Bayern: Auf den Spuren der Blauen Reiter

Fesselballon über Murnau

Berge und Seen, Seen und Berge: Zwischen München und Murnau bieten sie ein abwechslungsreiches Schauspiel. Wie ein blaues Band ziehen sich die Seen malerisch durch die Landschaft. Was jede Künstlerseele inspiriert, erfreut auch den Gast – egal ob beim Innehalten, Wandern oder Radeln.
Blau ist die Farbe, die in diesem Jahr in München, Oberbayern und im Starnberger Fünf-Seen-Land dominiert. Unter dem Motto „Blaues Jahr 2011“ wird des 125. Todestages König Ludwigs II. gedacht – und der Geburtsstunde der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ vor 100 Jahren. Zahlreiche touristische Angebote laden zu Exkursionen auf den Spuren des bayerischen Königs und der legendären Expressionisten ein. Gebündelt werden die Offerten in zwei themenbezogenen „Blauen Boxen“. Sie sind mit verschiedensten Tipps sowie Gutscheinen und wahlweise mit Hotel-Voucher versehen (45 bis 339 Euro). Kleines Beispiel: Gutscheine aus der „BlauerReiterBox“ sind etwa im Café Luitpold bei einem Malergedeck einzulösen oder aber bei einer Altstadtführung.
 

Kandinsky in Schwabing

Für alle Fans des Expressionismus ist vor allem aber die Schwabing-Führung zu empfehlen. Der Russe Wassily Kandinsky gründete in diesem Künstlerviertel seine Malschule. Er und Franz Marc stehen für den Almanach „Blauer Reiter“. Gemeinsam mit sympathisierenden Künstlern bahnten sie dem Expressionismus in Deutschland den Weg. Ihre farbenstarken Werke sind nicht nur bei speziellen Führungen anlässlich des „Blauen Jahres“ in der Münchner Pinakothek der Moderne (www.pinakothek.de) zu sehen. Im Kunstbau Lenbachhaus wird es am 24. Oktober szenische Lesungen zum 100-jährigen Jubiläum der historischen Redaktionssitzung für den Almanach „Der Blaue Reiter“ geben. Das Münchner Lenbachhaus beherbergt eine einzigartige Sammlung von „Blauer Reiter“-Werken. Nach der Generalsanierung sind sie 2013 dort in voller Schönheit wieder zu sehen (www.lenbachhaus.de).

Das Russenhaus in Murnau

Die expressionistischen Sammlungen der bayerischen Landeshauptstadt werden durch die „MuSeen Landschaft Expressionismus“ hervorragend ergänzt. Drei Top-Adressen für Kunstliebhaber widmen sich dem Expressionismus: das am Starnberger See gelegene Buchheim Museum, was auch Werke der Dresdner Künstlergemeinschaft „Brücke“ beherbergt (www.buchheimmuseum.de); das privat geführte Franz Marc Museum in Kochel am See und das Schlossmuseum in Murnau am Staffelsee.
Wer auf dem Landweg genussvoll von München nach Murnau reist, kann erspüren, was die Künstler des „Blauen Reiters“ entflammte: die dunkle Wucht der Berge, der Farbwechsel in den Seen von Strahlendblau bis Smaragdgrün. Die satten Variationen von Braun. In dieser Idylle versuchten sich einst die Maler Gabriele Münter und Wassily Kandinsky einzurichten, fernab der damals dominierenden wilhelminischen Werte. Sie bezogen 1909 in Murnau das „Münter-Haus“, auch „Russenhaus“ genannt. Ihre Liebe lebten sie im gesunden Landleben, ihre Gefühle drückten sie in zahlreichen Arbeiten in und um Murnau aus. Münterhaus in Murnau
Farbe und Gegenstände hatten für Kandinsky einen „seelischen Klang“. Wer das verstehen möchte, sollte sich den Führungen von Fritz-Walter Schmidt anschließen. Mit Herzblut stellte der ehemalige Leiter des Tourismusbüros Murnau gemeinsam mit Joachim F. Giessler ein Buch „auf den Spuren des Blauen Reiters“ zusammen. Der heutige Pensionär und Liebhaber des Expressionismus führt mit profunden Erläuterungen und vielen kleinen Geschichten zu Originalschauplätzen in Murnau, Ried, Kochel am See und Sindelsdorf.

Lieblingsfarbe Blau 

Während das uneheliche Paar Münter und Kandinsky im Murnauer Russenhaus wohnte und dort die Redaktion für den „Blauen Reiter“ betrieb, lebte Franz Marc mit seiner Frau Maria im unweit entfernten Sindelsdorf. In seinem noch heute erhaltenen, kleinen Gartenhäuschen trafen sich namhafte Größen wie August Macke, Else Lasker-Schüler, Arnold Schönberg und Paul Klee. Zum künstlerischen Reigen des „Blauen Reiters“ gehörten ebenso Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und Heinrich Campendonk. Vor allem aber Kandinsky und Marc waren sich in Sachen Kunst und Reflektion sehr verbunden. Den Namen „Der Blaue Reiter“ sollen sie laut Überlieferung am Kaffeetisch im Gartenhäuschen kreiert haben. Beide liebten die Farbe Blau.

Kathrin Fiedler

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