Wintergarten und die Salons, das Boudoir und Schlafzimmer der Königin Hortense, bewundern die wertvollen Bücher in der Bibliothek und die mit edlem Porzellan gedeckte Tafel im Speisesaal, können am Schreibtisch des Kaisers Platz nehmen und vom prächtigen Salon der Kaiserin Eugenie die Aussicht auf den See genießen. Erst vor einigen Jahren entdeckt und frisch restauriert präsentiert sich das Kaiserbad im Prinzenflügel. Krönender Abschluss des Museumsbesuchs ist ein Spaziergang durch den Park mit seinen Fontänen, Grotten, dem Nymphäum und Wasserfällen. Immer wieder bezaubert der traumhafte Blick auf den See und die Insel Reichenau. Obwohl nur 12 Hektar groß, gehört der Park durch seine einzigartige Lage und Schönheit zu den bedeutenden europäischen Landschaftparks.

Christel Seiffert

 

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