Dänemark: Die Kleine Meerjungfrau – Kopenhagens Wahrzeichen

Kleine Meerjungfrau, Visit Denmark

Etwa 15 Minuten dauert der Weg von Kopenhagens berühmtem Hafenbecken Nyhavn mit den historischen Schiffen und den bunten, alten Häuserfassaden zum Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt. Am Ende eines sanften Rundbogens, den die Promenade Langelinie hier schreibt, sitzt die Kleine Meerjungfrau auf einem Findling. Halb Mensch, halb Meereswesen wartet sie seit genau 100 Jahren auf ihren Prinzen – am 23. August 1913 wurde Den Lille Havfrue feierlich der dänischen Öffentlichkeit übergeben.

Die Überraschung der oft weit gereisten Besucher ist immer wieder so groß wie die nach dem 1837 erschienen Märchen gleichen Namens von Hans Christian Andersen entstandene Skulptur klein: Nur 125 Zentimeter misst die Bronzefigur – ein Geschenk des Bierbrauers und Kunstmäzens Carl Jacobsen („Carlsberg“) an seine Heimatstadt Kopenhagen. Auch im Sommer 2013 sieht die „Havfrue“ jung aus wie damals, am Tag ihrer Einweihung. 15 Jahre alt ist sie laut Märchendichter Andersen. Ihre Schönheit wirkt bescheiden. War so bescheiden auch Ballerina Ellen Price, die 1909 die Hauptrolle im Ballett „Die Kleine Meerjungfrau“ am Königlichen Theater tanzte? Nach ihr schuf Bildhauer Edvard Eriksen (1876–1959) der Überlieferung nach sein Kunstwerk. Doch angeblich wollte die Tänzerin nicht nackt Modell stehen – und so trägt die Jubilarin zwar ihr Gesicht mit den sanften Zügen. Doch für den Körper sprang angeblich Edvardsens Frau Eline ein.

Geliebt – und verwundet
Doch an die große kleine Jubilarin reichen alle diese Arbeiten nicht heran. Doch so be- und geliebt das dänische Nationalsymbol auch ist, musste die „Havfrue“ in ihrem langen Leben dennoch schon turbulente Zeiten durchmachen – sogar enthauptet wurde sie schon. Und das gleich mehrfach. 1964 war die 175 kg schwere Skulptur erstmals kopflos: Wer dahinter steckte, ist bis heute unklar. 1984 fehlte ihr ein Arm – die Täter meldeten sich freiwillig. 1998 war es erneut der Kopf, der verschwand. Die Anklage gegen einen verdächtigten Fotografen musste fallengelassen werden. Am 11. September 2003 wurde die Kleine Meerjungfrau komplett vom Sockel gerissen, wohl mit Hilfe von Sprengstoff. Freiwillig verlassen hat die millionenfach Fotografierte ihren Stammplatz in Kopenhagen aber nur ein Mal: Ein halbes Jahr lang war die „Havfrue“ anlässlich der Expo 2010 zu Gast in Schanghai – ihre einzige Reise.

 

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