Reisen mit Vorerkrankungen

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Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 15. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB Berlin 2014

Von der Mitnahme der Medikamente bis zum Versicherungsschutz: Was chronisch Kranke auf Reisen beachten sollten

Wie kann ich mich wappnen, falls im Urlaub eine Verschlechterung meiner chronischen Erkrankung eintritt? Komme ich mit den benötigten Medikamenten problemlos durch den Zoll? Und was sollte beim Versicherungsschutz beachtet werden? – Menschen, die an einer chronischen Erkrankung leiden – sei es eine Herz-Kreislaufkrankheit, ein Lungenleiden, Immunschwäche oder Diabetes – müssen Reisen sehr viel gründlicher planen und organisieren als Gesunde.

Ärztliche Beratung und Impfschutz für chronisch Kranke besonders wichtig

„Frühzeitig vor einer Fernreise sollten chronisch Kranke sich bei ihrem Hausarzt oder einem Reisemediziner beraten lassen und abklären, welche Gesundheitsrisiken durch ihr Leiden je nach Reiseziel und Reiseart bestehen könnten – etwa aufgrund des Klimawechsels, durch Infektionsrisiken, unübliche Aktivitäten und körperliche Anstrengung, eine ungewohnte Ernährung oder den Flug“, rät Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Auch eine etwaige Anpassung der Medikamenteneinnahme aufgrund von Zeitverschiebungen sollte abgeklärt werden. Zudem ist es wichtig, sich zu notwendigen Reiseimpfungen beraten und in diesem Zuge auch die Standardimpfungen auffrischen zu lassen. Da Infektionserkrankungen bei chronisch Kranken komplizierter verlaufen können, ist ein umfassender Impfschutz für sie besonders bedeutend.

Wichtige Daten der Krankengeschichte in Englisch oder der Landessprache

„Es ist ratsam, sich im Vorfeld einer Fernreise mit einer möglichen Verschlechterung der chronischen Krankheit im Ausland oder mit einem eventuell notwendigen Bezug von Medikamenten auseinandersetzen“, so Professor Jelinek. Ein Dokument in der Landessprache oder auf Englisch, das die wesentlichen Daten der Krankengeschichte, die benötigten Medikamente und Dosierungen sowie Hinweise auf Unverträglichkeiten oder Allergien enthält, erleichtert im Ernstfall die Behandlung im Ausland. Bei der Zusammenstellung dieser Unterlagen sollten Betroffene den Haus- oder Facharzt um Hilfe bitten. Benötigte Dauermedikamente sollten immer in der Originalverpackung inklusive des Beipackzettels mitgenommen werden. In diesem finden sich – falls Ersatz besorgt werden muss – wichtige Informationen zum Wirkstoff. Auch Dokumente, die über Implantate, etwa einen Herzschrittmacher, Auskunft geben, gehören ins Gepäck.

Medikamente richtig mitführen

Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, sollten chronisch Kranke in der doppelten Menge am besten im Handgepäck mitführen. So ist sichergestellt, dass auch bei Reiseverzögerungen oder beim Verlust des Koffers die Medikation fortgesetzt werden kann. Für die Mitnahme von Spritzen und verschreibungspflichtigen Medikamente im Handgepäck ist es sinnvoll, sich eine Bescheinigung des Arztes ausstellen zu lassen, die bestätigt, dass es sich um persönlich benötigtes medizinisches Material handelt. „Manche Präparate, etwa morphinhaltige Schmerzmittel (Opiate), sind jedoch besonders ‚zollsensitiv‘– sie können beschlagnahmt werden“, sagt Jelinek. Für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, gilt: Bei Reisen innerhalb des Schengen-Raumes können sich Urlauber für die persönlich benötigte Menge ein ärztliches Attest ausstellen lassen. Beim Besuch anderer Staaten sollte man sich zuvor bei der jeweiligen Botschaft über die Regelungen zur Mitnahme der Präparate informieren.

Reisekrankenversicherer bezahlen keine vorhersehbaren Behandlungen

Eine private Auslandskrankenversicherung ist für jeden Reisenden ratsam – vor allem bei Reisen außerhalb Europas. Sie trägt die Kosten für unvorhersehbare medizinische Behandlungen im Ausland – dies gilt auch für chronische Erkrankungen, die sich unerwartet und akut im Urlaub verschlechtern. „Ist jedoch von vornherein absehbar, dass eine Behandlungsbedürftigkeit besteht – etwa weil wegen einer Nierenerkrankung regelmäßig eine Dialyse stattfinden muss – zahlt die private Auslandskrankenversicherung für gewöhnlich nicht“, gibt Jelinek zu Bedenken. In diesen Fällen tritt die reguläre Krankenversicherung ein. Chronisch Kranke müssen dazu bei ihrer Krankenkasse nachweisen, dass sie keine Auslandskrankenversicherung für notwendige Behandlungen auf Reisen finden, indem sie zwei bis drei Ablehnungsschreiben vorlegen. Dann übernehmen die gesetzlichen Kassen nach Prüfung für gewöhnlich die Kosten. „Eine solche Bestätigung der Kostenübernahme sollte unbedingt vorliegen, bevor man sich auf Reisen begibt“, so Jelinek. Eine private Reisekrankenversicherung ist zur Absicherung von Notfällen im Ausland zusätzlich ratsam.

Professor Dr. med. Tomas Jelinek
Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf

 

 

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