Deutschland: Ein Prosit mit der Berliner Weißen

Berliner Weiße

Grün oder Rot?

Im Sommer, in den zahlreichen Biergärten und Gartenrestaurants schmeckt sie natürlich besonders gut: die grün oder rötlich schimmernde Berliner Weiße, das wohl berühmteste Getränk der Stadt. Serviert wird sie in einem Gefäß, das aussieht wie ein Pokal aus Glas. Zuerst schüttet die Bedienung einen Schuss Sirup in das Glas und gießt dann den größten Teil des Bieres ein. Der Rest wird langsam nachgeschenkt, damit sich die feste weiße Schaumkrone bilden kann. Die leuchten­den Farben und den süßlichen Geschmack liefert wahlweise ein Waldmeister- oder ein Himbeersirup. Man kann das Bier aber auch pur trinken, dann schmeckt es spritzig und leicht säuerlich. Heutzutage gibt es die Weiße mit Sirup meist schon als fer­tige Mischung in der Flasche. Der Tourist, nicht unbedingt der Berliner, trinkt sie mit Hilfe eines Strohhalmes – so soll sie sich besser genießen lassen. Berliner Weiße

Eine Berliner Brauspezialität

Die Weiße wird mit Gersten- und Weizen­malzen gebraut, vom Weizen stammt auch die dunkle gelbe Farbe. Eine Besonderheit sind die Milchsäurebakterien. Sie werden mit verschiedenen obergärigen Bierhefen vergoren und verursachen so den säuer­lichen Geschmack. Der Alkoholgehalt hält sich mit knapp drei Prozent ziemlich in Grenzen.

Früher trank man die Weiße pur oder „mit Strippe“, mit einem klaren Schnaps, ent­weder einem Kümmelbranntwein oder einem Korn. „Wann die Idee mit der Sirup-Mischung aufkam, weiß man nicht so ge­nau“, sagt Frank-Jürgen Methner von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin. Wahrscheinlich irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts. Methner kennt sich aus, eine ganze Dissertation hat er über die Berliner Weiße geschrieben. Die Weiße muss damals ziemlich sauer gewesen sein. Daher mischten die Berliner Wirte dem Bier oftmals etwas Zucker hinzu – was auch den Vorteil hatte, dass es auf diese Weise schön nachgärte. Die Laubenpieper verbuddelten vor Beginn des Winters gerne einige Flaschen in ihren Gärten, wo es nachreifen und außerdem kühl und dunkel lagern konnte.

Champagner des Nordens?

Die große Zeit der Weißen ist allerdings schon länger vorbei. Ein wahres Lebenselixier für die Berliner war sie vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Hunderte von kleinen Weißbierbrauereien brauten, was das Zeug hielt, um den Durst der Bevölkerung zu löschen. „Die Bier­kutscher zogen mit ihren Wagen durch die Straßen, und die Leute füllten das Bier frisch vom Fass in ihre Tonkrüge ab“, er­zählt Methner.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit der Anzahl der Weißbierbrauereien und der Trinkkultur nach und nach bergab. Was auch damit zusammenhing, dass die Ber­liner immer weniger Bier tranken bzw. auf Pilsbiere umstiegen. Heute gibt nur noch zwei Brauereien, die Berliner Weiße her­stellen, die Kindl-Schultheiss-Brauerei in Weißensee und den Berliner Bürgerbräu in Köpenick. Berliner Weiße mit Himbeer

Der Brautechniker Franz-Jürgen Methner bedauert es, dass die Brauindustrie die Berliner Weiße nicht weiter entwickelt hat. „Für den Sommer ist sie mit ihrem säuer­lichen Geschmack ein ideales Getränk“, findet er. Napoleon Bonaparte jedenfalls, der der Legende nach die Weiße bereits kannte, hat vielleicht einen Hinweis für kreative Braumeister hinterlassen. Er lobte sie nämlich als „Champagne du Nord“. Tatsächlich würde das Berliner Bier ein wenig wie Champagner schmecken, wenn es länger gelagert wird, berichtet Methner. Also wer weiß, was noch aus der Weißen wird?

Angelika Friedl

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