Dänemark: Zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen

Vom 6. bis 10. Mai 2014 findet in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen der Eurovision Song Contest statt.  Die gelungene Mischung aus Prachtbauten und Einkaufstraßen lädt zu einem abwechslungsreiche nStadtbummel ein.

Der beste Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang ist der Rathausplatz, denn hier schlägt das Herz der dänischen Hauptstadt. Der gut 100 Jahre, alte, imposante Klinkerbau des Rathauses ist das beherrschende Gebäude und besitzt eine starke Ähnlichkeit mit dem Palazzo Publico im toskanischen Siena. Über dem Eingang wacht die vergoldete Statue von Bischof Absalon mit Schwert und Bischofsstab über die von ihm 1167 gegründete Stadt.

Auf dem Dach sind weitere Figuren zu sehen, die die Nachtwächter der Stadt darstellen. Wer ein wenig Kondition besitzt, kann den höchsten Turm der Stadt erklimmen und nach 300 Stufen einen schönen Blick über Kopenhagen und den nahen Øresund genießen. Neben dem Rathaus stehen auf der einen Seite auf einer schlanken Säule zwei Lurenbläser und richten ihre Instrumente gen Himmel, auf der anderen sitzt der Märchendichter Hans Christian Andersen in Bronze gegossen. Seine Knie sind von den vielen Kindern, die darauf für ein Erinnerungsfoto Platz genommen haben, schon ganz blank gescheuert.

Alle lieben den Tivoli

Nur paar Schritte über die Straße befindet sich der Eingang zum Tivoli, neben der Kleinen Meerjungfrau das bekannteste Wahrzeichen Kopenhagens. Bei seiner Eröffnung 1843 lag der Tivoli noch außerhalb der Stadt, heute bildet er eine grüne Insel inmitten der dänischen Hauptstadt. Karussell, Achterbahn und Riesenrad, feine Restaurants, gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, Popcorn und die feine Michaelsen Schokolade, das ist die Tivoli-Mischung, die immer noch die Besucher begeistert.

Platz ist knapp im Tivoli, jeder Quadratmeter ist kostbar. Während über den Köpfen die Achterbahn rumpelnd durch die Kurven saust, lutschen die Besucher auf den Parkbänken seelenruhig ihr Softeis. Danach geht’s ins verrückte Spiegellabyrinth, auf den fliegenden Teppich, zum Drachen, zur Galeere und zu den wilden Schwänen. Gleichzeitig spielt im Promenadenpavillon das Symphonieorchester klassische Musik und auf der chinesischen Pfauenbühne treibt Pierrot seine Späße. Den Auftritt des stummen weißen Dieners gibt es schon seit der Eröffnung des Parks.

Anfangs war er eine Notlösung, denn der König hatte jede politische Äußerung im Theater verboten, gegen ein Pantomimentheater hatte er aber nichts einzuwenden. Den ersten Pierrot hat der Schauspieler Volkertsen jahrzehntelang mit Hingabe gespielt. Nach seinem Abgang bekam er gegenüber der Bühne ein Denkmal gesetzt. Von dem schaut er mit seinem rot geschminkten Mund, dem weißen Gesicht und den schwarzen Knopfaugen den Besuchern auf den Kopf. Wer sich vergnügt, möchte auch gut essen, kein Problem im Tivoli, denn die Auswahl ist so groß, dass die Entscheidung schwer fällt. Das Angebot reicht von den Nobelrestaurants „Balkonen“ und „Divan“ bis zur kleinen Waffelbäckerei.

Auf dem Strøget

Nach dem Tivoli geht es zum Strøget – zum Strich, doch diesen Straßennamen gibt es auf keinem Stadtplan. Die belebteste Einkaufsmeile der Stadt beginnt am Rathausplatz als Frederiksberggade, geht dann in Nygade, Vimmelskaftet, Amagertorv und Østergade über und endet schließlich am Kongens Nytorv.

Die Frederiksberggade ist der jüngste Teil vom Strøget. Weil hier bei einem Großfeuer 1728 die meisten der alten Häuser den Flammen zum Opfer fielen, wurden beim Wideraufbau die verwinkelten Straßen begradigt und verbreitert. Deshalb führt die Frederiksberggade heute geradlinig bis zum Gammeltorv und Nytorv. Ein Stück weiter liegt auf der linken Seite der Gråbrødretorv, der schönste und lebendigste Platz Kopenhagens. Hier haben die Franziskaner im 13. Jahrhundert ihr erstes Kloster gebaut. Wegen ihrer grauen Kutten wurden sie “Graue Brüder” genannt, was dem Platz seinen Namen gab. Mitten auf dem Platz und in den schön renovierten Bürgerhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt es zahlreiche Restaurants und Kneipen, in denen häufig Livemusik gespielt wird.

-DK, Kopenhagen, Rathausplatz, Lurenbläser

Durch den Kringlegangen, vorbei an der Helligåndskirke, ist man vom Platz der Grauen Brüder schnell wieder in Höhe des Amagertorv auf dem Strøget. Der Amagertorv ist kein abgeschlossener, gemütlicher Platz, eher nur eine Ausbuchtung des Strøget, die gut an dem Storchenbrunnen zu erkennen ist. Wer genau hinschaut, erkennt zwar keine Störche sondern Reiher, die mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Brunnen sitzen, doch für die Kopenhagener ist es seit jeher der Storchenbrunnen. Hier haben die Straßenkünstler ihre Bühne und liegen einige der besten Shoppingadressen.

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Illums Kaufhaus, Jensens Silberschmiede, edle Boutiquen und Larsens Tabakhandel sind die Aushängeschilder. Auch Royal Copenhagen ist hier zu finden. Die Erzeugnisse der Königlichen Porzellanmanufaktur werden im Mathias Hansens Gård, einem der ältesten Häuser der Stadt mit prächtiger Fassade und Stufengiebel angeboten. Mit schmalem Geldbeutel bleibt der Besuch im obersten Stockwerk, im Café Royal Copenhagen, das Kaffee und Kuchen auf königlichem Porzellan serviert. Links zweigt vom Amagertorv die Købmagergade, eine weitere Einkaufsmeile, und rechts der Højbro Plads, mit Blick auf Slotsholmen mit Schloss Christiansborg, ab.

Auf Slotsholmen, der Schlossinsel, protzt Kopenhagen mit seiner Geschichte. Sie ist die Keimzelle der Stadt und bildet seit rund 1000 Jahren auch das Zentrum der Macht. Von Bischof Absalons Burg bis Schloss Christiansborg spannt sich der historische Bogen. In den Kellern des mächtigen, vierflügeligen Schlosses mit seinem 90 Meter hohen Turm und der Fassade aus Bornholmer Granit sind noch die 900 Jahre alten Mauern der ersten Burg zu besichtigen, die Bischof Absalon an dieser Stelle errichten ließ.

Heute drängen sich auf Slotsholmen auf engstem Raum das Parlament, die Ministerien, das oberste Gericht, die Empfangssäle der Königin, die Königliche Bibliothek sowie einige Museen. Der Strøget endet schließlich am Kongens Nytorv, dem neuen Markt des Königs. Zentrum des größten Platzes der Innenstadt ist das Reiterstandbild König Christian V., der im 17. Jahrhundert den Nytorv zum Mittelpunkt der schnell wachsenden Stadt machte.

Im Laufe der Jahrhunderte entstanden um den Platz mehrere repräsentative Palais: Schloss Charlottenborg im holländischen Barockstil, Det Kongelige Teater, das ehrwürdige Kaufhaus Magasin du Nord und die Nobelherberge Hotel d’Angleterre. Vor dem neoklassizistischen Bau des Königlichen Theaters sind Statuen von Adam Oehlenschläger, dem Autor der dänischen Nationalhymne und vom norwegischen Komödiendichter Ludvig Holberg zu sehen.

Von Nyhavn nach Frederiksstaden

Vom Kongens Nytorv ist schon der kurze Nyhavn Kanal zu sehen, den ebenfalls König Christian V. in Auftrag gegeben hat, da er einen Stichkanal zu seinem neuen Königlichen Markt wünschte.

Seit dem 18. und 19. Jahrhundert sind beide Seiten des Kanals von bunten Giebelhäusern gesäumt. Die nostalgischen Holzsegelschiffe am Kai runden das Bild ab und machen Nyhavn zu einem der beliebtesten Fotomotive Kopenhagens. Auf der Sonnenseite des Kanals reiht sich Kneipe an Kneipe, wetteifern die Restaurants, um die Gunst der Touristen, die in Scharen kommen. Nichts deutet mehr darauf hin, dass Nyhavn zu Zeiten Hans Christian Andersens, der einst in den Häusern Nr. 18 und 67 wohnte, ein zwielichtiger Rotlichtbezirk war, ein Treffpunkt für Seeleute aus aller Welt, die in dunklen Hafenkneipen und Bordellen ihre Heuer durchbrachten.

Nördlich von Nyhavn beginnt der Stadtteil Frederiksstaden, der seinen Namen und sein Aussehen König Frederik V. verdankt, der sich mit zahlreichen Prachtbauten ein Denkmal gesetzt hat. Das ganze Viertel entstand nach Plänen des damaligen Hofbaumeisters Nicolai Eigtved, die rechtwinklig angelegten Straßen, die Rokoko Fassaden, die Marmorkirche und Schloss Amalienborg wurden von ihm entworfen. Mit ihrer mächtigen Kuppel ist die Marmorkirche – deren offizieller Name Friedrichskirche ist – eines der markantesten Bauwerke Kopenhagens.

Der 1740 begonnene Bau sollte ursprünglich sogar den Petersdom in Rom übertreffen und aus edlem norwegischem Marmor gebaut werden. Doch das Projekt war so nicht zu finanzieren, erst durch die Gelder des Industriellen C.F. Tietgen konnte die Bauruine 1894 schließlich fertig gestellt werden – aus Kostengründen wurde dabei allerdings nicht Marmor sondern Kalkstein verwendet. Mit einem Kuppeldurchmesser von 33 Metern zählt sie aber trotzdem noch zu den größten Kirchen in Europa.

© Christian Nowak, Dänemark, Kopenhagen, Schloss Amalienborg

Der Monumentalbau bildet den Abschluss einer vom Hafen über Schloss Amalienborg verlaufenden Ost-West-Achse und sollte den Mitte des 18. Jahrhunderts neu angelegten Stadtteil Frederiksstaden krönen. Die Amaliegade, gesäumt von typischen Eigtved-Häusern, führt zum Schloss Amalienborg, der Residenz des dänischen Königshauses seit 1794. In der Mitte des Schlossplatzes sitzt König Frederik auf seinem bronzenen Pferd und blickt stolz auf die Marmorkirche mit ihrer grüngoldenen Kuppel. Der achteckige Schlossplatz wird von vier Rokoko-Gebäuden – Palais Schack, Palais Brockdorff, Palais Levetzau und Palais Moltke – begrenzt, in denen heute die königliche Familie residiert.

Wenn Königin Margrete II. zu Hause ist, weht der Dannebrog über ihrem Domizil. Ihr zu Ehren wird dann auch der große Wachwechsel zelebriert, eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen die dänische Monarchie sich prunkvoll gibt, sonst bevorzugt die Königin eher ein volkstümliches Auftreten. Vom Schlossplatz sind es nur wenige Schritte zum Wasser, wo sich ein schöner Blick auf die neue Kopenhagener Oper im Stadtteil Christianshavn bietet. Die Fakten des 2005 eröffneten Opernhauses sind beeindruckend: 14 Stockwerke, davon fünf unterirdisch, sechs Bühnen, Platz für 1400 Zuschauer und eine supermoderne Bühnentechnik.

Das Geld, immerhin umgerechnet rund 335 Millionen Euro, hat der Großreeder und Milliardär McKinney Møller spendiert, den Entwurf des kühnen Hauses Stararchitekt Henning Larsen gemacht. Unverwechselbares Erkennungszeichen der Oper ist das weit in Richtung von Schloss Amalienborg überstehende Dach. Die Kopenhagener sind über das Geschenk begeistert, besitzen sie nun endlich, wie Finnland, Schweden und Norwegen eine repräsentative Nationaloper.

Klein-Amsterdam

Nicht nur die neue Oper lohnt einen Besuch in Christianshavn. Der gesamte Stadtteil ist vom Wasser umgeben, wie Finger drängen sich die Kanäle zwischen die Häuser. Liebevoll restaurierte Packhäuser und moderne Neubauten mit viel Glas ergeben eine sehenswerte Mischung. Alte Holzsegler und moderne Segelboote und Yachten lassen den Spitznamen Klein-Amsterdam durchaus zutreffend erscheinen. Das höchste Bauwerk in Christianshavn ist der Turm der Erlöserkirche.

Das Besondere an dem Turm ist seine außen liegende Wendeltreppe, die mit zunehmender Höhe immer schmaler wird und die sich bis unter die vergoldete Weltkugel mit der Christusfigur in 90 Metern Höhe schraubt. Schwindelfreiheit vorausgesetzt genießen Besucher bei gutem Wetter einen fantastischen Ausblick auf die Stadt. Nach einer Legende soll der Erbauer, Laurids de Thurah, Selbstmord begangen haben und vom Turm gesprungen sein, als er realisierte, dass die Treppe statt im Uhrzeigersinn gegen diesen verlief. Doch de Thurah starb friedlich in seinem Bett – arm und vergessen. Der filigrane Barockaltar in der Kirche stammt von dem Schweden Nicodemus Tessin dem Jüngeren.

Christian Nowak

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