Lars Franke: Auf den Spuren alter Klostersagen

Klosterruinen und zerfallene Kirchen lassen nicht nur bei Esoterikern die Fantasie ins Kraut schießen. Wer hat wohl noch nicht darüber nachgedacht, wer dort einst lebte, liebte oder sein Leben verlor? Nach der Lektüre eines kleinen Büchleins aus dem Steffen Verlag Berlin weiß man zumindest mehr über einige der historischen Gemäuer zwischen Sassnitz und Senftenberg. Der Autor Lars Franke kennt sich damit aus, im gleichen Verlag erschienen bereits Berlin-Barndenburger Spukgeschichten.

Franke_Klostersagen_Aufriss2.inddUnd nun ist er „Auf den Spuren alter Klostersagen von der Niederlausitz über Berlin bis Rügen“ unterwegs gewesen und hat allerlei Mythen, Märchen und Überlieferungen gesammelt und aufgeschrieben. Was es da nicht alles gegeben hat in den heiligen Hallen der Klöster und Abteien: „Das Geständnis des hinkenden Mönches“, „Der Spuk des toten Küchenmeisters“ oder einen „Blutfleck in der Klosterkirche“. Dazu heißt es: „Lange war er noch zu sehen. Dieser Blutfleck in der Klosterkirche von Rehna. Man konnte schrubben und scheuern, ihn übermalen, immer wieder kam er zutage. Nicht einmal Abspachteln soll geholfen haben. Die blutrote Mahnung an ein Leben voller Zucht und ohne Sünden blieb…“.

So ganz sündenfrei scheint es aber hinter den Klostermauern nicht zugegangen sein, jedenfalls erzählt man sich seit Jahrhunderten die wunderlichsten Geschichten von Mönchen, die dem Weine sehr zugetan waren, von Nonnen, die ihre Tage nicht nur im frommen Gebet zubrachten und von Äbten und Äbtissinnen, die heimliche Schätze gehortet haben sollen. Höchstwahrscheinlich ließen die geheimen Riten hinter den hohen Mauern bei der ziemlich abergläubigen Bevölkerung die Fantasie ins Kraut schießen. Dem Klerus war das oftmals ganz recht, gab es doch so manches zu verbergen, was mit dem Gelübde nicht immer in Einklang zu bringen war.

Einige der Überlieferungen scheinen einen wahren Hintergrund zu haben, wie der Autor herausfand. Reale Ereignisse und Personen lassen sich in alten Urkunden und Aufzeichnungen finden, doch wurde oft das Geschehen noch mit schauerlichen Details ausgeschmückt und aufgebauscht. Anderes ist zweifelsfrei erfunden, da Namen und Daten nicht zusammenpassen.

Aber kurzweilig zu lesen ist es allemal. Hinzu kommt, dass Lars Franke die Mythen und Geschichten in einen historischen Kontext setzt und mit Fakten und Zahlen ergänzt. Schließlich war das Gebiet westlich von Oder und Neisse schon vor Jahrtausenden besiedelt und jahrhundertelang Schauplatz der wechselvollen Geschichte in der Mitte Europas. So ist das Buch nicht nur ein kleines Nachschlagewerk für Heimatkunde, sondern eignet sich auch hervorragend als Reiseführer, der einen mit 35 Abbildungen und einer Karte durch die Landschaft im Nordosten Deutschlands begleitet.

Regina Friedrich

 

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