Spanien: Gran Canarias versteinerter Sturm

Wandern auf Gran Canaria

Wer das nicht sieht und erlebt, versäumt etwas ganz Eindrucksvolles, versichert Guillermo Morales Mateos. Die meisten Gäste kommen zu uns, um Sonne, Strand und Meer zu genießen, bedauert er. Dabei habe das Inselzentrum im Norden eine unvergleichlich faszinierende Gebirgslandschaft zu bieten. Ein Paradies für Aktive, weiß der Wanderleiter, der bei Trekking, Mountainbike-Touren und Kulturexkursionen zu den schönsten Stellen führt.

Im schönsten Dorf Spaniens

Als „versteinerter Sturm“, Berge wie aus Hagel, Blitz und Donner geformt – so hat der Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno diese Landschaft beschrieben. Und mittendrin Tejeda, ein typisch kanarisches Dorf, das sich mit der Auszeichnung als schönstes Dorf Spaniens schmücken darf. Malerisch über 1000 Meter hoch gelegen, mit terrassenförmig emporwachsenden Häusern und verwinkelten Gassen ist es eingerahmt von einem Meer aus Mandelbäumen. Wenn diese im Februar in voller Blüte stehen, sieht es aus, als sei Tejeda in Schnee getaucht. Alljährlich wird dort das Mandelblütenfest, eines der wichtigsten Feste der Insel, begangen. Dann ist das ganze Dorf auf den Beinen und mit Besuchern aus aller Welt wird bei Musik und Tanz gefeiert und in Mandelgebäck, Marzipan und Mandelsirup geschwelgt. Wer dann noch Muße hat, kann sich in einem der beiden liebevoll gestalteten Museen informieren, die dieser besonderen Frucht gewidmet sind.

Hochebenen, Pinienwälder und Schluchten

Mehr als fünfhundert Meter oberhalb Tejedas steht das Cruz de Tejeda. Das große Steinkreuz ist das geografische Zentrum der Insel, an dem die meisten der alten Inselwege aufeinander treffen. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Parador. Die ehemalige Herberge „Hosteria de Cruz de Tejeda“ wurde zu einem modernen Hotel in typisch kanarischem Stil umgebaut. Das sollten wir uns ansehen, empfiehlt Guillermo, und im Bistro oder Büffetrestaurant vielleicht den Puchero canaria – einen schmackhaften Eintopf mit Fleisch, Wurst und Kichererbsen – oder das typische Kartoffelgericht Papas arrugas probieren und von der großen Terrasse den überwältigenden Blick in die Caldera de Tejeda genießen. Doch der Guide mahnt zum Aufbruch. Also werden die Wanderstiefel geschnürt, denn die grandiose Berglandschaft mit Hochebenen und tiefen Schluchten wartet auf uns. Durch Pinienwälder, bei denen der Fuß weich auf einem Bett aus Kiefernadeln läuft, geht es auf markierten Wanderwegen bergauf. In kräftigem Gelb leuchtet der Ginster, weißer Salbei, Zistrosen, Strauchmargeriten und Disteln wachsen am Wegesrand. Und immer wieder fasziniert der weite Blick über die spektakuläre Felslandschaft, tief unten ist das weiße Häusermeer von Las Palmas zu sehen und über dem Wolkendunst grüßt weit aus der Ferne die Spitze des Teide.

Die Wahrzeichen der Insel

Wie gewaltige Finger aus Stein ragen der Roque Nublo, das Wahrzeichen und der höchste Berg der Insel, und der Roque Bentayga ins wolkenlose Blau des Himmels. Für die Ureinwohner waren die beiden Felsen heilige Orte, an deren Fuß sie Altäre errichteten, weiß Mateos. Spuren der Altcanaria seien auch in zahlreichen Felshöhlen erhalten, die als religiöse Statten oder Wohnungen dienten. Durch einen schmalen Pfad am Rand eines Abgrunds erreichen wir eine dieser Höhlen, die als historischer Ort zum Schutz mit einem Eisengitter verschlossen ist. Doch Guillermo hat den Schlüssel und so können wir hinein und die kaum sichtbaren Spuren von Felsmalereien bewundern. Der Legende nach sollen hier drei unverheiratete Schwestern gelebt haben, die sich der Hexerei verschrieben hatten. Mit der etwas tiefer stehenden Sonne schimmert der Roque Nublo, der „Wolkenfelsen“ wie die Canarier ihn nennen, jetzt fast lilafarben. Vor allem in der Abenddämmerung sei der Anblick dieses Naturwunders ergreifend, weiß unser Guide. Mit seinem vor zwei Jahren gegründeten Unternehmen Nortetrek begleiten er und sein Team aktive Gäste auch in deutscher und englischer Sprache. Zu seinem Programm gehören neben Führungen auf der archäologischen Route auch solche auf der Wein- und Kaffeetour. Ein Highlight und gern gebucht sind die Wanderungen bei Sonnenuntergang. Der Rückweg unter einem Himmel voller Sternen gehört zu den unvergesslichsten Erlebnissen.

Christel Seiffert

Info

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Tel. 030/882 65 43; Fax 882 66 61

www.nortetrekgrancanaria.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *