Österreich: Wenn es Nacht wird auf der Gerlitzen und am Dobratsch

Kanzelbahn zur Gerlitzen

Im Süden Österreichs kann man nicht nur am Tag im Schnee viel erleben und Spaß haben. Auch nachts hält die Region rund um Villach, im Dreiländereck zu Slowenien und Italien jede Menge Schneevergnügen parat.
Die Nacht senkt sich über Kärnten und das Städtchen Villach am Zusammenfluss von  Drau und Gail. Doch nicht das Nachtleben des Ortes interessiert, sondern ein ganz anderes Spektakel: Schneeschuhwandern in der Vollmondnacht. Ziel ist der Zehnernock,   der 1900 Meter hohe kleinere Bruder des Dobratsch (2166). „Guter Berg heißt das übersetzt“, erzählt Rangerin Irene. „Weil er das schlechte Wetter oben behält.“ Aber so richtig gut meinen es Berg und Wetter mit den Wanderern an diesem Abend nicht.

Gehversuche mit den Schneeschuhen

Die Schneeschuhe sind angezogen und die ersten Gehversuche führen noch zaghaft in die weiße Pracht. Schnell hat man sich das platte Plastik unter den Sohlen gewöhnt und es kann losgehen. Doch schon nach wenigen Metern wird klar: Gemütlich wird der Marsch nicht. Der Wind bläst in Böen über die Kuppe und peitscht nadelspitze Eiskristalle ins Gesicht. Immer wieder müssen die Wanderer stehen bleiben. Die Spuren der Vorderleute sind bereits vom Winde verweht. Wo bleibt eigentlich der ersehnte Vollmond? Der  macht sich rar, versteckt sich hinter Wolken und der nächsten Bergkuppe und erhellt nur kurz den Weg.  Für das nötige Licht müssen also Stirnlampen herhalten.  Während die Schneeschuhwanderer ob der unwirtlichen Bedingungen bald den Rückzug antreten, kämpfen sich einige Tourengänger und auch Rodler weiter durch das eisige Dunkel. Ihr Ziel ist die Hütte am Zehnernock.

Seufert, gerlitzen

Doch mit der Kapitulation am Berg können die Schneeschuhwanderer leben. Wangen und Finger bitzeln beim Auftauen in der urigen Rosstratte-Hütte. Eis verklebt die Haare und manch einer fischt sogar einen Schneeball aus der offenen Jackentasche, den der  Wind dort Flocke für Flocke hineingetrieben hat.  Jetzt eine zünftige Stärkung mit Kärntner Spezialitäten wie Kasnudeln, Ritschert und Hausgeselchtem – und zum Abschluss einen Zirbenschnaps.  Alles Produkte vom Hof der Wirtsleute Riedel.

Bei Bären und Schneehühnern 

Die Hütte liegt am Ende der Villacher Alpenstraße,  mitten im Naturpark Dobratsch.  Vor elf Jahren gegründet, ist der erste Naturpark Kärntens ein Anziehungspunkt für große und kleine Besucher. Damals wurden die Skilifte abgebaut, nach Russland verkauft und der Park installiert. Denn der Karstberg ist löchrig wie ein Käse – allein 200 entdeckte Höhlen durchziehen den Karststock.   Seen zum Bescheien der Pisten konnte man daher nicht anlegen. Also hat man aus der Not eine Tugend gemacht und den Berg wieder seinen Bewohnern überlassen. Ein attraktives Familienausflugsziel ist entstanden.  Und sogar  Bären und Schneehühner fühlen sich hier wohl. Ein Geologielehrpfad weist  auf die Geschichte des Berges, seine Besonderheiten und den Bergrutscht im 14. Jahrhundert hin.  Und im nahegelegenen Bad Bleiberg lockt ein Stollenwanderweg über die Historie des Bergbaus.
Das Wasser, das der Berg nicht hält, kommt übrigens bei Villach wieder an die Oberfläche. Und das nicht als kühler Gebirgsbach, sondern in einer 29 Grad Celsius warmen Quelle. Im Thermenresort und in medizinischen Therapiereinrichtungen des Villacher Ortsteils Warmbad werden diese Quellen seit langem genutzt.  Das Thermalwasser wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend.  Im  Urquellbecken des Kurzentrums,  mit einem Boden aus groben Kieseln, kann man entspannt spazieren. Der Inhalt des Beckens erneuert sich übrigens rund alle drei Stunden.

Erste Sprünge von der Schanze

Bei Starkregen tritt das Thermalwasser auch im Maibachl, direkt am Kurpark zutage – vornehmlich natürlich im Mai bei der Schneeschmelze. Türkisblau  und angenehm warm ist die Quelle, in der nicht nur die Einheimischen gerne umsonst und draußen ein Bad nehmen.Natürlich kann man in der Region mit Alpen und Karawanken im Rücken auch perfekt Langlaufen und Skifahren. Im nordischen Zentrum von Villach dürfen selbst Anfänger unter den geübten Augen der Trainer die ersten Sprünge von der Schanze wagen. Weniger Mutige ziehen im Stadion und auf der fünf Kilometer langen Strecke ihre Runden in der Langlaufloipe. Damit das so richtig klappt, gibt es für die Neulinge professionelle Unterstützung. Trainer Jürgen Pinter, der in der österreichischen Nationalmannschaft auch an Weltmeisterschaften teilgenommen hat, ist geduldig  mit seinen Schützlingen, erklärt und gibt wertvolle Tipps.

Schneeschuhwandern an Dobratsch
Die Skifahrer zieht es ins Skizentrum Gerlitzen, dem der Ossiacher See zu Füßen liegt. Für Familien, Anfänger  und Wiedereinsteiger genau das Richtige. Und das hat man sich vor Jahren schon von der österreichischen Wirtschaftskammer zertifizieren lassen. Besonders breite Pisten auf  zehn Übungs-Kilometern machen es großen und kleinen  Ungeübten rund um die Kanzelhöhe auf 1500 Metern leicht, den richtigen Schwung zu lernen.

Bergab beim Vollmondrodeln


Am Abend wartet dort das nächste Vergnügen: Mit dem Pistenbully geht’s Richtung Gerlitzen Gipfel. Hotelchef Franz Pacheiner  hat einen Bully zum Kabinenfahrzeug umgebaut und organisiert die besondere Anfahrt ins frisch umgebaute Gipfelhotel.

K1024_k_bullyMit 300 PS unter der Haube walzt das Schneegefährt  die weiße Pracht platt. Oben angekommen, stehen schon die Rodel bereit. Und mit  schnellen Kufen geht es  auf der zwei Kilometer langen Piste wieder hinunter. Eine Riesengaudi, bei der sich die Erwachsenen wieder ganz jung fühlen dürfen.  Für die „Taxifahrt“ zurück zum Gipfelhotel steht der Bully schon bereit, an den die Schlitten kurzerhand festgemacht werden. 

Seufert. RodelnBeleuchtung auf der Rodelbahn? Fehlanzeige. Beim Vollmondrodeln sollte man auf den Mond vertrauen  – wenn er sich nicht gerade wieder hinter Wolken verbirgt. Das ist nicht nur auf dem Schlitten unpraktisch, sondern auch beim Blick in fremde Galaxien. Denn auf der Gerlitzen steht Österreichs erstes Hotel mit eigener Sternwarte.  „Unter professioneller Leitung erhalten Gäste interessante Ausblicke in die tiefe Welt des Sternenhimmels“, strahlt Franz Pacheiner, nachdem er den Gästen aus dem Bully geholfen hat.
Der Wohlfühlaspekt steht nicht nur beim Sport, sondern auch bei der Entspannung an erster Stelle. Schwitzen muss man in Kärnten nicht nur beim  Schneevergnügen. Das geht auch prima in der Kärnten Therme, die im Sommer 2012 in modernem Stil, dem Hausberg Dobratsch nachempfunden, zusammen mit dem Thermenhotel Karawankenhof errichtet worden ist.  Auf verschiedenen Ebenen gibt es hier Badevergnügen pur. Neben einem Spaßbad mit 1140 Quadratmetern Wasserfläche,  gleich drei Rutschen und einem Crazy River, in dem man auf Gummireifen durch den Kanal katapultiert wird, sorgt ein freitragendes Schwimmbad bei den sportlich Ambitionierten für Adrenalinkicks. Mehrere Saunen, darunter ein großzügiger Damen-Bereich, bringen den Körper zum Schwitzen, oder auch ein türkisches Hamam.  Perfekt für den Ausklang des Schneetages rund um Dobratsch und Gerlitzen.

Diana Seufert

 

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