Österreich: Wandern im Stubaital mit Weitblick

Kloster Maria Waldrast

Wie eine Perle in der Auster, umschlossen von gewaltigen Bergen, liegt das 35 Kilometer lange Stubaital. Mit seinen saftigen Wiesen, den malerischen Orten Neustift, Fulpmes, Telfes, Mieders und Schönberg und durchflossen vom Ruetzbach, ist es eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Eine Landschaft, die erwandert werden will.

Spektakulärer Stubaiblick

Vom Ortsrand in Fulpmes führt die Kreuzjochbahn ins Wandergebiet 2000. Fast geräuschlos schließen sich die Türen der Kabinenbahn und man schwebt nach oben. Zeit, den Blick schweifen zu lassen. In 2.136 Meter Höhe ist die Bergstation erreicht und der „Stubaiblick“ greifbar nahe.

Kreuzjochbahn

Ein Panoramaweg führt Wanderer, Schaulustige und Sonnenhungrige zur Aussichtsplattform, deren spektakuläre Stahlkonstruktion über dem Abgrund zu schweben scheint. Weit geht der Blick hinunter ins Tal bis auf das imposante Massiv der Kalkkögel in der Ferne und auf die bizarren Berggipfel ganz nah. An vier Tagen im August kann man hier oben den Sonnenaufgang erleben. Dann fahren schon ab 5.20 Uhr die ersten Gondeln der Bergbahn und auf der Aussichtsplattform drängen sich die Frühaufsteher mit Fernglas und Fotoapparat. Was für ein Augenblick, wenn dann der Sonnenball Sekunde für Sekunde am Horizont emporsteigt und die umliegenden Gipfel in ein zartes rosafarbenes Licht taucht. Und begleitet vom tiefen Klang der Alphörner  – live gespielt von drei Bläsern – beginnt ein strahlend schöner neuer Tag. Kreuzjochbahn

Auf dem Kreuzjoch

Nach einem Frühstück im Panoramarestaurant Kreuzjoch wirkt das eindrucksvolle Erlebnis noch lange nach.  Draußen wartet schon Wanderführer Christian, um uns auf den Alpenpflanzenlehrpfad zu begleiten. Auf schmalem zickzackpfad geht es empor zum Gipfelkreuz, vorbei an Almkräutern, Wiesenblumen und seltenen Gebirgspflanzen, die Christian alle beim Namen nennt. Bergab wandern wir auf dem Naturlehrpfad, der mit zahlreichen liebevoll gestalteten Infostationen viel Wissenswertes über die Tiere und Pflanzen der Gebirgswelt vermittelt.

Weich wie ein Teppich sind die Almwiesen, auf denen gelbbraune Kühe grasen, die dem Wanderer manchmal den Weg versperren. Immer wieder schweift der Blick nach oben zu den imposanten Riesen, deren schroffe Gipfel in den wolkenlosen Himmel ragen. Nach einer kurzen Rast auf der Schlickeralm in 1640 Metern führt der Weg talwärts durch herrliche Lärchenwälder, vorbei am Alpenerlebnispark mit Klettergaten und dem künstlich angelegten Panoramasee bis zur Mittelstation der Kreuzjochbahn.

Der schönste Berg

Malerisch liegt das Dorf Mieders am Fuß des 2.717 Meter hohen Serles. Die Anwohner sind stolz auf Ihren Hausberg, der für Alexander von Humboldt der schönste Berg der Alpen war und den auch Goethe als den Hochalter Tirols bezeichnet hatte. Mit der Serlesbahn geht es hinauf bis auf 1.600 Meter und hinein in ein herrliches Wandergebiet mit Europas höchstgelegenem Kloster Maria Waldrast – einem idyllisch gelegenen Wallfahrtsort mit Klostergasthof und Heilquelle, an deren Wasser sich auch so mancher Wanderer labt. Nach einer zünftigen Jause auf der Ochsenalm oder am Koppeneck lohnt es sich, hier oben  mit Weitblick auf die Berggiganten den Sonnenuntergang zu erleben. Talwärts gleitet man dann ruhig und sicher in der Gondel oder mit Herzklopfen in rasanter Fahrt über 40 Steilkurven auf der 2,8 Kilometer langen Sommerrodelbahn.

Genusswandern

 Beim Wandern im Stubaital kann man sich die Natur auch sprichwörtlich auf der Zunge zergehen lassen. Gaumenfreuden verspricht das Programm Genusswandern, bei dem regionale Spezialitäten wie Wein, Edelbrände, Speck und Honig entdeckt und verkostet werden können. In die Geheimnisse der Stubaier Käsekunst, besonders des Graukäses, wird man z.B. jeden Dienstagnachmittag auf der Schickleralm eingeweiht.

Hütte auf der Sulzenaualm

 Naturschauspiel

Der Wilde-Wasser-Weg mit dem Grawa Wasserfall, dem breitesten der Ostalpen, gehört zu den beliebtesten Wanderungen. Tosend und sprühend stürzt er sich 80 Meter breit aus 450 Metern herab. Von der Grawa Alm führt ein alter Almsteig in steilen Serpentinen durch den Wald bis hinauf zur Sulzenau Alm. In der urigen kleinen Hütte mit rustikalem Mittagsangebot macht man gerne Rast. Hier hat ein Holzschnitzer seiner Fantasie freien Raum gelassen und Tische, Stühle und Bänke mit lustigen oder grimmigen Berggeistern versehen. Steil wie beim Aufstieg geht es hinab bis zum Aussichtspunkt am Wasserfall. Von einer großen Aussichtsplattform kann man das grandiose Naturschauspiel in aller Ruhe beobachten. Und dabei sogar etwas für seine Gesundheit tun. Denn Untersuchungen der Paracelsus Privatuniversität Salzburg haben gezeigt, dass sich schon eine Stunde Aufenthalt am Fuß des Grawa Wasserfalls positiv auf die Atemwege auswirken kann.

TOP OF TYROL

 Neustift ist der bekannteste und letzte Ort im Stubaital, überragt von den Bergmassiven des Elfer, Zwölfer und Habicht. Im Ortsteil Mutterberg an der Talstation der Gletscherbahn hört die Straße auf und die Welt des Stubaier Gletschers beginnt. Etwa dreißig Minuten dauert die Fahrt nach oben. Je höher man kommt, desto größer wird die Zahl der Sessel-/Gondelbahnen und Schlepplifte, die kreuz und quer die Hänge überziehen. Denn hier ist das größte Gletscherskigebiet des Landes mit 110 Abfahrtskilometern und einer Schneegarantie von Oktober bis Juni. P1030929

Die Bergstation Eisgrat in 2.900 Metern Höhe sieht aus wie ein gerade gelandeter Ufo. Jetzt ist das ewige Eis ganz nah. Nicht in strahlendem Weiß sondern in einer Melange aus weißgrau und dennoch faszinierend präsentiert sich die Gletscherlandschaft. Vom Restaurant und Panoramaterrasse geht der Blick hinauf zur Schaufelspitze. Noch eine kurze Fahrt mit der Gondelbahn und in der Jochdohle, dem höchstgelegenen Bergrestaurant Österreichs, könnte man einkehren. Doch zunächst führt eine steile Metalltreppe zum Highlight des Tages, ja der ganzen Reise, zum TOP OF TYROL. Die Gipfelplattform ragt in 3.120 Metern wie freischwebend über dem Gletscher und ist eine Attacke auf die Schwindelfreiheit. Atemberaubend ist der Rundblick über 105 Dreitausender. Von den Ötztaler über die Stubaier Alpen bis zu den Dolomiten reicht der Blick. Hier muss man einfach innehalten, schauen, genießen, sich einfangen lassen vom Zauber dieser imposanten Bergwelt.

 Text und Fotos: Christel Seiffert

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