Spanien: Menorca, die herbe Schöne

Menorca, die kleine Schwester von Mallorca fasziniert mit immergrüner Vegetation, breiten Sandstränden und Traumbuchten – und ist trotzdem nie überlaufen.

Es ist fast wie in Rio, sagt Jutta Vaupel mit einem Augenzwinkern. Zwar ragt der Monte Toro nur unspektakuläre 358 Meter in den Himmel, aber wie in der Brasilianischen Metropole breitet auch hier eine große Christusstatue schützend ihre Arme aus. Weit geht der Blick über die von dichtem Grün bewachsene Insel, über weiße Dörfer und Buchten, über Steilküsten an denen die Brandung glitzernde Streifen zaubert. Für Jutta Vaupel war es Liebe auf den ersten Blick, als sie vor zwanzig Jahren das erste Mal nach Menorca kam. Viele Jahre war sie als Mitarbeiterin eines großen Touristikunternehmens durch die Welt gereist. Doch die landschaftliche Vielfalt der Insel, die seit 1993 UNESCO- Biosphärenreservat ist,  faszinierte sie. Und so blieb sie. Die Insel ist ein kleiner verborgener Schatz, schwärmt die temperamentvolle Frau. Mit Begeisterung und viel Sachkenntnis führt sie nun bei Wander-, Natur- und Kulturreisen -Gäste von Wikinger Reisen  über die Insel.

Verglichen mit ihrer großen Schwester ist Menorca überschaubar: 50 Kilometer lang, 20 Kilometer breit,  flach und ruhig. Eine Mosaiklandschaft aus sanft gewellten Hügeln, gelbbraunen Ackerflächen und saftigen Wiesen auf denen rotbraune Kühe weiden, mit Steineichen- und knorrigen Pinienwäldern, mit einsamen Tälern und Trockensteinmauern, die seit Jahrhunderten das Land wie ein Spinnennetz überziehen. Mehr als 20.000 Kilometer sollen es sein, weiß Jutta. Ein großer katalanischer Schriftsteller habe einmal gesagt, wer ein Land kennen lernen möchte, müsse dies zu Fuß tun. Deshalb wandert sie mit den Gästen besonders gern auf den Spuren des Cami de Cavallas, dem sogenannten „Pferdeweg“. Dieser historische Küstenweg, der die ganze Insel umrundet, ist seit 2010 wieder voll begehbar. Ein Traumpfad für Wanderer, der an der wilden Nordküste zum Cap de Cavalleria führt. Neunzig Meter hohe Felswände stürzen hier senkrecht ins Meer, tief unten tost die Brandung gegen die Klippen und die kleinen vorgelagerten Inselchen. An stürmischen Tagen, wenn der Tramontana über das Land fegt und das Meer zu gewaltigen Wellen aufpeitscht, beugen sich auch Bäume und Mastixsträucher der Naturgewalt dieses Nordwindes, erzählt die Reiseleiterin. Nicht von ungefähr werde Menorca auch Insel des Windes genannt, der in zahlreichen Liedern besungen wird. An ruhigen Tagen finden Wanderer hier eine ursprüngliche Landschaft mit weiten Buchten und breiten, menschenleeren Sandstränden, die zum Baden einladen.

Lieblich präsentiert sich die Inselküste  im Süden. Mit kleinen, versteckten Buchten, zu denen schmale Wege durch Kiefernwälder führen. Zwei der Schönsten sind Cala Galdana und Cala Macarella, zu denen auch eine Wanderung auf dem  Cami de Cavallas führt: puderzucker feiner Sandstrand, türkisfarbenes Wasser, auf dem sich weiße Segelboots sacht wiegen. Und das Ganz eingerahmt von steilen, mit üppigem Grün bewachsenen Felshängen. Traumbuchten – und eine Oase der Stille. Nur eine Hauptstraße führt von der Inselhauptstadt Mahon westwärts nach Ciutadella, deren Altstadt als eine der schönsten Spaniens gepriesen wird. Adelspaläste und herrschaftliche Stadthäuser umgeben die Placa des Bors, einem beliebten Treffpunkt der Menorkiner mit Blick auf den romantischen Hafen. Den größten Hafen des Mittelmeeres zu haben, darf sich Mahon, das auf katalonisch Mao heißt, rühmen. Jutta empfiehlt die ausgedehnte Hafenrundfahrt, bei der die Geschichte und Geschichten der Insel lebendig werden. Beim gemeinsamen Bummel durch das historische Zentrum und das malerische Hafenviertel mit seinen kleinen, dicht an den Fels gebauten Häusern, den zahlreichen Restaurants, Cafes und Musikkneipen erinnert vieles an die Zeit der englischen Besatzung in 18. Jahrhundert. Bei Urlaubern besonders beliebt ist Fornells an der Nordküste . Das einstige Fischerdorf hat sich zu einem bezaubernden Ferienort gemausert, der auch gern von spanischen Adelsfamilien besucht wird, weiß die Reiseleiterin. Vor den Tamontana-Winden geschützt liegt es an der breiten Bucht von Fornells. Ein Hauch von mediterranem Flair scheint durch die schmalen Gassen mit ihren schneeweißen Häusern und kleinen Geschäften zu schweben. Am palmengeschmückten Boulevard locken zahlreiche Restaurants, in denen auch die Calderata de Langusta,  eine berühmte Spezialität Menorcas, angeboten wird.

Unweit von Fornells erstreckt sich im Herzen des Reservats der Naturpark Albufera des Grau. Ein Anziehungspunkt für Wanderer, Naturfreunde und Vogelkundler, das wichtigste Feuchtgebiet Menorcas mit Wiesen, Seen und Sumpfgebieten, mit Kieferwäldern, wilden Olivenhainen und einer 70 Hektar großen Lagune. An ausgeschilderten Wanderwegen informieren Schautafeln über Flora und Fauna. Besonders reizvoll sei ein Spaziergang am späten Nachmittag und beim Sonnenuntergang, empfiehlt Jutta Vaupel. Den spektakulärsten Sundown könne man jedoch an der Cova dén Xoroi südlich von Alaicor erleben. Die Natursteinhöhle in den Steilklippen hoch über dem Meer ist tagsüber Bar, abends Restaurant und nachts Disko. Doch es sei atemberaubend, auf der Terrasse zu erleben wenn der rotglühende Sonnenball ins Meer eintaucht.

Christel Seiffert

 

 

 

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