Reiseimpfungen – ein aktueller Überblick

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Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 15. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB Berlin 2014

Bei der Vorbeugung von Krankheiten gehören Impfungen zu den effektivsten Maßnahmen. Impfberatung und Durchführung von Reiseimpfungen sind ein wesentlicher Teil der reisemedizinischen Tätigkeit. Die Beratung sollte individuell auf den Reisenden, Reiseziel, -art und -dauer abgestimmt sein und mögliche Akzeptanzprobleme, auch finanzieller Natur, berücksichtigen.

Bei den Reiseimpfungen ist zu unterscheiden zwischen Pflichtimpfungen, die zur Einreise in einzelnen Ländern vorgeschrieben sind, Standardimpfungen, die generell allen Reisenden empfohlen werden, und Indikationsimpfungen, die in besonderen Situationen angezeigt sind. Die Indikation für reisemedizinische Impfungen ist in hohem Maße auch der epidemiologischen Dynamik einzelner Erkrankungen unterworfen. Mit der globalen Zunahme an Zahl, Ausbreitung und Inzidenzen von „Emerging Infectious Diseases“ ist der Bedarf an neuen Impfstoffen in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Zudem sind zahlreiche neu eingeführte oder vor der Einführung stehende Impfstoffe, die primär nicht für die Reisemedizin entwickelt worden sind, auch im Rahmen der Beratung vor Auslandsreisen interessant. Diesen wird in den nächsten Jahren das Hauptinteresse in der reisemedizinischen Impfberatung gelten, zum Teil muss hier auch der Konsens für die Indikation zur Impfung neu gefunden werden. Ein Beispiel hierfür ist der bereits seit Längerem zugelassene orale Impfstoff gegen Cholera.

Im Gegensatz zum zuvor verfügbaren parenteralen Impfstoff zeigt dieser gegen Cholera eine gute protektive Effektivität bei minimaler Nebenwirkungsrate. Über die in Deutschland auf die Impfung gegen Cholera eingeschränkte Zulassung hinaus bietet der Impfstoff jedoch einen zusätzlichen Schutz gegen das hitzelabile Toxin von enterotoxigenen Escherichia coli (ETEC). Die Indikation für ETEC-Reisediarrhö-Impfungen besteht bei Reisenden, die in hochendemische Gebiete reisen und das Risiko für Durchfall reduzieren wollen. Hier zeigen sich sehr gute klinische Erfolge bei der Durchfallprävention.

Ebenfalls seit mehreren Jahren zugelassen ist der neue Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis. Die durch Mücken übertragene JE ist weltweit die häufigste Ursache viraler Enzephalitiden und in vielen ländlichen Regionen Asiens ein ernstes Gesundheitsproblem. Die JE tritt hauptsächlich in der Nähe landwirtschaftlicher Betriebe auf, da für die Mücken Reisfelder ideale Brutplätze und Nutztiere ein wichtiges Virusreservoir darstellen. Es handelt sich bei der Japanischen Enzephalitis um eine der ernstesten Enzephalitisformen mit einer Letalität von circa 30 Prozent sowie einer hohen Rate von Residualschäden bei den Überlebenden. Mit der Verfügbarkeit dieser neuen Vakzine ist die Indikation zur Impfung Reisender gegen Japanische Enzephalitis deutlich erweitert worden. Die Zulassung für Kinder ist Anfang 2013 erfolgt, aktuell finden noch Studien zur Schnellimmunisierung statt.

Seit 2012 ist in Deutschland eine zweite konjugierte, tetravalente Vakzine gegen Meningokokken- Meningitis verfügbar. Die Zulassung der neuen Impfung gegen Meningokokken Typ B ist ebenfalls erfolgt. Sie ist seit Ende 2013 verfügbar. Diese Impfungen bedeuten einen echten Durchbruch in der Bekämpfung der Meningokokken-Meningitis, sie werden zukünftig einen erheblichen Stellenwert bei der Immunisierung von Kindern und Jugendlichen haben. Eine wichtige Änderung für die Beratung älterer und chronisch kranker Reisender hat die Zulassung der 13-valenten Konjugatimpfung gegen Pneumokokken für Erwachsene gebracht.

Eine beachtliche Zahl von Impfstoffen befindet sich derzeit in Entwicklung beziehungsweise bereits in klinischer Prüfung, jedoch sind die Aussichten auf Marktreife sehr unterschiedlich zu beurteilen. Die intensive Arbeit an einem Impfstoff gegen Dengue-Viren wird fortgesetzt, ebenso wird an Impfstoffen gegen Noroviren und gegen Borreliose gearbeitet. Insgesamt sind in den nächsten Jahren zahlreiche Neuentwicklungen und Zulassungen von Impfstoffen zu erwarten, die in vielen Fällen überwiegend auch in der reisemedizinischen Beratung relevant sein werden.

Professor Dr. med. Tomas Jelinek
Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf

 

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